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12. Handicap-Triathlon in Willich

Das saubere Dutzend

Beim ersten Mal hielten die Veranstalter ihre Triathlon-Idee noch selbst für etwas abwegig. Dieses Jahr gab es die 12. Auflage des Willicher Handicap-Triathlons, Deutsche Meisterschaft inklusive.

Vorm Schwimmen haben die meisten Teilnehmer am Handicap Triathlon den größten Respekt. Foto: Reha Team West

Vorm Schwimmen haben die meisten Teilnehmer am Handicap Triathlon den größten Respekt. Foto: Reha Team West

Pünktlich um 14.30 Uhr ging es los. Vor stimmungsvoller Kulisse durchpflügten die Triathleten das 25 Meter-Becken des Willicher Freibades „Bütt“. Debütant Markus Häusling stach dabei besonders ins Auge. Der aus der Handbikerszene bekannte 38-jährige vom VFL Wettesingen absolvierte die 200 Meter der Klasse TRI 1 unter vier Minuten, einer Zeit, die bis dato von einem querschnittsgelähmten Starter nicht erreicht worden war. Kein Wunder, dass der Vorsprung auf Daniel Petersen (VfR Büttgen) und Tommy Hoffmarck (extrem 4 life team) ein stattlicher war. Im Eifer des Gefechts unterlief Petersen dann ein folgenschwerer Fehler, als er bereits nach sechs Bahnen das Wasser verließ und nach dem Rennen disqualifiziert werden musste.

Markus Häusling gab seine Führung im gesamten Rennverlauf nicht mehr ab, ließ sein Handbike auf der 10 km-Wendepunktstrecke laufen und packte letztlich nach der 3,4 km-Rollstuhldistanz den neuen Streckenrekord von 43:08 Minuten samt Deutscher Meisterschaft in trockene Tücher. Tommy Hoffmarck, der zugleich für die Pakistanhilfe an den Start ging, freute sich über seine Vizemeisterschaft.

Getragen von der Atmosphäre unterboten die Nachwuchsathleten Kevin Bons (BSG Mönchengladbach), der erst 12-jährige Björn Behnke (Blau Weiss Buchholz) und Jan Barkowski (Basket Bears Krefeld) die Schallmauer von einer Stunde. David Huber (AQWE), der zum ersten Male am Start war, erreichte nach 69:03 Minuten das Ziel. Die Zeiten wurden zwar für eine Gesamtwertung herangezogen, allerdings ließ Alfred Lipp als DTU-Behindertenbeauftragter bei der Siegerehrung durchblicken, dass unter diesen Voraussetzungen in 2011 eine Juniorenwertung zum Zuge kommen könnte. Sprachs, und händigte den ersten drei Jungs die offiziellen DTU-Meisterschaftsmedaillien aus.

Bei den Frauen hatte Martina Willing (Stahl Brandenburg) in Andrea Plückelmann (BSG Mönchengladbach) eine ebenbürtige Kontrahentin. Plückelmann, die auch zunehmend in der Handbikerszene in Erscheinung tritt, konnte der vielfachen Medaillengewinnerin der internationalen Leichtathletik auf der 200 m-Schwimmstrecke Paroli bieten und setzte sich nach 10 km mit dem Handbike und 3,4 km per Rollstuhl in ebenfalls neuer Streckenrekordzeit von 48:06 Minuten durch. Newcomerin und Vereinskameradin Katja Oemmelen kam als Dritte ins Ziel.

Der Willicher Handicap-Triathlon zieht seinen Charme nicht zuletzt aus der Mischung zwischen Breiten- und leistungsorientierten Sportlern. Anreiz für einen gemeinsamen Wettkampf bietet die Tri-Staffel, bei der ein Schwimmpate für den Rollstuhlsportler den Part im nassen Element übernimmt.

