News

Alexandr Kolyadin

Ein Challenger im Skischuh

Der Skilangläufer Alexandr Kolyadin plant eine Premiere bei den Paralympischen Winterspielen in Pyeongchang.

Alexandr Kolyadin bei der Anprobe des Prothesenfußes Challenger mit Orthopädietechniker Mathias Menzel. Foto: Ottobock

Mindestens eine Premiere zeichnet sich schon jetzt für die Paralympischen Winterspielen 2018 in Pyeongchang/Südkorea (8. bis 18. März) ab: Die Prothese Challenger im Skischuh. Nutzen wird diese Lösung der Skilanglauf-Meister von Kasachstan, Alexandr Kolyadin. Auf dem Weg zum Trainingslager mit seinem Nationalteam in Freiburg und Oberhof kam er in diesem Sommer zum Paralympics-Förderer Ottobock nach Duderstadt. Er wurde dort zwei Wochen lang im Competence Center als erster Skilangläufer mit der besonders vielseitig einsetzbaren Sportprothese versorgt.

Alexandr Kolyadin begann mit seinem Sport im Alter von zehn Jahren und blieb ihm bis heute, 34 Jahre lang, treu. Seine Karriere führte ihn anfangs bis in die Jugend-Nationalmannschaft seines Landes. Dann aber der Autounfall in Kasachstan, der zur Amputation am rechten Unterschenkel zwang.

Es war sein früherer Trainer Sergey Revutsky, der ihn vor fünf Jahren ermutigte, seinen Sport nun mit Behinderung fortzusetzen. Schon in Sochi 2014 war Kolyadin im paralympischen Rennen. Dort wurde er 13. auf der 20 Kilometer-Strecke. Seine Chancen, sich für Pyeongchang zu qualifizieren, gelten als sehr gut.

Seine erste Versorgung für den Skilanglauf war eine Konstruktion aus Holz und Leder. Zwischen diesem Provisorium und dem Challenger liegt mehr als nur ein einziger Quantensprung. Diese Sportprothese brachte Ottobock 2016 auf den Markt. Sie wird insbesondere von Sportlern geschätzt, die für Tennis, Volleyball oder andere Feldsportarten eine sehr individuelle Anpassbarkeit und hohe Flexibilität auch bei seitlichen Bewegungen brauchen.

Und beim Skilanglauf? „Die Idee ist entstanden, weil ich mit meiner vorherigen Prothese bei Steigungen viel Zeit verloren habe. Der Challenger ermöglicht mir, mehr Energie und Kraft auf den Ski zu bringen. Mit dem kann ich auch skaten“, erklärt Alexandr Kolyadin. „Er ist vor allem viel angenehmer zu tragen.“ Auch der Prothesenschaft wurde zeitgemäß erneuert. „Das hat zu einer deutlich besseren Kontrolle meiner Bewegungen beigetragen.“

Das Nationale Paralympische Komitee Kasachstans entschloss sich, den Athleten bei dieser hochwertigen Versorgung zu unterstützen. Generell waren die Athleten sehr froh, in Deutschland die Trainingsmöglichkeiten und medizintechnische Erfahrung nutzen zu können und dankten dem Präsidenten ihres Nationalen Paralympischen Komitees (NPCK), Kairat Boranbayev, für die Förderung des paralympischen Sports in Kasachstan.

Dessen geschäftsführender Direktor Yerlan Suleimenov räumt bei der Abwägung der Chancen in Pyeongchang ein, dass es im gemeinsamen Wettbewerb mit den weit überwiegend armamputierten Konkurrenten bei der notwendigen Punkteumrechnung kompliziert werden kann: „Um eine Bronzemedaille zu gewinnen, müsste er vermutlich mit deutlichem Abstand Erster werden.“ Aber Alexandr Kolyadin bringt das von seinem Traum kein Stück ab: „Ich würde wahnsinnig gern eine Medaille gewinnen.“ Ganz besonders werden seine beide wünschen. Sie scheinen seine Sportbegeisterung geerbt zu haben. Der eine besucht bereits ein Sport-College, der andere geht noch zur Schule. Ottobock

Das könnte Dich auch interessieren:

