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IDM Schwimmen in Berlin

Elena Krawzow sorgt für zwei Weltrekorde

Vier Wochen am Stück verbrachte Elena Krawzow in Spanien. Doch statt Sommerurlaub stand ein Höhentrainingslager im höchsten Gebirge der iberischen Halbinsel, der Sierra Nevada, auf dem Programm. Das oberste Ziel: An der Topform feilen für die Paralympischen Spiele in Rio de Janeiro in knapp drei Monaten. Und da befindet sich die 22-jährige Schwimmerin bereits auf einem sehr guten Weg. Das hat Krawzow bei den Internationalen Deutschen Meisterschaften im Schwimmen eindrucksvoll bewiesen. Von Sierra Nevada ging es direkt ins schnelle Berliner Wasser – und dort sorgte die sehbehinderte Athletin vom Berliner Schwimmteam für mächtige Furore. Dem Weltrekord über ihre Paradedisziplin, die 100 Meter Brust, ließ sie eine weitere Weltbestzeit in ihrer Startklasse S13 über die nicht paralympische Strecke 50 Meter Brust folgen.

Elena Krawzow sorgte in Berlin für zwei Weltrekorde. Foto: DBS/ Ising

Elena Krawzow sorgte in Berlin für zwei Weltrekorde. Foto: DBS/ Ising

„Das Trainingslager war hart und anstrengend, ich habe daher gar nicht über irgendwelche Rekorde nachgedacht, sondern bin einfach geschwommen. Es kam total unerwartet für mich“, sagt Krawzow und fügt zufrieden hinzu: „Das gute Training hat sich offensichtlich bemerkbar gemacht.“ Und wie. Um mehr als eine Sekunde verbesserte die 22-Jährige ihre persönliche Bestzeit, mit der sie Anfang Mai bei den Europameisterschaften in Portugal knapp Gold geholt hatte. 1:16,23 Minuten – eine Kampfansage an die Konkurrenz. Und Elena Krawzow legt nach: „Ich werde mich nicht auf dieser Zeit ausruhen. Wir haben noch viel Arbeit vor uns.“ Damit meint sie ihren Coach Phillip Semechin, bei dem sie nach ihrem Umzug im September 2015 vom heimischen Nürnberg nach Berlin trainiert, und sich. „Ich habe großes Vertrauen zu ihm und noch nie so viel trainiert wie in den vergangenen Monaten. Dazu haben wir die Technik umgestellt. Die Kunst ist es, sich im Wasser durch die richtige Haltung so wenig wie möglich selbst zu bremsen“, erklärt Krawzow, die gebürtig aus Kasachstan stammt und erst mit elf Jahren nach Deutschland kam.

Meist hat sie zwei Einheiten am Tag, trainiert häufig sechs bis sieben Stunden für das große Ziel: nach Silber in London 2012 soll es in Rio möglichst Gold werden. Doch das werde ein interessanter Kampf, wie Krawzow sagt. „Meine Konkurrentinnen sind stark, ich weiß genau, dass sie jetzt noch härter trainieren werden. In Rio wird die Post abgehen.“ Ursprünglich war es das Vorhaben, den Weltrekord der Britin Rebecca Redfern bei den Spielen in Brasilien zu brechen und nach Gold zu greifen. „Jetzt will ich meinen eigenen Weltrekord unterbieten“, betont Elena Krawzow, die übrigens auf die Weltmeisterschaft 2015 verzichtete, um ihre Ausbildung zur Physiotherapeutin abzuschließen. Derzeit arbeitet sie in Teilzeit beim Berliner Schwimmteam und kümmert sich um den Nachwuchs. „Das ist sehr praktisch, da ich flexibel bin und die Termine gut um das Training verteilen kann“, so Krawzow. Damit der Fokus voll auf den Paralympics liegen kann.

