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Heidelberger Rollstuhlmarathon

42,195 km gegen die Uhr

Er ist schon so etwas wie ein Klassiker, der Heidelberger Rollstuhlmarathon. Fahrerinnen und Fahrer aus aller Welt treffen sich hier in der Regel alle zwei Jahre, um die 42,195 Kilometer unter die Reifen zu nehmen. Die fünfte Auflage zeigte einmal mehr, dass dies derzeit keinem so schnell gelingen will wie dem Schweizer Heinz Frei.

Heinz Frei. Foto: Franco Erschbaumer

Wolkenloser Himmel, Temperaturen über 30 Grad, wer denkt da schon an Anstrengung? Statt Sport zu treiben, erklärten die meisten Menschen auf der Neckarwiese entlang der Uferstraße an diesem Samstag lieber die Bikinisaison für eröffnet. Für die über 150 Teilnehmer am 5. Internationalen Heidelberger Rollstuhlmarathon bedeutete das Wetter nichts weiter, als dass sie nicht bloß gegen die Konkurrenz oder die Uhr, sondern auch gegen die sengende Sonne würden antreten müssen.

Punkt 15 Uhr, der Startschuss für das Hauptrennen fällt. Darunter Athletinnen und Athleten aus Thailand, Japan, der Ukraine und Australien. Gleichzeitig beginnen alle Fahrer in die Reifen zu schlagen, da kommt es im hinteren Starterfeld zu einer Karambolage. Fehlstart wie bei der Formel eins. Nur dass es hier für niemand eine zweite Chance gibt. Von den sieben Fahrern, die sich mit ihren Rennmaschinen ineinander verkeilt haben, müssen zwei mit verbogenen Vorderrädern aufgeben, bevor sie die Startlinie passiert haben.

Nicht mit der Formel eins zu vergleichen, dennoch beachtlich ist das Preisgeld von 45.000 Mark, das unter den Siegern und Platzierten ausgelobt wird. Das lässt die Cracks an der Spitze manchen schwachen Punkt während des Rennens ignorieren.

Von Anbeginn führt ein Mann das Feld an, der aktuell die gesamte Marathonszene dominiert wie kein anderer. Der Schweizer Ausnahmeathlet Heinz Frei hält mit 1:21:39 Stunde die Weltbestzeit. Von Anfang an war klar, dass er ein ziemlich einsames Rennen an der Spitze fahren würde. „Um nicht zu gewinnen, müsste er schon unterwegs einen Reifen verlieren“, legte sich auch Orga-Chef Hennes Lübbering auf den Ausgang des Rennens fest.

Bis Kilometer zehn jedoch bilden etwa 15 Fahrer eine recht kompakte Spitzengruppe, darunter die Deutschen Ralph Brunner, Drazen Boric und Winfried Sigg, die sich auch in der Endabrechnung weit vorn platzieren. Und natürlich Heinz Frei, der vom Sopurstall die Order bekommen haben soll, Führungsarbeit für seine Teamkameraden zu leisten. Allmählich jedoch zieht sich das Feld wie ein Kaugummi immer weiter auseinander. Bei Kilometer 30 hat Frei bereits 20 Sekunden Vorsprung gegenüber dem Zweiten Brunner – eine Ewigkeit.

Frei gewinnt schließlich den Heidelberger Rollstuhlmarathon – der übrigens einer von nur vier reinen Rollimarathons auf der ganzen Welt ist (neben Oita in Japan und Sempach sowie Oensingen in der Schweiz) – zum dritten Mal in Folge.

In der Wettkampfklasse T2 gab es ebenfalls einen Titel-Hattrick. Hier fuhr der Österreicher Christoph Etzistorfer als erster durchs Ziel.

Pech hingegen hatte Heini Köberle aus Balertal. Auch er machte sich zu seinem dritten Sieg in Folge auf, doch nach einer von zwei Runden musste er der Hitze Tribut zollen. Er gab auf.

Bei den Frauen kam es zu einem schwedischen Doppelsieg. Monica Wetterström siegte in 1:54:53,5 Stunde und war damit über sieben Minuten schneller unterwegs als Madlene Nordlund. Möglicherweise haben die Marathonplakate die Siegerin beflügelt, denn in diesem Jahr warb der Heidelberger Rollstuhlmarathon e.V. mit ihrem Konterfei. Dritte wurde Chantal Petitclerc aus Kanada. Claudia Mollo aus Leimen erreichte als beste deutsche Teilnehmerin Platz sechs.

Unterhalb der alten Brücke in Heidelberg wird noch der letzte Finisher jubelnd in Empfang genommen. Etwa 10.000 Zuschauer sollen laut Veranstalter das Rennen gesehen haben. Gemessen am Rundkurs, der für 150 Teilnehmer eigentlich zu lang ist, hätten es ein paar Zuschauer mehr sein können. Franco Erschbaumer

Erschbaumer Verlag. Outrun – das Sportmagazin. Alle Rechte vorbehalten/All rights reserved

 

 

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