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Rollstuhlrugby-EM

„Die Sensation schaffen“

Der frühere Schwimmer Swen Michaelis möchte mit dem deutschen Team seine fünfte Paralympics-Teilnahme erreichen.

Über die EM die Sensation schaffen, ist das Ziel aller Rugger im Nationaltrikot. Foto: DBS

Über die EM die Sensation schaffen, ist das Ziel aller Rugger im Nationaltrikot. Foto: DBS

Auf dem Feld geht es mächtig zur Sache. Mit Vollgas in die richtige Position kommen – und dabei hoffen, dass man nicht vom Gegner abgeräumt wird. Rollstuhlrugby ist nichts für schwache Nerven. Und nichts für anfälliges Material. Ein Reifentausch während des Spiels ist da keine Seltenheit. Ein spektakulärer Sport mit großer Faszination. Davon war auch Swen Michaelis schnell überzeugt. Dabei hatte der Leipziger, der als Schwimmer vier Paralympics-Teilnahmen in Sydney, Athen, Peking und London erlebt hat, seine aktive Karriere eigentlich beendet. Dann schnupperte er Anfang 2014 beim Rollstuhlrugby hinein. „Ich war direkt Feuer und Flamme“, sagt der 34-Jährige. Und es passt so gut, dass Michaelis bereits das erste große Highlight vor Augen hat. Mit der deutschen Nationalmannschaft reist er nach Pajulathi (Finnland), wo vom 15. bis 19. September 2015 die Europameisterschaften stattfinden. Gleichzeitig geht es auch um die Qualifikation für die Paralympics in Rio de Janeiro.

Für Swen Michaelis wäre es die fünfte Teilnahme. Dass es für die deutsche Nationalmannschaft angesichts der starken Konkurrenz nicht einfach wird, dürfte klar sein. Dennoch reist das Team durchaus selbstbewusst nach Finnland. „Das Finale und damit das Ticket nach Rio wäre schon eine kleine Sensation. Aber das ist unser Ziel“, betont Michaelis. Das unterstreicht auch Cheftrainer Christoph Werner: „Eine Medaille ist auf jeden Fall möglich, auch der Einzug ins Endspiel.“ Dafür müssten die Deutschen jedoch am besten Gruppensieger werden, um so wahrscheinlich dem Titelfavoriten Großbritannien im Halbfinale aus dem Weg zu gehen. „Die dürften zu stark für uns sein“, sagt Werner, der seine Mannschaft allerdings auf einem guten Weg sieht. „Ich bin positiv überrascht über unsere Entwicklung in der kurzen Zeit. Wir sind besser unterwegs als gedacht.“ Bei der Generalprobe gegen Polen hat Deutschlands Rollstuhlrugbyteam jedenfalls überzeugt und einen deutlichen Sieg eingefahren. Den Schwung müssen die Spieler mitnehmen, denn bereits zum Auftakt am Dienstag, 15. September, kommt es zum schweren Duell mit Vize-Europameister Dänemark.

Neue Erfahrung: Für den Sport das Rollstuhlfahren erlernt

„Das wird direkt ein richtiger Gradmesser“, weiß Swen Michaelis. Anschließend geht es in der Gruppenphase noch gegen Gastgeber Finnland sowie Irland. Michaelis will dazu beitragen, dass die Deutschen möglichst Gruppenerster werden – und sich den Traum vom Finale erfüllen. „Es macht riesig Spaß in der Mannschaft und wir haben richtig gut gearbeitet, zuletzt im Trainingslager.“ Für den Leipziger ist es eine große Umstellung. Nicht nur vom Schwimmbecken in die Halle, sondern auch vom Einzel- zum Mannschaftssport. Und in den Rollstuhl. Denn Michaelis, dessen rechter Unterarm fehlt und der rechts einen Klumpfuß sowie links ein verkürztes Bein hat (Dysmelie mehrerer Gliedmaßen), ist im Alltag zu Fuß unterwegs. „Das Rollstuhlfahren musste ich erst lernen“, schmunzelt der 34-Jährige. So fehle ihm auf dem Feld noch etwas die Erfahrung, doch das mache er durch seine körperliche Präsenz wett. „Und die anderen helfen mir dabei sehr gut. Jeder hat auf dem Feld seine Position und seine Aufgabe. Nur wenn alle Räder ineinander greifen, können wir erfolgreich sein.“ Und die kleine Sensation schaffen, um im September 2016 mit der Deutschen Paralympischen Mannschaft nach Rio zu reisen. Kevin Müller

Der deutsche Kader: Artur Bertram (Koblenz Speedos), Swen Michaelis (Rugby Löwen Leipzig), Maik Baumann (Greifswalder Rollmöpse), Steve Diederich (Dragons Freiburg), Andrej Leonhardt (Berlin Raptors), Jens Sauerbier (Berlin Raptors), Thomas Schuwje (Donauhaie Illerrieden), Christian Götze (Hannover Neckbreakers), Britta Kripke (Hamburger SV), Christian Riedel (Mainpower Frankfurt), Thorsten Altmann.

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