Die IDM Schwimmen in Berlin war nicht nur für Elena Krawzow eine gelungene Generalprobe für die Spiele in Rio. Auch der mehrfachen Paralympicssiegerin Daniela Schulte gelang ein Weltrekord über 400 Meter Lagen (6:06,35), ebenso Torben Schmidtke über 200 Meter Brust, der als erster Schwimmer seiner Startklasse über diese Distanz mit 2:59,9 Minuten knapp unter drei Minuten blieb (beide Strecken nicht paralympisch). Darüber hinaus stellte Schmidtke über seine Paradestrecke 100 Meter Brust, über die er 2012 in London Silber gewann, einen neuen deutschen Rekord auf. „Endlich ist der Knoten geplatzt. Ich bin super glücklich“, freute sich der Schwimmer vom SC Potsdam. Auch Daniela Schulte (PSC Berlin) war nach schwierigen Monaten erleichtert: „Solche Resultate geben mir Auftrieb und viel Energie für das, was jetzt vor uns liegt.“

Torben Schmidtke glänzte über 200 Meter Brust. Als erster Schwimmer seiner Startklasse blieb er unter zwei Minuten. Foto: DBS/ Ising

Torben Schmidtke glänzte über 200 Meter Brust. Als erster Schwimmer seiner Startklasse blieb er unter zwei Minuten. Foto: DBS/ Ising

Insgesamt waren an den vier Wettkampftagen 468 Schwimmerinnen und Schwimmer aus 37 Nationen am Start. Neben deutschen Athleten von Jung bis Alt war auch die Weltelite zu Gast in Berlin. Die Bilanz von 37 Weltrekorden, 89 kontinentalen und 37 deutschen Rekorden unterstreicht das hohe Niveau und den stetigen Leistungszuwachs im paralympischen Spitzensport. Erfolgreichste Teilnehmer waren die Französin Élodie Lorandi (S10), die Russin Anna Krivshina (S13) sowie der Kolumbianer Carlos Daniel Serrano Zarate (SB7) mit jeweils drei Weltrekorden.

Dr. Karl Quade, Vizepräsident Leistungssport des Deutschen Behindertensportverbandes sowie Chef de Mission der Deutschen Paralympischen Mannschaft, zeigte sich auch in diesem Jahr von der Veranstaltung beeindruckt. „Die IDM Schwimmen begeistern mich jedes Jahr aufs Neue. Zum einen aufgrund der tollen sportlichen Leistungen sowohl in der Spitze als auch in der Breite, zum anderen freut es mich ganz besonders zu sehen, dass so viele junge Nachwuchsschwimmer hier an den Start gehen. Die hohe internationale Beteiligung zeigt, wie gut die Veranstaltung angenommen wird“, sagt Quade, der dem Behinderten- und Rehabilitations-Sportverband Berlin und allen Beteiligten ein großes Lob für die perfekte Organisation aussprach. Auch Bundestrainerin Ute Schinkitz war zufrieden: „Die IDM Schwimmen sind für unsere Arbeit extrem wichtig. Es ist ein internationaler Top-Wettkampf auf sehr hohem Niveau. Wir freuen uns neben den Weltrekorden auch sehr über die erreichten Rio-Normen von Daniel Simon und Henriette Schöttner sowie über die vielen tollen Leistungen unseres Nachwuchses, der in diesem Jahr eine deutliche Steigerung gezeigt hat.“

Die vier Wettkampftage in Berlin haben Lust gemacht auf die Paralympics in Rio de Janeiro – nicht nur bei Elena Krawzow, die weiter fleißig trainieren wird. „Vor mir liegt noch eine harte Zeit, aber da muss man durch. Ich weiß ja, wofür ich es tue“, sagt die 22-Jährige. Ein Wettkampf in der Schweiz, ein Trainingslager in der Türkei, die Leistungsdiagnostik in Berlin und dann geht’s wieder in die spanische Höhe in die Sierra Nevada – um im September in Brasilien den eigenen Weltrekord anzugreifen. Kevin Müller

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