Andreas Abts und Johannes Huth bilden hierbei ein eingespieltes Team, die beiden Jungspunde der BSG Mönchengladbach waren zum sechsten Mal hintereinander dabei und bei ihrem Sieg in 49:03 Minuten so schnell wie nie. Im Vordergrund steht aber der Spaß an der Gemeinsamkeit und der Stolz über das Erreichte, fernab von Zeiten und Rekorden.

Markus Schlütert flattert über die Ziellinie. Foto: sportograf

Markus Schlütert flattert über die Ziellinie. Foto: sportograf

Rainer Zielke, der Betreuer der Basket Bears Krefeld, brachte den Tenor der Wettbewerbe des Level I und der Ti-Staffel treffend auf den Punkt: „Es wird den Kindern und Newcomern vermittelt, dass sie es alleine oder im Team schaffen, das verleiht zusätzliche Kraft und Motivation, nicht zuletzt auch für den Alltag“. Und so stand auch den Nächstplatzierten Krystian Gorke, Dennis Trapp, Ted Weber und Dominik Alexander (alle BSG Volmarstein), Patrick und Natalie Kloppisch mit Lea Kamphausen (10 Jahre!) und Sarah Hombruch von den Basket Bears Krefeld sowie Dennis Höfkes, der den Rolli Level I gewann, der Stolz über das Erreichte ins Gesicht geschrieben. Der „Supersprinter“ wurde in den Klassen TRI 3 und TRI 4 ermittelt. Gleichzeitig als Deutsche Meisterschaft der DTU über 250 m Schwimmen, 10 km Rad und 3 km Lauf ausgeschrieben, sah auch dieser Wettbewerb eine Reihe von Gesichtern, die erstmals in Willich an den Start gingen. Ganz besonders im Focus stand Markus Schlüter (TV Wattenscheid), den das ZDF für die Sendereihe „Menschen“ gemeinsam mit Rollstuhlsportler Markus Häusling portraitierte und der von einem Kamerateam an diesem Sonntag begleitet wurde. Schlüter hatte sich allerdings in Titelverteidiger Hans-Peter Durst (RGB Dortmund) und Sven Niebergall (RSV Daadetal) starker Konkurrenz zu erwehren. Vorjahressieger Durst ließ auch keine Zweifel an seiner Titelverteidigung aufkommen und war auf allen Teilabschnitten der Schnellste. 44:35 Minuten bilden auf dieser Distanz die erste Hausnummer. Sven Niebergall (RSV Daadetal) freute sich über den zweiten Platz und sah sich gestärkt in Hinblick auf die eine Woche später stattfindende Weltmeisterschaft in Ungarn. Für den Drittplatzierten Markus Schlüter und dem TRI 1-Meister Markus Häusling boten die TV-Interviews im Zielraum dann natürlich ein ganz besonders Highlight.

Nicht zu vergessen die Athleten im TRI 4. Ganz schnell aus dem Wasser kam der für den TSV Schleswig startende Lars Hansen. Seine 4:28 Minuten boten ein Polster, das für Florian Szawlowski (Triabolos Hamburg) nicht mehr aufzuholen war. Hansen unterbot in 39:33 Minuten zugleich die 40-Minuten-Grenze und hatte auf seinen Kontrahenten im Ziel einen satten Vorsprung. „Supersprinterin“ des TRI 4 wurde die Berlinerin Andrea Thamm, die, auf dem Siegerpodest eingerahmt von den „Jungs“, stolz ihr schwarz-rotgoldenes Meistertrikot überstreifte. Einhelliger Tenor: „Wir sehen uns nächstes Jahr wieder!“ Reha Team West