Qualifikationsturnier

Letzter Strohhalm für den großen Traum

Beim Qualifikationsturnier im Para-Eishockey im schwedischen Östersund werden noch drei Plätze für die Paralympics in PyeongChang 2018 ausgespielt – Deutsches Team reist nach guter Vorbereitung mit großer Motivation zum Turnier. Jetzt zählt es: Beim Qualifikationsturnier im Para Eishockey geht es … Weiterlesen

DBS erwägt keinen Verzicht

„Krieg der Worte bereitet uns große Sorgen“

PyeongChang 2018: Der Deutsche Behindertensportverband erwägt derzeit keinen Verzicht auf eine Teilnahme an den Paralympics, fordert die internationalen Verbände aber zum Handeln auf. Am 9. März 2018 sollen die Paralympischen Spiele im südkoreanischen PyeongChang feierlich eröffnet werden. Doch der Konflikt … Weiterlesen


Qualifikationsturnier

Letzter Strohhalm für den großen Traum

Beim Qualifikationsturnier im Para-Eishockey im schwedischen Östersund werden noch drei Plätze für die Paralympics in PyeongChang 2018 ausgespielt – Deutsches Team reist nach guter Vorbereitung mit großer Motivation zum Turnier. Jetzt zählt es: Beim Qualifikationsturnier im Para Eishockey geht es … Weiterlesen

DBS erwägt keinen Verzicht

„Krieg der Worte bereitet uns große Sorgen“

PyeongChang 2018: Der Deutsche Behindertensportverband erwägt derzeit keinen Verzicht auf eine Teilnahme an den Paralympics, fordert die internationalen Verbände aber zum Handeln auf. Am 9. März 2018 sollen die Paralympischen Spiele im südkoreanischen PyeongChang feierlich eröffnet werden. Doch der Konflikt … Weiterlesen


Sportstudent Léon Schäfer

„Ich wollte einen Behindertensportler treffen“

Bei den Paralympics in Rio de Janeiro hat Léon Schäfer seine Konkurrenz im Weitsprung überrascht, beim Eignungstest an der Deutschen Sporthochschule in Köln seine Mitstreiter – nun verbindet er in seiner neuen Heimat Studium und Leistungssport. Leichtathletik, Volleyball, Turnen, Tischtennis, … Weiterlesen

Heinrich Popow, Kümmerer

„Wir verkörpern Lebensfreude“

Er ist eines der bekannten Gesichter, der „Posterboy des Behindertensports“, wie die Süddeutsche Zeitung im September 2016 titelte. Nicht nur wegen seiner großartigen sportlichen Erfolge: Zweimal feierte Heinrich Popow Paralympics-Gold – 2012 über 100 Meter, 2016 im Weitsprung. In beiden … Weiterlesen


Rio de Janeiro

Goldener Sprung für Vanessa Low

Vanessa Low hat bei den Paralympics im brasilianischen Rio de Janeiro Gold im Weitsprung der Klasse T42 gewonnen und damit ihre erste paralympische Medaille geholt. Die 26-jährige Weltmeisterin, die für den TSV Bayer 04 Leverkusen startet und in den USA … Weiterlesen

Popow trainiert Nachwuchs

„Nicht laufen, läuft nicht“

Vom 12. bis 15. Oktober 2016 heißt es wieder „Nicht laufen, läuft nicht” – dann zeigt Heinrich Popow, Goldmedaillengewinner bei den Paralympics 2012, Kindern und Jugendlichen zwischen elf und 18 Jahren, wie sie mit einer Prothese Sport treiben können. Der … Weiterlesen


Leichtathletik

Untersuchung mit Weitspringer Markus Rehm

Für die Inhalte einer japanischen TV Sendung startet in Kürze eine wissenschaftliche Untersuchung des unterschenkelamputierten Weitspringers und Paralympics-Siegers Markus Rehm. Für die Sendung soll vor allem geklärt werden, warum Markus Rehm so viel weiter als andere Athleten mit vergleichbarer Behinderung … Weiterlesen

Noch keine Antwort des IAAF

„Ein bedenkliches Signal“

Anfang Dezember 2015 hatten sich der Deutsche Behindertensportverband (DBS) und Weitspringer Markus Rehm an den Internationalen Leichtathletik-Verband (IAAF) in Person von Präsident Sebastian Coe gewandt mit dem Ziel, konkrete Angaben und Kriterien für die mögliche Erstellung eines Gutachtens zu erhalten. … Weiterlesen