News

Sledge-Eishockey

Eiskalt abserviert

Im entscheidenden Qualifikationsturnier im Sledge-Eishockey um die Teilnahme an den Paralympics in Salt Lake City im kommenden März musste sich in Bremen das deutsche Nationalteam im Kampf gegen die Esten geschlagen geben.

Die Teilnehmerzahl an den Paralympics ist auf sechs Nationen begrenzt. Norwegen, Schweden und Kanada hatten sich bereits bei der Weltmeisterschaft vor zwei Jahren qualifiziert. Japan und die USA als Gastgeberland treten ebenfalls an. Für die restlichen Bewerber stand noch ein Platz aus. Um diesen kämpften in Bremen in nur drei Spielen Deutschland, Großbritannien und Estland.

Am Freitag besiegte Großbritannien überraschend den Favoriten Estland mit 3:2. Den Esten steckte offensichtlich noch die lange Anreise in den Knochen. Die Spielzüge und Torschüsse litten unter mangelnder Konzentration und Ausdauer, so dass die Briten den Sieg sicher einholen konnten.

Am Samstag musste die deutsche Mannschaft um Cheftrainer André Groß aus Mellendorf gegen die Engländer antreten. Das von der ersten bis zur letzten Minute von Geschwindigkeit und Spielwitz geprägte Duell wurde von beiden Teams mit einem Einsatz bis an die Grenzen der Leistungsfähigkeit ausgetragen. Mit einem Sieg hätte Großbritannien die Fahrkarte nach SLC schon sicher in der Tasche gehabt. Doch die Hoffnungen der Gäste wurden enttäuscht. Als bester Spieler des deutschen Teams sorgte Sebastian Keßler aus Köln mit Treffern in der 12. (Vorlage von Robert Pabst/Dresden), 24.(Vorlage von Uwe Kampermann/Bremen) und 44. (Pabst) Minute für einen klaren Vorsprung des deutschen Teams.

Zusammen mit dem Treffer von Udo Segreff aus Hannover in der 16. Minute (Vorlage Keßler) ergab sich zu jeder Zeit ein klar von den Deutschen dominiertes Bild. Auch der Treffer der Briten durch Dave Hull in der 39. Minute konnte den 4:1-Sieg nicht weniger gut aussehen lassen. Das etwa 250 Besucher zählende Publikum war begeistert. Die Spieler konnten der Begegnung gegen Estland am Sonntag gelassen entgegen sehen, war doch mindestens ein Drei-Tore-Sieg der Gegner notwendig, um die Deutschen die Fahrkarte zu den Paralympics abzunehmen.

Am Sonntag zeigte sich dann jedoch, dass der Favorit seiner Rolle gerecht werden sollte. Bereits nach 80 Sekunden Spielzeit fingen die Esten an, sich warm zu schießen. Knapp vier Minuten später fiel mit dem zweiten Treffer Estlands bereits die Vorentscheidung. Geschockt von den rasch aufeinanderfolgenden Toren fand das deutsche Team nicht zu seinem Spiel. Gegenüber Freitag schienen die Esten wie ausgetauscht und waren über die gesamte Spielzeit die deutlich bessere Mannschaft. Fünf weitere Male musste Torwart Frank Rademaker (Harsefeld) hinter sich greifen. Am Ende stand mit dem Ergebnis von 0:7 fest, dass Estland als Sieger des Qualifikationsturniers die Reise nach Salt Lake City im nächsten Jahr antreten wird.

„Viele gute und sehr gute Spieler hat die deutsche Mannschaft, am Zusammenspiel muss aber noch einiges verbessert werden“, kommentierte der Trainer der estländischen Mannschaft das Ergebnis. Dazu ist jetzt ausreichend Zeit, denn mit den Weltmeisterschaften 2004 ist erst das nächste Großereignis in Sicht.

Doch was hilft’s! Es muss weitergehen. Während die SLC-Fahrkarte Richtung Estland reiste, startete hierzulande bereits wieder der Liga-Betrieb.

Ebenfalls in Bremen traf der Bremer EC auf die Hannover Cannibals. Die Begegnung zwischen den beiden Teams entwickelte sich allerdings für die Gastgeber bereits im ersten Drittel zu einem Waterloo auf dem Eis. Nicht nur die Sturmreihe Bleidorn (Wedemark), Segreff (Hannover), Turan (Laatzen) setzte die Mannschaft aus der Hansestadt pausenlos unter Druck, auch Verteidiger Hattendorf (Immensen) und Lahrs (Schwarmstedt) schossen, was das Zeug hielt, auf die Bremer Box. Insgesamt 15 Mal musste Torhüter Paulsen im ersten Drittel den Puck aus dem Netz fischen.