TRI1 Rollis (Deutsche Meisterschaft) – Männer; 200 m Schwimmen/ 10 km Handbike/ 3,4 km Rollstuhl: 1. Markus Häusling (VFL Wettesingen) 4:17 – 23:44 – 15:03 = 43:04; 2. Thomas Hoffmarck (x-trem 4 life Team) 6:52 – 29:31 – 14:49 = :51:12; 3. Kevin Bons (BSG Mönchengladbach) 6:51 – 29:25- 15:37 = 51:53; 4. Björn Behnke (Blau Weiss Buchholz) 7:13 – 31:32 – 16:56 = 55:41; 5. Jan Barkowski (IG Basket Bears) 6:24 – 32:47 – 20:30 = 59:416; 5. David Huber David (AQSW) 5:41 – 45:44 – 17:38 = 1:09:03; Frauen: 1. Andrea Plückelmann (BSG Mönchengladbach) 4:53 – 28:35 – 14:38 = 48:06; 2. Martina Willing (SG Stahl Brandenburg) 04:37 – 00 00 – :48:09 = 52:46; 3. Katja Oemmelen (BSG Mönchengladbach) 6:13 – 31:10 – 22:02 = 59:25; TRI 3 (Deutsche Meisterschaft); 250 m / 10 km / 3km: 1. Hans – Peter Durst (RBG Dortmund) 5:36 – 23:28 – 15:31 = 44:35; 2. Sven Niebergall (RSV Daadetal) 5:57 – 24:52 – 17:52 = 48:41; 3. Markus Schlüter (TV Wattenscheid) 6:41 – 00:00 – 46:38 = 53:19; TRI 4 (Deutsche Meisterschaft); 250 m / 10 km / 3 km: 1. Lars Hansen (TSV Schleswig 4:28 – 21:37 – 13:28 = 39:33; 2. Florian Szawlowski (Triabolos Hamburg) 00:00:00 – 27:39 – 16:42 = 44:21 ; 3. Andrea Thamm 6:18 – 28:41 – 18:08 = 53:07 Rolli -Level I; 100 m Schwimmen/ 10 km – Handbike/ 1,3 km – Rollstuhl: 1. Dennis Höfkes (BSG Vomarstein) 8:43 – 40:06 – 12:49 = 1:01:38; Körperbehindert – Level I; 150 m / 10 km / 2 km: 1. Petra Lambrich 11:42 – 32:55 – 24:56 = 1:09:33; Tri-Staffel; 200 m / 10 km / 1,3 km: 1. Andreas Abts *Johannes Huth (BSG Mönchengladbach) 4:10 – 36:48 – 8:05 = :49:03; 2. Krystian Gorke *Dennis Trapp (BSG Volmarstein) 5:01 – 41:20 – 17:42 = 1:04:03; 3. Ted Weber *Dominik Alexander (BSG Volmarstein) 5:22 – 47:42 – 14:56 = 1:08:00; 4. Patrick Kloppisch *Natalie Kloppisch (IG Basket Bears) 4:10 – 59:30 – 7:51 = 1:11:31; 5. Lea Kamphausen *Sarah Hombach (IG Basket Bears) 4:12 – 1:01:13 – 14:38 = 1:20:03

 

Ist Triathlon also doch etwas für jeden. Ein schöner Triathlon-Film heißt Mit ganzer Kraft [dt./OV] vom Regisseur Nils Tavernier. Julien, gespielt von Fabien Héraud ist 17 und träumt wie die meisten Teenager von aufregenden Abenteuern. Was ihn davon abhalten sollte? Auf keinen Fall die Tatsache, dass er von Geburt an behindert ist und im Rollstuhl sitzt. Um das schwierige Verhältnis zu seinem unnahbaren, arbeitslosen Vater Paul (Jacques Gamblin) zu kitten, schlägt er ihm die gemeinsame Teilnahme an einem Triathlon vor. Cinema.de schreibt über den Film: „Leider folgt die Dramaturgie den vertrauten Bahnen des Sportfilmgenres: Erst wird für das Großereignis trainiert, bis die Schwarte kracht, dann gibt es vor dem Ziel einen Rückschlag, und am Schluss liegen sich alle glücklich in den Armen. Doch große Überraschungen sind von Filmen dieser Art nicht zu erwarten. Was zählt, ist die Leidenschaft der Geschichte. Und die lässt keinen unberührt“

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