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Editorial

Athleten machen sich für Ralf Otto stark

Hallo Outrunner,
gute Neuigkeiten! Der B-Sport ist wieder um eine attraktive Sportart reicher: In Köln wurde vor Kurzem das Erste Internationale Beachvolleyball-Turnier für Menschen mit Behinderung abgehalten. Sand und Prothesen?! Verträgt sich das? Offensichtlich ja. Zumindest ließen sich die Teams aus Polen, Ghana, der Slowakei, Indien und Deutschland durch das ein oder andere Sandkorn im Getriebe nicht den Spaß an der Sache verderben.

Die Idee, ein Turnier im Beachvolley zu organisieren und zu etablieren, hatte man am Rande des Worldcups in Kambodscha im vergangenen Jahr. Im Kern geht es darum, Standvolleyballer wieder in den Reigen der paralympischen Sportarten unterzubringen. Über die Hintergründe könnt ihr mehr ab Seite 8 in diesem Heft erfahren.

Der Fußball für Menschen mit Behinderung ist ein immer größeres Thema. Vor wenigen Jahren herrschte noch Tote Hose, und von den wenigen Keimzellen wie beispielsweise der Bildung einer Nationalmannschaft der Fußballer mit mentaler Einschränkung durch Willi Breuer, hörte man kaum etwas. Heute gibt es Fußball in allen Facetten zu erleben. Unser neuer Kooperationspartner FUBA-Net (www.fuba-net.de) hat sich speziell das Thema „Fußball unter besonderen Aspekten“ auf die Fahnen geschrieben. Thomas Wein von FUBA-Net sprach vor der INAS-FID Europameisterschaft in Manchester mit dem Bundestrainer Dietmar Schacht über die Perspektiven der ehemaligen Star-Truppe im deutschen B-Sport.

Außerdem gibt es in diesem Heft wieder einen Beitrag von unserem Autor Antonio Nodal. Antonio ist Spanier mit Down-Syndrom und beschreibt in unserem Fußball-Special, wie er die UEFA-Europameisterschaft und den Turniersieg seines Teams erlebt hat. Stark beeindruckt hat uns Antonio durch sein Faktenwissen, das er mit völliger Leichtigkeit abzurufen vermag. Antonio vergisst offenbar kein Spielergebnis, das er selbst miterlebt hat.

Missstände gibt es viele im Behindertensport. Der Deutsche Behindertensport-Verband steht nicht gerade hoch im Kurs bei vielen seiner Sportlerinnen und Sportler, sprich bei seiner Basis. Das ist für die Outrun-Redaktion immer wieder aus Gesprächen zu entnehmen. Denn: Das Ideal vom mündigen Athleten ist weit weg und nicht für alle Beteiligten erstrebenswert.

Nur selten melden sich jedoch Aktive öffentlich zu Wort, um Entscheidungen nicht einfach hinzunehmen und nicht zuletzt, um ihrer Verärgerung Luft zu machen. Meistens trauen sich Sportler nicht, etwas zu sagen, die Furcht vor Repressalien schwingt oft mit. Das ist irgendwo auch verständlich und menschlich, denn welcher Athlet kann sich schon leisten, auf die knapp bemessene Unterstützung, die er bekommt, zu verzichten. In einem aktuellen Fall aber machen sich Leichtathleten, darunter Wojtek Czyz, über die Medien für ihren Trainer Dr. Ralf Otto stark. Für sie wäre er der beste Kandidat für die neue, hauptamtliche Stelle des Bundestrainers gewesen. Der DBS sieht das in diesem Fall anders.

Für die Athleten scheint unstreitig, dass Otto ein seit vielen Jahren engagierter und fähiger Mann ist, genau der Richtige eben für diesen Job. Otto selbst fühlt sich vor den Kopf gestoßen. Ihm ist jedoch klar, dass er beim Verband als unbequem gilt.

Bei mir werden da Erinnerungen wach an den ehemaligen Fußball-National-Trainer Willi Breuer, auch er ein Mann, der kein Blatt vor den Mund nahm. Breuer erhielt zwar für seine Verdienste um den Behindertensport das Bundesverdienstkreuz, aber für eine weitere Zusammenarbeit mit dem Verband unter den vorgegebenen Bedingungen sah er keine Basis mehr. Er sah am Ende keinen anderen Weg für sich als den Rücktritt. Franco Erschbaumer

Dieses Editorial wurde erstmals in der Sommerausgabe 2008 der Zeitschrift Outrun veröffentlicht.

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