Selbst rüde Fouls seitens der Bremer konnten die Hannoveraner Experten nicht aus der Reihe bringen. Mit insgesamt 35:0 Treffern stellten sie alle bisherigen Sledge-Eishockey-Ergebnisse in den Schatten. Gerd Bleidorn

Erschbaumer Verlag. Outrun – das Sportmagazin. Alle Rechte vorbehalten/All rights reserved

Das könnte Dich auch interessieren:

Vico Merklein will noch mehr

Ein großer Kämpfer, der längst noch nicht satt ist

Vico Merklein nimmt nach dem emotionalen Gold-Triumph von Rio und schmerzhaften Schulterproblemen die Paralympics in Tokio 2020 ins Visier. Die Saison im Para Radsport steht vor der Tür – und damit ein Jahr mit Weltcups, den deutschen Meisterschaften und schließlich … Weiterlesen

Andrea Eskau

Forschen und sich fordern

Langläuferin, Biathletin und Handbikerin Andrea Eskau ist im Winter wie im Sommer eine Ausnahmeathletin. Das liegt nicht nur an ihrem großen Talent und dem enormen Ehrgeiz, sondern auch an der Bereitschaft, immer Neues auszuprobieren. Die mehrfache Paralympics-Siegerin erforscht den Sport, … Weiterlesen


Rollstuhl-Curling

Traum von Pyeongchang geht in Erfüllung

„Uns kann keiner mehr in die Quere kommen“, freut sich Cheftrainer Bernd Weißer. Denn jetzt steht fest: Die deutsche Rollstuhlcurling-Nationalmannschaft wird definitiv an den Paralympischen Spielen 2018 in PyeongChang teilnehmen. Acht Jahre nach den Spielen von Vancouver geht damit der … Weiterlesen

China wieder weit vorn

Nationenwertung bei den Paralympics 2016 in Rio de Janeiro

An den Paralympics 2016 in Rio de Janeiro nahmen rund 4350 Sportler und Sportlerinnen aus rund 170 Ländern teil. In 23 Sportarten ging es in 528 Medaillenentscheidungen um Gold, Silber und Bronze. Das deutsche Team, das den sechsten Platz in der Nationenwertung … Weiterlesen


Rehm und Streng

Staffelhelden auch beim Weitsprung auf dem Podium

Markus Rehm hat bei den Paralympics im brasilianischen Rio de Janeiro Gold im Weitsprung der Klasse T44 gewonnen und damit seinen Erfolg von London wiederholt. Der 28-Jährige vom TSV Bayer 04 Leverkusen, der von Steffi Nerius trainiert wird, sprang im … Weiterlesen

Thomas Schäfer stürzt

Brachtendorf unterliegt im Zielsprint

Kerstin Brachtendorf hat zum Abschluss der Radsport-Wettbewerbe bei den Paralympics in Rio de Janeiro Platz 5 belegt. Im Straßenrennen der C4/5-Klasse über 72 Kilometer unterlag die im Zielsprint um Bronze der Britin Crystal Lane und Mariela Delgado aus Argentinien. Dabei … Weiterlesen


Gold mit der Kugel

Birgit Kober trotzt dem Verletzungspech

Birgit Kober hat bei den Paralympics im brasilianischen Rio de Janeiro im Kugelstoßen der Klasse F36 gewonnen und damit bei ihren zweiten Spielen die dritte Goldmedaille geholt. Die 45-Jährige vom TSV Bayer 04 Leverkusen, die nach den Spielen zu 1860 … Weiterlesen

Nochmal Silber mit Diskus

Buggenhagen beendet Karriere nach sieben Paralympics

Marianne Buggenhagen hat bei den Paralympics im brasilianischen Rio de Janeiro Silber im Diskuswurf der Klasse F55 gewonnen und damit bei ihren siebten Spielen wieder eine Medaille geholt. Der 63-Jährige vom PSC Berlin, die von Dr. Ralf Otto trainiert wird, … Weiterlesen


Diesmal im Weitsprung

Heinrich Popow holt seine zweite paralympische Goldmedaille

Heinrich Popow hat bei den Paralympics im brasilianischen Rio de Janeiro im Weitsprung der Klasse T42 gewonnen und damit nach Gold 2012 über die 100 Meter seine zweite Goldmedaille bei Paralympics gewonnen. Der 33-Jährige, der beim TSV Bayer 04 Leverkusen … Weiterlesen

Michael Teuber

Spitzenleistung ohne Lohn

Michael Teuber liefert bei den Paralymics ein starkes Straßenrennen, eine Medaille bleibt ihm jedoch versagt.Am Ende hatte Steffen Warias die Nase vorne und gewann das zusammengelegte Straßenrennen der Klassen C1 bis C3. Michael Teuber: „Gratulation an Steffen Warias zum Paralympicssieg … Weiterlesen