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Brehm trifft den höchsten Ton

17 Nationen kamen im Februar ins Schweizerische Crans Montana zusammen, um eine Woche lang um Platzierungen und WM-Medaillen zu fighten. Ob im Skischlitten bei den Nichtgehern, ob mit Begleitläufer bei den hochrangig Sehbehinderten, ob mit Arm- oder Beinbehinderung – etwa 80 Athleten jagten in fünf Disziplinen nach WM-Ehren. Bundestrainer Peter Zipfel war mit einem abgespeckten 13-köpfigen Kader angereist und voller Zuversicht: „Wir haben intensive Lehrgänge und harte Qualifikationsrunden hinter uns gebracht. Das deutsche Team ist schlagkräftig, und jeder meiner Athleten wird seine Chance suchen.“

Einer nach dem anderen. Foto: Udo Hirsch

Willi Brehm aus dem bayerischen Ketterschwang nutzte seine Chance gleich am ersten Wettkampftag: Die anspruchsvolle 2,5-Kilometer-Strecke musste der blinde Biathlet dreimal mit seinem Begleitläufer Olaf Gruhn absolvieren. Wie lang der Anstieg noch geht oder wie die Abfahrt beschaffen ist, das erfährt Willi Brehm von Olaf Gruhn mittels ausgeklügelter sprachlicher Begriffe. So bedeutet das Kommando „langgezogen 2“, das beide Athleten in eine Rechtskurve (wie der analoge Uhrzeiger auf zwei Uhr) laufen. Willi Brehm kann jetzt auch einschätzen. wie stark die Rechtskurve ist, und danach seine Laufgeschwindigkeit dosieren. Auch braucht sich Begleitläufer Gruhn keine Sorgen zu machen, beim Zurückgucken auf Brehm Rechts und Links zu verwechseln, denn die „2“ (auf der analogen Uhr) ist eindeutig rechts.

Präzision war auf der Laufstrecke, aber auch beim Schießen nötig. Zweimal fünf Schuss, jeder Handgriff saß und Brehm war mit seinem Magazingewehr treffsicher. Eine Fotozelle auf dem Gewehr „sieht“ das Ziel und kann Schwarz und Weiß voneinander unterscheiden. Eine Elektronik verwandelt die optischen Signale in akustische, die der sehbehinderte Schütze in seinem Kopfhörer als hohe und tiefe Töne hört. Ziel ist es, den höchsten Ton zu identifizieren, dann ist der Schütze im Zentrum der Zielscheibe und kann treffen. Ein fehlerfreier Lauf, ein fehlerfreies Schießen – Lohn für das eingespielte Team Brehm/Gruhn: die Goldmedaille im Biathlon. Silber ging an den Franzosen Sampin und Bronze an den Russen Naserolin. Auf den 4. Platz fuhr der Allgäuer Frank Höfle aus Isny.

Mit einem Arm hatte Thomas Oelzner von WSV Oberhof sein Gewehr im Griff: null Fehler. Die hatte aber auch der Schweizer Pascal Schrofer. Lediglich eine Sekunde Vorsprung rettete dem Thüringer die Goldmedaille. Josef Giesen vom ASV Köln schoss sich mit einem Fehler an den Medaillenrängen vorbei; der Weltcup-Sieger von 1999 musste sich mit dem 4. Platz zufrieden geben. Beeindruckend der Schweizer Dreifacherfolg bei den Ski-Schlitten-Biathleten: Alle Medaillen blieben im Veranstalter-Land.

Auch die Langlaufwettbewerbe dominierten die deutschen Skiläufer: Über die 10-Kilometer-Distanz zeigte Frank Höfle in der klassischen Lauftechnik, dass er ganz oben aufs Treppchen gehört. Verena Bentele vom WSV Oberhof siegte auf der 5-Kilometer-Klassischstrecke und Harald Tauer aus Obersdorf bestätigte seine gute Saisonform mit der Goldmedaille auf der 20-Kilometer-Freistilstrecke im Skating.

Die Königsdisziplin für die Skilangläufer ist die Staffel: Bundestrainer Zipfel nominierte Axel Hecker vom MTV Köln, den Allgäuer Frank Höfle, Harald Tauer und Thomas Oelzner; und dieses deutsche Quartett holte vor Norwegen und Russland das begehrte Staffelgold. Mit diesem Goldgriff war er denn auch höchst zufrieden, der Bundestrainer, der mit zehn Goldmedaillen die erfolgreichste Nation der Ski-WM in der Schweiz präsentierte. Doch in zwei Jahren ist alles Schnee von gestern. Peter Zipfel: „der Erfolg in der Schweiz bestärkt mich, weiter zu machen. Die Paralympics 2002 in Salt Lake City fasse ich als weitere Herausforderung auf. Und die US-Amerikaner waren jetzt schon stark.“ Bleiben wir beim Schnee von heute; der schien für die Deutschen Athleten jedenfalls vergoldet. Udo Hirsch

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