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Doping

Eine Frage der Substanz

Traurig, aber wahr: In Zeiten der olympischen Spiele und der Paralympics wird auch wieder verstärkt von Doping die Rede sein müssen. Aber von welchen Substanzen ist dann eigentlich die Rede? Und welche Wirkung haben sie? Outrun stellt Euch die am häufigsten verwendeten Mittel vor.

Die Sportart Gewichtheben ist durch den Missbrauch verbotener leistungssteigernder Substanzen in Verruf geraten. Foto: Franco Erschbaumer

Die Sportart Gewichtheben ist durch den Missbrauch verbotener leistungssteigernder Substanzen in Verruf geraten. Foto: Franco Erschbaumer

Anabole Steroide

Anabol-androgene Steroide, umgangssprachlich Anabolika, sind die Medikamente, die heute insbesondere im Breitensport missbraucht werden. Sie sind synthetische Ableitungen des natürlichen männlichen Geschlechtshormons Testosteron, das im Körper des Mannes in weit höherem Umfang (ca. 20-40mal) vorhanden ist als im Körper der Frau. Da sie anabol (aufbauend, z. B. des typischen männlichen Muskel- und Skelettwachstums) und andogen (z.B. Förderung des Wachstums der männlichen Geschlechtsorgane, Ausbildung der sekundären Geschlechtsmerkmale, Körperbehaarung, tiefe Stimme) zugleich wirken, werden sie in der Medizin kaum noch eingesetzt. Bei der Produktion von anabolen Steroiden durch die Pharmaindustrie wird zwar versucht, die besonders bei Frauen schädliche vermännliche Wirkung gering zu halten, vermeiden lässt sie sich jedoch nicht.

Anabole Steroide sind in der Leichtathletik seit 1970, durch das IOC seit 1974 verboten. Testosteron, das vereinzelt schon in den 50er Jahren zur Leistungssteigerung ausprobiert wurde, kam aufgrund des schwierigen Nachweises erst 1983 auf die Liste der verbotenen Mittel. Den verbesserten Kontrollen im Wettkampfsport wird häufiger mit der Einnahme nicht nachweisbarer Mittel begegnet. Dazu gehören auch Designerdrogen wie das anabole Steroid THG, das durch die kalifornische Firma BALCO eigens für das Doping entwickelt worden war. Bei der Herstellung wurden bekannte anabole Steroide aus der Tiermedizin chemisch leicht abgewandelt, so dass sie bei Dopingkontrollen durch das Raster fallen mussten.

Nandrolon

Nandrolon (19-Nortestosteron) gehört zur Familie der synthetischen anabolen Steroide und war in der Frühzeit des Anabolikamissbrauchs das am meisten benutzte Anabolikum (Dianabol). Es wird in der Tiermast zum schnelleren Erreichen des Schlachtgewichts und im Leistungssport zum Muskelwachstum verwendet. Da es bis zu vier Monate nachweisbar ist, verschwand es mit dem Aufkommen wirksamer Nachweisverfahren (seit 1976).

Als positiv getestet gilt ein Athlet auch, wenn die Metaboliten (Abbauprodukte) von Nandrolon nachgewiesen werden können. Überraschend ist vor diesem Hintergrund die Zunahme der Fälle von Nandrolondoping in den letzten Jahren; von den 117.314 Dopingkontrollen des IOC weltweit im Jahr 2000 waren 2.229 positiv, davon 325 Nadrolonfälle. Dies kann mit einem verbesserten Nachweisverfahren (High Resolution Mass Spectrometry) zusammenhängen, bei dem nicht nur die Substanz selbst, sondern auch Abbauprodukte nachgewiesen werden können. Möglicherweise ist aber auch eine Insiderempfehlung ursächlich, dass durch die Gabe einer niedrigen Dosis von Nandrolon (unterhalb der Nachweisgrenze), verbunden mit der Gabe von Insulin (zum Abmildern der Nebenwirkungen von Wachstumshormonen) die Wirkung von Wachstumshormonen erhöht werden könne. In geringem Umfang ist jedoch auch eine körpereigene Produktion möglich.

Die orale Einnahme von Nandrolon bewirkt weit weniger (so eingenommenes Nandrolon wird ganz schnell ausgeschieden). Problematisch wird Nandrolon u.a. auch dadurch, dass Nahrungsergänzungsmittel mit Nandrolon verunreinigt sein können. Der Nachweis von Nandrolon ist deshalb kompliziert, weil die Abbauprodukte (Metaboliten) von Nandrolon und die Metaboliten der Vorläufersubstanzen 19-Norandrostenedion und 19-Norandrostenidiol (die manchmal in Nahrungsergänzungsmitteln zu finden sind) identisch sind. Die Beurteilung, ob bei sehr niedrigen Werten Doping vorliegt, ist daher nicht immer möglich. Wenn der Höchstwert allerdings um mehr als das Hundertfache überschritten wird, kann dies weder durch Störungen der Körperregulation (z.B. durch Krebs) noch durch die Verwendung von verunreinigten Nahrungsergänzungsmitteln erklärt werden.

