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Judo bei Paralympics 2004

Auf Tuchfühlung mit der Weltspitze

Gute Laune in der Liossia Olympic Hall bei den Paralympics 2004 in Athen: Endlich ist erstmals das Frauen-Judo Bestandteil des paralympischen Programms, und das sehr zum Vorteil der deutschen Judoka. Im neu eingeführten Wettbewerb gibt es auf Anhieb einen ersten und dritten Platz für Deutschland. Susann Schützel aus Frankfurt an der Oder gewinnt Gold in der Klasse bis 52 Kilo. Astrid Arndt aus Leverkusen holt Bronze in der Klasse bis 48 Kilo. Nur 24 Stunden später gibt es dann sogar nochmals Gold durch die Schwerinerin Ramona Brussig, Silber durch ihre Kollegin Silke Hütter (Kempen) und – hoppla – Bronze durch den Kämpfer Sebastian Jung aus Neuwied. Einziger ohne Medaille der bis dato gestarteten sechs Teilnehmer ist der Leichtgewichtler Matthias Krieger, der sich auch noch einen respektablen fünften Platz erkämpft.

Beate Bischler aus Sindelfingen zeigt sich ebenfalls in der Form ihres Lebens, besiegt in der Klasse über 70 Kilo die Russin Nina Iwanowa nach 15 Sekunden mit Ippon. Die 36 Jahre alte Beamtin holt damit die sechste Judomedaille, und zwar eine bronzene. Durch ein unglückliches Los traf sie zuvor im Halbfinale auf die spätere chinesische Goldmedaillengewinnerin Lan Mei Xue, die ihr den Einzug ins Finale erfolgreich versperrte.

Eigentlich wollte Bischler bereits vor zwei Jahren vom Leistungssport zurücktreten, als sie jedoch davon erfuhr, dass bei den diesjährigen Spielen auch weibliche Judoka zugelassen sind, dachte sie nicht mehr daran, aufzuhören. Sie kämpft für den VfL Sindelfingen in der zweiten Bundesliga, gegen sehende Konkurrentinnen. Bundestrainerin Carmen Bruckmann hatte offensichtlich ganze Arbeit mit ihren Schützlingen im Vorfeld geleistet. „Ich bin absolut begeistert. Das Mädchen hat toll gekämpft und nie aufgegeben. Man hat ihr immer den Siegeswillen angemerkt. Susann Schützel hat Gold ebenso verdient wie Astrid Arndt ihren dritten Platz“, freute sich außerdem Bundespräsident Horst Köhler in einer kurzen Stellungnahme nach dem Finalkampf in der Klasse bis 52 Kilogramm.

Martin Osewald, amtierender Weltmeister in seiner Klasse über 100 Kilo und Bronzemedaillengewinner von Sydney, erreicht diesmal leider kein Medaillenduell, vielleicht der einzige echte Wermutstropfen in der Bilanz der sehr erfolgreichen deutschen Judoka. In Sydney war es noch Osewald, der mit Bronze als einziger Deutscher den Gang auf das Podest schaffte.

Zu einer paralympischen Legende wurde in Athen der Japaner Satoshi Fujimoto: Der große japanische Judoka Tadahiro Nomura holte bei den Olympischen Spielen im August zum dritten Mal olympisches Gold, nun stand er am Mattenrand und unterstützte das Turnier von Fujimoto, der ebenfalls Sportgeschichte schrieb, in dem er es zu drei Goldmedaillen brachte.

Der 29-Jährige Japaner kämpfte in der Klasse bis 66 Kilo in einem dramatischen Finale gegen seinen Hauptkonkurrenten David Garcia del Valle aus Spanien, und besiegte ihn durch eine mittlere Yuko-Wertung, wie er es bereits bei den Spielen vor vier Jahren getan hatte.

Judo ist ein Sport, bei dem die Grenzen der Sehenden und der Nichtsehenden fließend sind, und mitunter gar nicht mehr existieren. Zunächst werden die Kämpferinnen und Kämpfer jeweils von einer Begleitperson bis an die Matte gebracht, nach der Begrüßung werden sie aufeinander zugeführt. Zur Startposition packen sie sich gegenseitig an den Kragen. Und dann legen sie los, als gebe es kein morgen mehr, als spiele es gar keine Rolle mehr zu sehen. „Die Augen sind beim Judo auch nicht das Entscheidende“, erklärt Trainer Stefan Saueressig. Judo hat eben viel mit Tasten zu tun, und mit Intuition. Ist der offene Angriffspunkt beim Gegner erst einmal gefunden, geht alles sehr schnell. „Bis man das mit den Augen erfasst hat, ist es schon zu spät“, weiß Saueressig.

Generell ist es für jemanden schwieriger, sich in der Welt zurecht zu finden, wenn er später erblindet. Der Russe Oleg Kretsul kämpfte 1996 noch bei Olympia für Moldawien, später verlor er bei einem Unfall sein Augenlicht. Ohne Betreuer wirkt er seither sehr hilflos. Aber sobald er die Matte betritt, verschwindet die Unsicherheit. Seine Technik ist exzellent. Bei den Spielen in Athen gewann er Silber im Mittelgewicht. fee

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