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Judo

Alles im Griff

Martin Osewald ist außer sich vor Freude. Er reißt seine Arme hoch und schreit die ganze Anspannung aus sich heraus. Bundestrainer Adolf „Charly“ Gärtner stemmt währenddessen das Schwergewicht in die Höhe. Der Grund zur Freude: Bronze für Osewald und damit der ersehnte Medaillenrang für die deutschen Judoka bei den paralympischen Spielen in Sydney.

Über 2000 Zuschauer sahen den Sieg des 35-jährigen in der Klasse über 100 Kilo, der ihm Bronze eingebracht hatte. „Ich fühlte mich ganz leicht, unglaublich glücklich und hörte nur noch das jubelnde Publikum“, beschreibt Osewald seine ersten Eindrücke nach dem Erfolg. Die Anstrengung und die Erinnerung an die harte Arbeit in der Vorbereitung waren offenbar wie weggeblasen.

Beim Judo sind alle Sinne gefragt. Foto: Franco Erschbaumer

In den vergangenen Monaten vermochte sich der Frankfurter enorm zu steigern. Eine Medaille in Sydney rückte damit in erreichbare Nähe. Doch das Losglück hatte es nicht gut mit dem gelernten Anwendungsinformatiker gemeint. Die Judoka waren in zwei Gruppen ausgelost worden, und ausgerechnet in Osewalds Gruppe tummelten sich die Medaillenfavoriten. Als wenn das nicht schon gereicht hätte, gehörte der Judoka auch noch zu denen im gesamten deutschen Team, die sich eine schwere Erkältung eingefangen hatten.

Nach etwas über einer Minute ging denn auch der erste Kampf für den Frankfurter Athleten verloren. Der US-Amerikaner Kevin Szott erwies sich zwar als zu stark, allerdings nicht nur für Osewald. Szott legte nach und nach die gesamte Konkurrenz auf die Matte und gewann somit das Turnier.

Danach hatte Osewald alles – sprich seine Gegner – im Griff. Zweimal gewann der Deutsche mit Ippon, gegen den Franzosen Eric Censier benötigte er dafür fünf Minuten. Den Brasilianer Filho Leonel Moraes legte er im Schnelldurchlauf auf den Rücken.

Die Bronzemedaille bei den Paralympics ist der mit Abstand größte Erfolg von Osewald. In Atlanta hatte er Platz fünf erreicht. „Dieses Mal war der Erfolgsdruck viel größer,“ erklärt er, „ich hatte mich stark verbessert und wollte unbedingt Bronze holen. Die Angst vor der Enttäuschung war sehr groß.“ Normalerweise trainiert und kämpft der sehgeschädigte Sportler mit Sehenden zusammen. Bei den Hessischen Landesmeisterschaften erreichte das Schwergewicht den dritten Platz.

Nicht minder freute sich Bundestrainer Adolf Gärtner über den Erfolg. Der ehemalige Bundesliga-Judoka des SV Heidelberg ist ausserdem stolz darauf, dass er erstmals mit seinen Jungs alle Gewichtsklassen besetzen konnte. „Leider gibt es für die Frauen noch keine Wettbewerbe“, bedauert der Coach. Gerade sie wären wie beispielsweise Susann Schützel, Ramona Brussig oder Jessica Zutz echte Medaillenhoffnungen. „Das trifft uns natürlich hart.“

Eine tolle Vorstellung bot der erst 16-jährige Nachwuchskämpfer Sebastian Junk, der seine Gegner nur in Umrissen erkennt. Kämpfen musste der Teenager bereits im Vorfeld, und zwar um sein Gewicht. Ganze acht Kilo hat er abtrainieren müssen, um in Sydney in der Klasse bis 66 Kilo antreten zu können. „Die meisten, die da starten, sind zehn Jahre älter als ich und haben entsprechend mehr Erfahrung“, war sich Junk bewusst. Insgesamt besiegte er einen Gegner, erreichte damit den 7. Platz und sein gestecktes Ziel.

Bei den Österreichern war es natürlich Walter Hanl, der in der Klasse bis 100 Kilo den Titel für sich beanspruchte. Franco Erschbaumer

Erschbaumer Verlag. Outrun – das Sportmagazin. Alle Rechte vorbehalten/All rights reserved

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