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Hallo Outrunner,

es ist eigentlich noch nie vorgekommen, dass im Outrun-Intro ein Funktionär des deutschen Behindertensports zu Wort gekommen ist. Bis heute. DBS-Präsident Friedhelm Julius Beucher wandte sich kürzlich in einem offenen Brief direkt an die Medien-Betreiber:

 

In nur wenigen Wochen folgen der diesjährigen Winter-Olympiade in Vancouver die Paralympischen Winterspiele (12. bis 21. März 2010). Der Deutsche Behindertensportverband wird am 17. Februar die Athletinnen und Athleten nominieren, die unser Land in Kanada vertreten werden. Bis zu diesem Zeitpunkt nutzten und nutzen noch viele der Sportler die anstehenden Welt- und Europacups um wichtige Qualifikationspunkte zu sammeln.

 

Leider konnte ich bisher auf keiner Sportseite der deutschen Zeitungen -abgesehen von einigen lokalen Berichterstattungen- Hinweise oder gar Berichte über erzielte Platzierungen bei internationalen wie auch nationalen Wettkämpfen entdecken. Dabei gehen unsere Informationen regelmäßig an insgesamt 800 Redaktionen in Deutschland. Ich erhebe dabei bewusst nicht den Anspruch die bisherigen Erfolge, übrigens durchweg auf den 1. bis 5. Plätzen, montags lesen zu können. Ich weiß, dass spätestens seit Bundesligabeginn im Fußball und der momentan stattfindenden Handball-EM, neben den Berichten über andere Sportarten und die Olympiavorbereitung der Nichtbehinderten dann kein Platz ist. Aber der Sport hat ja mindestens täglich 1-2 Seiten!

 

Ich möchte Sie deshalb bitten, der Berichterstattung über den Wintersport unserer behinderten Leistungssportler, die bekanntlich zu den Besten der Welt zählen, angemessenen Raum in Ihrem Medium zur Verfügung zu stellen. Das gebietet unser Anspruch auf Chancengleichheit sowie der Respekt vor den Leistungen der Athletinnen und Athleten und selbst wenn zunächst nur bei Kurznachrichten oder ähnlichen Rubriken die Sieger und Siegerinnen ,auf dem Stockerl‘ erwähnt werden.“

 

Gerade in der letzten Zeit, in den letzten Jahren, wo der B-Sport objektiv betrachtet und insbesondere während der Paralympics eine Medienpräsenz erreicht hat wie nie zuvor, klingen diese Worte fast wie eine Bankrotterklärung. Doch es sind ehrliche Worte.

 

Zwar gibt es phasenweise bereits so was wie einen medialen Hype um Sportlerinnen und Sportler mit einer Behinderung, beizeiten benehmen sich die Akteure selbst wie Stars und erwecken den Eindruck, als wäre die Emanzipation in den Medien schon vollzogen. Doch davon sind die, die sich für dieses Ziel einsetzen, eben noch meilenweit entfernt.

 

Der DBS hat sich aktuell am fehlenden Interesse der Medien am Thema nichts vorzuwerfen. Im Gegensatz zu früher, wo vieles versäumt, um nicht gar zu sagen verschlafen wurde, und auf die Entwicklungen in der Medienszene mit Verspätung reagiert wurde anstatt sie selbst mit zu gestalten, hat der Verband in Sachen Öffentlichkeitsarbeit momentan stark aufgeholt, womit auch er nun seinen angestammten Anteil leistet.

 

Insofern ist der Brief von Beucher zu begrüßen. Denn wer stets vorgibt, am Ziel angekommen zu sein, der wird das wirkliche Ziel nie erreichen.

 

Franco Erschbaumer

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