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TT-Spieler Schmidberger

„Der Weg führt über die Chinesen“

Der 22-Jährige Deutsche Thomas Schmidberger gehört bei der Para-Tischtennis-WM in Peking zu den Favoriten. Er fühlt sich topfit und bestens vorbereitet. Kein Wunder: Der Rollstuhlfahrer spielt sogar gegen Konkurrenten ohne Behinderung in der Landesliga. Das sei „Gaudi“ und bringe „Wettkampfpraxis“.

Thomas Schmidberger, hier im Finale der Klasse drei bei den Paralympics 2012 in London, ist mit hohen Erwartungen zur WM in Peking angereist. Foto: DBS

Thomas Schmidberger, hier im Finale der Klasse drei bei den Paralympics 2012 in London, ist mit hohen Erwartungen zur WM in Peking angereist. Foto: DBS

Neun Tage Lasko, Slowenien. Keine Zeit für die landschaftlichen Reize der Umgebung. Nur ein kurzer Ausflug zu einer pittoresken Burg in der Umgebung. Man war ja nicht zum Urlaub dort. Tischtennis, Training, Taktik stand auf dem Programm. Dazwischen Regeneration. Vorbereitung der deutschen Mannschaft auf die Para-Tischtennis-WM, die am 6. September in Peking beginnt. „Meine Form ist gut, ich fühle mich körperlich top“, so Thomas Schmidberger vor dem Abflug am Dienstag, „ich bin in guter Verfassung“.

Der 22-Jährige ist der Top-Star und größte Hoffnungsträger der deutschen Ping-Pong-Artisten. Als Zweiter der Weltrangliste und der Setzliste reist er nach China. In die Höhle der Löwen, sozusagen. Denn wie für Timo Boll und Dimitrij Ovtcharov gilt laut Schmidberger auch bei den Tischtennisspielern mit Behinderung: „Wenn man einen Titel gewinnen will, führt der Weg über die Chinesen.“ In seinem Fall, der Rollstuhlklasse drei, führt sein Dauerrivale Feng Panfeng wieder das Ranking an, den der Bayer vor einem Jahr tatsächlich für einige Zeit von Platz eins stoßen konnte. „Ob ich als Erster oder Zweiter der Setzliste antrete, ist egal, auf Feng kann ich ohnehin erst im Finale treffen“, sagt Schmidberger, „grundsätzlich schaue ich aber nur von Spiel zu Spiel“.

Mit dieser Taktik ist der Student der Sportökonomie an der Universität Bayreuth immer gut gefahren. Nach seinem erfolgreichen Jahr 2013 mit dem Gewinn der EM in Einzel und Mannschaft wurde er zum deutschen Behindertensportler des Jahres gewählt. Bei den Paralympischen Spielen 2012 gewann er Bronze im Einzel und Silber mit der Mannschaft. Auf der Schlussfeier durfte er die deutsche Fahne tragen. Auch in diesem Jahr war er schon wieder erfolgreich, ist deutscher Meister, hat mit seinem ehemaligen Verein RSG Koblenz die Bundesliga gewonnen, ein internationales Turnier im Mai für sich entschieden. Und beginnt nach der WM einen neuen sportlichen Abschnitt: Schmidberger schloss sich für die im Oktober beginnende Saison Bundesliga-Aufsteiger Borussia Düsseldorf an, der seit drei Jahren sein Engagement im Behindertensport deutlich ausgeweitet hat. „Borussia hat mir ein Paket aus Vermarktung, Öffentlichkeitsarbeit und Unterstützung des Studiums geboten, das mich überzeugt hat“, sagt Schmidberger, der seinen Hauptwohnsitz in einer WG am Studienort Bayreuth behält, „ich kann Sport und Ausbildung so ideal kombinieren“.

Der seit einem Autounfall mit viereinhalb Jahren querschnittsgelähmte Sportler entdeckte sein Tischtennistalent im Alter von 13 Jahren. Inzwischen ist er so gut, dass er auch mit „Fußgängern“ erfolgreich mithalten kann. So steht – oder sitzt – „Tom“ Schmidberger für den FC Miltach in der Landesliga an der Platte. „Es gibt wahrscheinlich keinen Tischtennisspieler in Bayern, der mich nicht kennt“, lacht Schmidberger, „die Spiele mit den Fußgängern, von denen viele meine Freunde sind, machen großen Spaß. Das ist eine Gaudi und bringt mir Wettkampfpraxis.“

In Düsseldorf hat er für drei Jahre unterschrieben. Das große Ziel sind die Paralympics 2016 in Rio. Aber kurzfristig steht jetzt erst einmal Peking an. „Ich will versuchen, mein bestes Tischtennis zu spielen. Was dann dabei rauskommt, wird man sehen. Wenn ich gut war und es keine Medaille gibt, ist das auch ok“, sagt er, „aber natürlich würde ich gerne meine Ranglisten-Position bestätigen“. Die Grundlagen dafür hat er in Lasko gelegt. Thomas Schmidberger ist bereit. Markéta Marzoli/DBS

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