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FUBA-NET Camp

Der „doppelte“Willi

„Kommt, gebt alles, dann knackt ihr die Bestzeit“, schallte es an drei Tagen in der ersten Juniwoche 2008 lautstark durch die Hallen des goalfever Centers in Essen. Die aufbauenden Worte kamen aus dem Mund von Zweitliga-Rekordspieler Willi Landgraf, seine kämpfenden Adressaten: 30 geistig behinderte Sportskanonen, die sich mit vollem Einsatz durch den „Willis Revier“-Geschicklichkeitsparcours schlugen.

Im Rahmen des ersten FUBA-NET Camps, der ersten Fußballschule für Menschen mit Behinderung, trainierten die engagierten Kicker unter der Leitung des „doppelten“ Willis – Landgraf und Willi Breuer, früherer Trainer der deutschen Nationalmannschaft der Menschen mit Behinderung unterstützt von Horst Grembowitz (ehemaliger Jugendcoach bei Schalke 04 und Rot-Weiss Essen) sowie Michael Frank (Torwarttrainer der Junioren von Schalke 04) – satte drei Tage lang das Fußball-Ein-Mal-Eins und verabschiedeten sich hinterher erschöpft, aber glücklich ins erste Europameisterschafts-Wochenende.

Verständlich, denn geschont wurden die Teilnehmer zwischen 15 und 50 Jahren nicht. „Wir haben die gleichen Übungen, die auch bei den ‚Willis Revier’-Camps auf dem Plan stehen“, betont Landgraf die Ernsthaftigkeit der Fußball-Schule, die auch diesmal von Trainern aus der Jugendabteilung des FC Schalke 04 unterstützt wurde. Doch das heißt natürlich nicht, dass der Spaß zu kurz kam, schließlich steht der beim früheren Kicker von Rot-Weiss Essen ganz oben auf der Liste: „Der Ball stand im Vordergrund, langweilige Taktikschulung durfte man bei mir noch nie erwarten.“

Neben temporeichen Fünf-gegen-Fünf-Spielen, Torschuss-Training und Technik-Übungen sorgte vor allem der Parcours für strahlende Gesichter. Unter der Aufsicht von Jörg Mikoleit, Technik- und Koordinationscoach der Schalker U12- bis U15-Teams, dribbelten sich die Fußball begeisterten Sportler unzählige Male durch den Pylonen-Slalom, um ihre persönlichen Rekorde immer wieder zu unterbieten. „Wie die Profis“, zollte Mikoleit in einer kurzen Verschnaufpause Respekt, bevor er wieder am Rechner gefordert wurde, um neue Zeiten zu messen.

„Der Fußball bietet große Chancen für Menschen mit Behinderung, um sich Bestätigung und Erfolgserlebnisse zu holen“, findet der ausgebildete Sonderpädagoge Breuer eine Erklärung für die besondere Motivation der geistig behinderten Kicker, bevor er ein zufriedenes Fazit übers erste FUBA-NET-Camp zieht: „Das war eine super Sache, von der ich mir wünschen würde, dass sie nicht zum letzten Mal stattgefunden hat.“

Die Weichen dazu sind dank des durchschlagenden Erfolgs gestellt, und so hofft auch FUBA-NET-Projektorganisator Thomas Wein auf eine Fortsetzung. Noch in diesem Jahr soll deshalb ein weiteres FUBA-NET Camp in Essen folgen. Matthias Dersch

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