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Rugby or not to be

Angriff der Killer-Kiwis

Lautes Scheppern gehört zum guten Ton der dynamischen und manchmal auch spektakulären Sportart Rollstuhlrugby. Nach der Paralympics-Premiere in Sydney, hat es nun auch in Athen ordentlich gerumst. Und jetzt wo alles vorbei ist, wissen wir: Das Epizentrum des Rollstuhlrugby liegt in Neuseeland, also weit, weit weg von Deutschland.

Gold Medal Match: Kanada gegen Neuseeland. Die beiden derzeit besten Teams der Welt treffen aufeinander. Auf der einen Seite der Kanadier Ian Chan, der, von seinen Mitspielern exzellent in Szene gesetzt, mit seinem aggressiven und schnellen Spiel sein Team bis ins Endspiel gepunktet hat. Auf der anderen Seite Tim Johnson, dem man seine 2,0-Punkte-Klassifizierung kaum ansieht, auch seinem Tore-Konto nicht.

Im ersten Viertel gehen die Kanadier mit 11:9 in Führung. Im zweiten wollen ihnen nur vier Tore gelingen, und die Neuseeländer holen zwei Zähler auf. Beide Teams lieben das Körper betonte Spiel, „das schnelle, das aggressive Spiel“, wie der 27-Jährige Chan betont. Blocken, Täuschen, Rammen. Letzteres auch einfach mal so, um den Gegner einzuschüchtern

In Sydney hatten sich die beiden Mannschaften noch im kleinen Finale um Rang drei gegenüber gestanden (Neuseeland gewann damals mit 44:32), hinter den USA und Australien. Diesmal hatten die Neuseeländer die Australier im Vorfeld mit einem 41:31-Sieg förmlich geklassiert. „Die Vorbereitung hat sich ausgezahlt. Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht“, kommentierte Neuseelands Mannschaftskapitän Bill Oughton diesen Erfolg, der die Wachablösung am Rugbyhimmel bereits einläutete.

Diesmal wittern Kanada und Neuseeland die große Chance, sich die Krone aufzusetzen. Und auch wenn es diesmal im Finale knapper ausfiel, haben die Neuseeländer erneut die Nase vorn. Mit 31:29 ziehen sie an den Kanadiern vorbei und gewinnen erstmals Gold.

Knappe Niederlage gegen den Weltmeister

Die deutsche Mannschaft um Bundestrainer Haiko te Neues sollte in diesem Turnier in erster Linie Lehrgeld zahlen. So etwa beim 33:40 gegen das Team aus Belgien. Die Spieler auf beiden Seiten kennen sich nur zu gut, die Belgier Ludwig Budeners, Bob Vanacker und Co. kennen den deutschen Ligabetrieb von innen. Und obwohl die Belgier weder eine breitere Rugby-Basis geschweige denn Nachwuchsförderung im eigenen Land haben, reicht es noch immer für einen klaren Erfolg gegen die deutsche Nationalmannschaft.

Auf 40:44 Zähler brachte es das te Neues-Team gegen die Rugby begeisterten Australier. Gegen Großbritannien verloren sie mit 30:41, gegen die US-Boys um 2,0-Punkte-Spieler Cliff Chunn mit 34:46. Wie erwartet, versuchten die Deutschen das Spiel in der Anfangsphase zu verlangsamen, doch der US-Auswahl gelang es, sich bis zur Hälfte auf 20:12 davon zu machen. Danach hielten sie stets einen komfortablen 10-Punkte-Vorsprung. Bryan Kirkland spielte trotz eines Cuts unter dem rechten Auge, sowohl im Angriff als auch in der Verteidigung, und wurde mit 14 Toren der Top-Scorer in dieser Begegnung. Auf deutscher Seite brachte es Andre Leonhard auf 13 Goals.

Aber sie hatten eben auch ihre Highlights als da wäre der knappe und einzige 41:40-Erfolg über die Japaner. Die Deutschen beendeten das erste Viertel mit einer 9:8-Führung und gaben sie im gesamten Spiel nicht wieder her. Dabei galt es vor allem für die Defence, den Japaner Shinichi Shimakawa unter Kontrolle zu bringen, der schon im Spiel gegen die Engländer als schnellster und flinkester Spieler auf dem Feld aufgefallen war, und sich mit dem erfahrenen Troye Collins harte Einzelduelle lieferte. Gegen Deutschland sorgte 3,0-Punkte-Player Shimikawa für nicht weniger als die Hälfte aller japanischen Treffer.

Zufrieden und auch wieder nicht war das deutsche Team dann mit der knappen 30:33-Niederlage gegen den amtierenden Weltmeister Kanada. Die te Neues-Crew spielte stark und respektlos auf und beendete das erste Viertel mit 6:4 Toren. Auch im weiteren Verlauf behielten sie zunächst die Nase vorn, wobei sich die Treffer erfreulicherweise nicht etwa auf einen einzelnen guten Mann, sondern gleichmäßig auf Andre Leonhard (10 Tore), Johannes Oliver Picht (9) und Jörg Holzem (8) verteilten. Am Ende der regulären Spielzeit stand es dann sensationelle 30:30 Tore, und der Weltmeister musste in die Verlängerung gehen, um den Sieg klar zu machen. Freude, aber auch Enttäuschung beim deutschen Team, denn die Niederlage wäre nicht absolut zwingend gewesen.

Ein tolles Match, doch der Funke sollte auf die Zuschauer beim gesamten Turnier nicht derart überspringen wie bei der Paralympics-Premiere vor vier Jahren. Während in Sydney Rugby zu den beliebtesten Sportarten beim Publikum zählte (kein Wunder, bei den Rugby begeisterten Australiern), dachten sich viele Athener vielmehr „Rugby im Rollstuhl, was soll’n das sein?“, und bestellten sich lieber den nächsten Hotdog an einem der unzähligen Hotdog-Stände.

Das 34:46 im Viertelfinale gegen den Mitfavoriten USA bedeutete für die deutsche Mannschaft Endstation. Haiko te Neues will keinen seiner Jungs besonders hervorheben: „Wir sind eine Mannschaft, in der jeder für den anderen Eintritt. Eine junge Mannschaft, die noch Zeit braucht und sich noch entwickeln wird.“ Und tatsächlich: Mit Salih Koeseoglu, Andre Leonhard, Nacer Menezla oder etwa Johannes Oliver Picht besteht die Natio aus neuen Namen, die vor vier Jahren noch nicht dabei waren. Und Gutes braucht eben Zeit zum Reifen. Franco Erschbaumer

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