Manchmal wird behauptet, Sportler könnten durch den Verzehr von Fleisch von Tieren, denen das verbotene Nandrolon gespritzt wurde, bei Kontrollen positiv sein. Diese Möglichkeit besteht im extremen Ausnahmefall tatsächlich, es müssen allerdings verschiedene ungünstige Faktoren zusammentreffen: So müsste beispielsweise der Züchter kurz vor dem Schlachten Nandrolon in einer hohen Dosierung gespritzt haben (was ökonomisch unsinnig ist), der Verzehr müsste sich auf das Fleisch um die Injektionsstelle herum konzentrieren und die Dopingkontrolle müsste innerhalb kürzester Zeit nach dem Verehr stattfinden.

EPO (Erythropoietin)

Die Idee, die Sauerstoffaufnahmefähigkeit des Blutes zu manipulieren und damit die Ausdauerleistungsfähigkeit zu verbessern, ist alt. In den 70er und 80er Jahren wurde hierfür Blutdoping durchgeführt. Etwa seit 1988 wurde Blutdoping durch den Missbrauch von gentechnisch hergestelltem rekombinantem Erythropoietin (EPO oder rhEPO) abgelöst. Beim EPO-Doping gab es zunächst eine Reihe von Todesfällen, vor allen Dingen im Radsport, denn die Erhöhung der Anzahl der roten Blutkörperchen führt zu einer Verschlammung des Bluts. Dabei können sich Thrombosen bilden, es kann zum Herzinfarkt kommen.

Seit 1994 etwa sollen diese Probleme durch die Beigabe von so genannten Blutplasmaexpandern, die das Blut wieder verdünnen sollen, gelöst worden sein. Tatsächlich gingen in den Jahren darauf die Leistungen in den Ausdauersportarten deutlich nach oben. In vielen Ausdauerdisziplinen wurden die Leistungsentwicklungen seither revolutioniert. Seit dem Jahr 2000 kann EPO offiziell, d.h. mit einem Standardverfahren nachgewiesen werden. Deshalb sind bereits Nachfolgepräparate, die noch nicht nachgewiesen werden können, zu Dopingzwecken missbraucht worden.

Durch die Zufuhr von synthetischem EPO wird auf einfachere Art und Weise der gleiche Effekt erzielt wie durch Höhentraining. Bei diesem wird der Körper durch den geringeren Sauerstoffanteil in der Luft in einen künstlichen Mangelzustand versetzt, so dass die Niere gezwungen ist, vermehrt körpereigenes EPO zu produzieren.

Wachstumshormon

Wachstumshormon (Somatropin, HGH = Human Growth Hormone) fördert den Zellumbau jeder Körperzelle, ist notwendig für das Knochenwachstum und ermöglicht den Abbau von Fettgewebe. In der Medizin wird dieses Hormon in gentechnisch hergestellter Form vor allem bei kleinwüchsigen Kindern bzw. Erwachsenen mit Hypophyseninsuffizienz angewendet. Es kommt also in der Therapie zum Einsatz, wenn der Körper nicht selbstständig in der Lage ist, körpereigenes Wachstumshormon zu produzieren.

Wachstumshormon aus gentechnischer Produktion hat im Hochleistungssport breite Verwendung gefunden. Es ist zwar weniger wirksam als anabole Steroide, hat aber den „Vorteil“, dass das IOC zumindest bis 2003 keine Nachweismethode anerkannt hat.

Wachstumshormon ist sehr teuer. Insider sagen deshalb, dass es heute ein Zweiklassensystem des Dopings gibt: Athletinnen und Athleten, die sich die teuren und schwerer nachweisbaren Medikamente leisten können, und solche, die aus Kostengründen zu den leichter nachweisbaren Medikamenten greifen wie den anabolen Steroiden.

Kreatin

Kreatin ist eine konzentrierte Substanz aus Aminosäuren. In natürlicher Form kommt es im Fleisch, in stärkerer Konzentration im Fisch vor. Im Körper eines Menschen mit ca. 70 kg Körpergewicht sind ca. 120 Gramm Kreatin gespeichert, das meiste davon in der Skelettmuskulatur (95 Prozent). Der normale tägliche Kreatinbedarf beträgt bei einem 80 bis 100 kg schweren Menschen ca. zwei bis drei Gramm pro Tag und kann durch die Nahrung gedeckt werden.

