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Wintersport-Highlights

„Ein saucooles Erlebnis“

Die deutschen Rollstuhlcurler kämpfen in PyeongChang gerade bei den Weltmeisterschaften um eine gute Platzierung, die Nationalmannschaften Ski alpin und Ski nordisch testen die Paralympics-Strecken ab morgen bei der Weltcup-Generalprobe und für die deutschen Para-Eishockeyspieler wird es dort bei der WM im April ernst. Und alle wollen in einem Jahr nach Südkorea wiederkommen. Schließlich werden in 365 Tagen, am 9. März 2018, in PyeongChang die Paralympischen Spiele eröffnet. Dann gehen rund 670 Athletinnen und Athleten aus etwa 45 Nationen an den Start, die in 80 Medaillenentscheidungen um Edelmetall kämpfen.

Es kribbelt schon bei Clara Klug, wenn sie an die Paralympics in einem Jahr denkt. Foto: Ralf Kuckuck/ DBS-Akademie

Der Deutsche Behinderten- sportverband (DBS) wird mit hoher Wahrscheinlichkeit ein größeres Team ins Rennen schicken als 2014. Nach Sotschi reisten damals 13 Athletinnen und Athleten. Diesmal wird definitiv neben den Sportarten Ski alpin und Ski nordisch auch eine Mannschaft im Rollstuhlcurling vertreten sein. Das Team von Trainer Bernd Weißer hat die Qualifikation für die Spiele bereits gesichert und ist erstmals seit Vancouver 2010 wieder dabei. Von der ersten Teilnahme an den Paralympics seit 2006 träumen Deutschlands Para-Eishockeyspieler. Bei der WM in PyeongChang (11. bis 20. April) kann sich die Mannschaft diesen großen Wunsch selbst erfüllen – und zwar mit einer Platzierung unter den besten Fünf. „Wir haben zwei Chancen, entweder bei der WM oder bei einem Qualifikationsturnier im Herbst. Am liebsten wollen wir direkt die erste Chance nutzen. Die Möglichkeit ist da, auch wenn es schwer wird“, sagt Cheftrainer Andreas Pokorny und ergänzt: „Die Jungs sind richtig heiß und gut drauf. Sie haben das Ziel vor Augen. Es wäre eine Riesensache für uns und unseren Sport, wenn wir das schaffen würden.“

Das hofft freilich auch Dr. Karl Quade, Vizepräsident Leistungssport des DBS, der bereits zum zwölften Mal als Chef de Mission dabei sein wird. Im Falle einer erfolgreichen Qualifikation des Eishockey-Teams würde sich die Größe der Deutschen Paralympischen Mannschaft in etwa verdoppeln. „Das wäre wünschenswert. Dann hätten wir ein richtig großes Team dabei“, betont Quade, dessen Stellvertreter Sportdirektor Frank-Thomas Hartleb sein wird.

In Sotschi bestand das deutsche Team aus 13 Aktiven, bei den kommenden Winterspielen sollen es wieder mehr sein. Foto: Ralf Kuckuck/ Allianz

Von den Gegebenheiten vor Ort und dem Stand der Planungen überzeugte sich der Paralympicssieger von 1988 im Volleyball im Rahmen des Chef-Mission-Meetings vor wenigen Tagen vor Ort. „Die Sportstätten sind in einem guten Zustand und werden pünktlich fertig, die Unterkünfte haben einen guten Eindruck gemacht und die Wege sind sehr kurz – besonders für die Biathleten und Langläufer“, berichtet Quade. „Ich habe großes Vertrauen in die Südkoreaner, die sehr freundlich und engagiert sind. Wir werden dort passende Rahmenbedingungen vorfinden, um gute Leistungen abliefern zu können“, so der deutsche „Mr. Paralympics“, der erst als Aktiver und nun als Chef de Mission seine 15. Spiele live erleben wird. „Dass es so viele werden, hätte ich nicht gedacht. Das ist schon eine unglaubliche Zahl“, so Quade, der sagt: „Wir können mit einem guten Gefühl nach PyeongChang reisen.“

Groß ist die Vorfreude auch bei den Athletinnen und Athleten. Während Skifahrerin Andrea Rothfuss vor ihren vierten Winter-Paralympics und Andrea Eskau sogar vor ihren insgesamt sechsten Spielen steht (Ski nordisch im Winter und Radsport im Sommer), möchte Clara Klug in einem Jahr ihre Premiere erleben. Die blinde Biathletin überzeugte bei den vergangenen Weltmeisterschaften in Finsterau mit ihrem Trainer und Guide Martin Härtl mit zweimal Silber und einmal Bronze – nun richtet sich der Fokus auf das große Highlight im März 2018.

2008 war die 22-jährige Studentin aus München, damals noch in der Leichtathletik aktiv, als Teilnehmerin des Jugendlagers bei den Spielen in Peking dabei. 2012 folgte der Wechsel auf die Skier und in den Schnee. Bei den Paralympics in Sotschi fieberte sie 2014 am Fernseher und vor dem Livestream mit. „Ein saucooles Erlebnis und ich habe mir gedacht: da will ich auch mal dabei sein. Der Wille ist dadurch nur noch stärker geworden.“ In einem Jahr könnte es soweit sein. „Absolut, das ist das große Ziel. Darauf ist alles ausgelegt und darauf arbeite ich hin“, sagt die 22-Jährige. Im Sommer wird sie noch studieren, danach legt sie ein Urlaubssemester ein, um sich bestmöglich vorzubereiten. „Dann geht es richtig los“, betont sie.

Gerade befindet sich Klug mit der Nationalmannschaft bereits zur Generalprobe in PyeongChang. „Der lange Flug, die Zeitverschiebung, die Umgebung, die Strecken – es ist sehr gut, um alles kennenzulernen“, sagt die Münchenerin. Noch erscheinen die Paralympics weit weg. Doch in 365 Tage möchte sie wieder an diesem Ort sein, daran lässt Clara Klug keinen Zweifel. „Wenn ich an das Jahr 2018 denke, dann kribbelt es schon.“ Dann will sie dabei sein. Und zwar nicht als Zuschauerin, sondern diesmal als Athletin. Kevin Müller

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