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China dominiert 2004 in Athen

„Eine Faust ist stärker als ein Finger“

„Lasst China schlafen. Wenn es erwacht, wird die Erde beben.“ Napoleon Bonaparte war in mancher Hinsicht ein Mann mit Weitblick. An Behindertensport mag er bei diesem martialischen Ausspruch zwar nicht gedacht haben, aber es stimmt schon: 2004 ist die chinesische Sportnation endgültig erwacht, und hat bei den Paralympics in Athen für ein mittelschweres Erdbeben gesorgt.

In Sydney vor vier Jahren hatte die Chinesiche Volksrepublik noch den sechsten Rang im Medaillenspiegel eingenommen. Diesmal ließ das noch sehr junge und ausbaufähige Team aus Asien traditionelle B-Sport-Nationen wie Großbritannien oder die USA weit – sehr weit – hinter sich. So holte China 63 Goldmedaillen, während die Mannschaft aus Großbritannien mit 35 den zweiten Platz belegte. Die Australier, in Sydney vor heimischem Publikum der Senkrechtstarter vor vier Jahren, landeten diesmal auf Rang fünf.

Wie ist die Dominanz des chinesischen Teams zu erklären? Zeng Zhi Jian ist Journalist bei der Xinhua News Agency, Chinas größter Nachrichtenagentur, und hat täglich aus Athen von den herausragenden Erfolgen seiner Landsleute berichtet. Bei all seiner asiatischen Freundlichkeit, hält er doch den im Westen gelebten Individualismus für ein nicht konkurrenzfähiges Konzept. „Eine Faust ist stärker als ein einzelner Finger“, verbildlicht er die vermeintliche Ursache dafür, dass wohl auch in Zukunft vorerst China die führende Rolle bei den Paralympics, aber auch bei den olympischen Sportarten übernehmen dürfte.

Konkret bedeutet das: Wer in China Talent hat und behindert ist, stößt nicht irgendwann zufällig zum Behindertensport. Er wird sich auch nicht selbst auf die Suche nach Sponsoren machen müssen. Behinderte Sportlerinnen und Sportler werden an eigens für sie errichteten Schulen ausgebildet und trainiert. Nach offiziellen Angaben leben in China etwa 60 Millionen Menschen mit Behinderungen, die Besten und Talentiertesten unter ihnen werden für die Spiele rekrutiert.

Dass der Behindertensport in China heute so groß geschrieben wird, mag wohl mit den Spielen 2008 zusammenhängen, die dann bekanntlich in Peking stattfinden. Soviel steht schon jetzt fest: Während heute vor vier Jahren die Athener Olympiagelände noch unbefestigten Park-, um nicht zu sagen Schrottplätzen glichen, laufen in Peking die Vorbereitungen auf die nächsten Spiele längst auf Hochtouren. Peking 2008 wird eine Leistungsschau des Gastgebers sein, nicht nur, was die Organisation betrifft. Auch in sportlicher Hinsicht. Franco Erschbaumer

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