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Interview mit Lutz Leßmann

„Die Zeiten der absoluten Dominanz sind vorbei“

Der Start in die Bundesliga Saison 2016/2017 steht für die Freunde des Rollstuhlbasketballs unmittelbar bevor. Tami Helbing sprach für Outrun mit dem RSB Thuringia Bulls-Vorsitzenden Lutz Leßmann über die Paralympics und die Situation in der Bundesliga.

Outrun: Wie fällt dein Fazit zu den Paralympics in Rio aus ?
Lutz Leßmann: Ich hätte Nic Zeltinger ein glücklicheres Händchen gewünscht. Die Zusammenstellung des Teams lässt viele Fragen zu, am Ende steht der Bundestrainer für seine Entscheidungen in der Verantwortung. Die Leistung in der Saison muss das Kriterium für die Berufung in die Nationalmannschaft sein und nicht die Zugehörigkeit zu einem Verein. Das Amt als Bundestrainer kann nicht als Doppelfunktion ausgeübt werden, da bleibt am Ende immer etwas auf der Strecke.

Outrun: Bist du zufrieden mit dem Verlauf der Off Season ?
Leßmann: Wir haben sehr früh die personellen Weichen für die Saison gestellt. Es gibt noch Probleme mit dem Visum von Vahid Azad, da hoffen wir zügig auf Klarheit. Nach drei Titeln erwartet jeder, dass alles ohne Reibung abgeht, es ist aber auch bei uns wie überall, die viele Arbeit macht sich nicht von alleine. Die verbalen Spielchen beginnen wieder, und wir finden uns dabei als die Gejagten. Eine Saison beginnt bei Null und das ist für alle gleich, egal ob Jäger oder Gejagter. Wir halten es wie jedes Jahr, wir möchten aus unseren Möglichkeiten das Optimale herausholen und das bestmögliche Ergebnis erzielen. Wenn wir uns am Ende der Saison ins Gesicht sehen und alle haben alles gegeben, werden wir auch im sechsten Jahr unserer Zugehörigkeit zur besten Liga zufrieden sein mit dem Erreichten. Die Zeiten der absoluten Dominanz eines Teams sind Gott sei Dank erstmal vorbei, und der Titel muss hart erkämpft werden. Die Mannschaft ist in bester körperlicher Verfassung, das konnten wir am Wochenende in einem hochkarätig besetzten Oettinger Cup nachweisen. Nun wird es ernst und da habe ich noch einen fürs Phrasenschwein: Die Wahrheit liegt auf dem Spielfeld .

Outrun: Wo soll die Reise in diesem Jahr hin gehen ?
Leßmann: Ja, als Triple Sieger wollen wir Titel verteidigen und unsere Spieler weiter entwickeln. Unser Team ist im Kern seit Jahren zusammen und das macht es einfacher, als jedes Jahr eine neue Mannschaft aufzubauen. Mit der Brechstange ist im Leistungssport kein Blumentopf zu gewinnen, da macht sich nur kontinuierlicher Aufbau bezahlt. Mit Michael Engel steht ein neuer Chef Coach an der Linie, der sicher neue Reize setzen und das Team in allen Belangen zu Höchstleistungen antreiben wird. Ich erwarte dieses Jahr keinen Zweikampf mit Lahn Dill, sondern durch den Aufmarsch von Weltklassespielern in Hamburg wird der Titelkampf diesmal ein Dreikampf. Ich habe in den letzten Jahren kein Team mit so einer Leistungsdichte gesehen, wie Hamburg sie in diesem Jahr verkörpert. Acht Neuzugänge machen die Hanseaten zu einem Topfavoriten in dieser Saison, in dem der gesamte Kader, außer Karlis Podnieks, in Rio um Paralympic Ehren gekämpft hat. Der Oettinger Cup hat am letzten Wochenende aufgezeigt, was die Fans erwarten können : Rollstuhlbasketball der Extraklasse.

Outrun: Was kommt international auf die Fans zu ?
Leßmann: Der Modus im Champions Cup hat sich geändert, es gibt eine Vorrunde mit drei Turnieren á fünf Teams, wovon eins in Elxleben stattfindet. Die ersten Zwei jeder Vorrunde werden dann ein Viertelfinale mit je vier Teams in Wetzlar oder Madrid spielen. Dabei qualifizieren sich jeweils die ersten Zwei für das Final 4 Anfang Mai, in dem der Champion ausgespielt wird. Es wird also eine ganz große Nummer und unser Team beginnt am 4/5.02.2017 mit einer Heimrunde das Abenteuer CL. Die Gegner in Elxleben sind dann Besiktas Istanbul aus der Türkei, SC Meaux aus Frankreich, Ilan Ramat Gan aus Israel und Handicap Sport Varese aus Italien. Platz zwei ist das Ziel, das würde uns wahrscheinlich im Viertelfinale nach Madrid führen. Es steht also einiges auf dem Programm, und das Team ist heiß auf diese Herausforderung. Die Nationalmannschaftskandidaten Halouski, Bienek, Albrecht und Kietzer werden um die Plätze zur Europameisterschaft im Juli in Teneriffa kämpfen und um die Plätze zur WM 2018 in Hamburg.

Das Gespräch mit Lutz Lehmann führte für Outrun Tami Helbing

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