Kreatin ist ein so genanntes „Nahrungsergänzungsmittel“. Es erlaubt in Training und Wettkampf mehr Wiederholungen bei schnellkräftigen Bewegungen und wird daher gezielt zur Leistungssteigerung eingesetzt. Viele Kraft- und Schnellkraftsportler sehen fälschlicherweise im Kreatin aufgrund dieses Effekts eine legale und risikolose Alternative zu den anabolen Steroiden. Beobachtet wurde eine Steigerung der Verletzungsanfälligkeit.

Viele Athleten, die bis vor kurzem Kreatin eingenommen haben, haben aus Vorsicht inzwischen wieder davon abgelassen. Häufig wird über Muskelschmerz geklagt. Außerdem ist die Gefahr positiver Dopingbefunde durch Verunreinigungen des Kreatins in den Herstellungsgeräten durch Spuren androgener Steroide groß. Es ist nicht auszuschließen, das zahlreiche positive Dopingfälle durch verunreinigtes Kreatin verursacht werden.

Die Einnahme von Kreatin ist keine Substitution, wenn weitaus mehr als die zwei bis drei Gramm, die vom Körper aufgenommen werden können, zugeführt werden. Dann wird es gezielt zur Leistungssteigerung eingenommen.

Cannabis

Cannabis ist ein indisches Hanfgewächs. Haschisch ist das gepresste Harz des indischen Hanfs. Ein Joint ist Haschisch in Zigarettenform. Der Joint aus Cannabis dient hauptsächlich zur Anregung (leicht euphorisierende Wirkung) und zur Entspannung (leichte Schläfrigkeit, intensivierte Heiterkeit). Cannabis wurde lange als relativ ungefährliche Droge angesehen, deren Nebenwirkungen geringer seien als jene von Nikotin oder Alkohol. Allerdings ist durch neue Züchtungen der Gehalt der Cannabispflanzen an Tetrahydrocannabinol heute etwa 15 Mal höher als früher. Cannabis wurde von einigen Sportverbänden nicht primär wegen einer potenziellen leistungssteigernden Wirkung verboten, sondern weil es nicht zum idealen Bild des sauberen und gesunden Sports passt.

Gegen das Aufführen von Cannabis auf der Dopingliste werden ähnliche Argumente vorgebracht wie bei Koffein und Alkohol. Cannabisprodukte in Form von Haschisch beziehungsweise Marihuana sind bei Olympischen Spielen verboten. Auf der Dopingliste der World Anti Doping Agency, kurz WADA, stehen sie seit dem 1. Januar 2004.

Koffein

Koffein ist ein Wirkstoff, der in Kaffee und Tee und in einigen Modegetränken wie „Flying horse“ oder „Red bull“ enthalten ist. Er wirkt leicht entwässernd (diuretisch) und stimuliert das zentrale Nervensystem. Da Koffein das sympathische Nervensystem aktiviert, wird es dann eingenommen, wenn Müdigkeit vermieden oder intensive körperliche und/oder geistige Arbeit geleistet werden muss.

Auf die Verbotsliste des IOC kam Koffein, weil bei Kontrollen extreme Überdosierungen entdeckt wurden, die weit über dem Konsum eines Kaffeetrinkers lagen. Bei einer Überdosierung (z.B. in Form von Tabletten, Injektionen oder Zäpfchen) schüttet das sympathische Nervensystem verstärkt Adrenalin aus und setzt so die autonom geschützten Energiereserven des Körpers frei. Auf diese kann der Mensch normalerweise nur in Fällen von Lebensgefahr zurückgreifen. Die leistungssteigernde Wirkung entsteht durch eine Erhöhung des Energieumsatzes und das Hinausschieben des Erschöpfungsgefühls. Wird auf diese Weise das körpereigene Warnsystem beeinträchtigt oder gar ausgeschaltet, kann es zu Überlastungen, zu schweren Erschöpfungszuständen und in Verbindung mit anderen Stimulanzien sogar zum Tod kommen.

Aus diesem Grund war Koffein (Grenzwert: 12 Nanogramm/ml – dies entspricht mehr als vier bis fünf Tassen Kaffee) zur Leistungssteigerung seit 1988 verboten. Mit der neuen Dopingliste des IOC und der WADA ist Koffein ab 2004 wieder erlaubt. Dopingsperren wegen des Verdachts des Koffeinmissbrauchs waren in der Vergangenheit vereinzelt zu Unrecht ausgesprochen worden. Einige Athleten konnten Stoffwechselfehlfunktionen wissenschaftlich nachweisen. An dieser Stelle kapitulierte man vor dem Dopingproblem, da es Probleme mit dem Nachweis gibt. fee

Die Deutsche Sportjugend, dsj, hat eine umfangreiche Informationsbroschüre zum Thema Doping herausgegeben. Darin geht es auch um ethische Fragen.

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