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China wankt, aber fällt nicht

„Das beste Doppel, was wir je zusammen gespielt haben“

Für das deutsche Para-Tischtennis-Team sind es die silbernen Spiele von Rio: Thomas Brüchle und Thomas Schmidberger unterlagen in ihrem Teamfinale der Wettkampfklasse 3 – und holten somit das vierte Silber für die Tischtennisspieler. Mit 1:2 verloren sie gegen die chinesische Mannschaft, bestehend aus dem Paralympics-Sieger im Einzel, Feng Panfeng, sowie der Nummer 6 und 9 der Welt, Zhao Ping und Zhai Xiang.

Die beiden Deutschen waren furios gestartet und beeindruckten ihre chinesischen Kontrahenten Feng/Zhao im Doppel mit einem glatten 3:0 – Sieg. Danach fand Tom Schmidberger jedoch in seinem Einzel gegen seinen Finalgegner aus dem Einzel, Feng Pangfeng, nie richtig in sein Spiel. „Die Chinesen haben im Doppel überhaupt kein Land gesehen, es war das beste Doppel, was wir je zusammengespielt haben. Vielleicht war ich dadurch in meinem Einzel dann zu locker und konnte meine beste Leistung nicht mehr abrufen“, versucht Schmidberger seine 0:3-Niederlage zu erklären. Feng spielte stark auf und hatte auf die Bälle des Deutschen fast immer die bessere Antwort.

Es ging für Brüchle und Schmidberger also erstmals in diesem Turnier in das entscheidende Einzel. Dort stand Thomas Brüchle dem jungen Chinesen Zhai Xiang gegenüber, gegen den er im Viertelfinale des Einzelwettbewerbs noch gewinnen konnte. Und auch in diesem Spiel begann Brüchle nervenstark und sicherte sich nach zwischenzeitlichen Rückständen den ersten Satz. In Durchgang 2 zeigte der hauptberufliche Lehrer dann ganz großes Tischtennis und ging mit 11:6 mit 2:0 Sätzen in Führung. Doch Zhai ließ sich nicht aus dem Konzept bringen und schlug im dritten Satz zurück. Endgültig in arge Bedrängnis brachte Brüchle den Weltranglisten-Neunten dann aber in Satz 4: Er zog mit 4:0 und 9:6 davon und war nur zwei Punkte von der Goldmedaille entfernt – Zhai zeigte jedoch Nerven aus Stahl. Mit dem Rücken zur Wand holte er Punkt für Punkt und zog den Kopf noch einmal aus der Schlinge. Danach war der Faden bei Brüchle gerissen. Zwar versuchte er, das Spiel wieder in den Griff zu bekommen, doch Zhai holte die Goldmedaille mit einem deutlichen 11:4 im Entscheidungssatz wieder nach China.

„Ich hatte das Spiel in der Hand“, so Brüchle, dem seine Unzufriedenheit mit sich selbst deutlich anzumerken war. „Bei einem Stand von 9:6 muss ich das Ding machen, da gibt es keine Entschuldigung.“ Die Enttäuschung nach dieser knappen Niederlage war bei den amtierenden Weltmeistern groß. „Eigentlich wäre unser Matchplan wie bei der WM aufgegangen. Am Ende haben dann einfach ein paar Prozent und das nötige Quäntchen Glück gefehlt“, so der gefrustete Schmidberger. Freude über die Silbermedaille kam bei den Finalisten nach dem Spiel erstmal keine auf, zu nah waren sie paralympischem Gold gewesen. „Es ist wirklich bitter, dass es am Ende wieder nicht ganz gereicht hat“, war auch Coach Michele Comparato traurig. „Aber die Chinesen sind Vollprofis, die das ganze Jahr zusammen trainieren, während Thomas einen Ganztages-Job als Lehrer hat und Tom studiert. Es ist schon Wahnsinn, dass wir überhaupt so nah an ihnen dran sind.“

Bundestrainer Volker Ziegler sieht das ähnlich: „Es ist natürlich schade, dass wir unsere Spiele in Rio nicht vergolden konnten. Aber nach dem frühen Aus unserer beiden Titelverteidiger Nikelis und Wollmert im Einzel haben andere Spieler gezeigt, was in ihnen steckt und tolle Leistungen gezeigt“, zieht er ein positives Fazit. „Von den vier Finals haben wir drei gegen China verloren und sie schon ordentlich ins Wanken gebracht – aber gefallen sind sie leider noch nicht. Eine Gold-Medaille wäre das I-Tüpfelchen gewesen.“

Insgesamt waren die elf Starter der Para-Tischtennis-Nationalmannschaft in sechs Spielen um Medaillen vertreten, ein Resultat, das sich durchaus sehen lassen kann. Markéta Marzoli

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