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Rollstuhl-Rugby

EM-Bronze und Quali für Athen

Was hat die deutsche Nationalmannschaft im Rollstuhl-Rugby noch auf der Pfanne? Diese Frage schwirrte vor der EM im belgischen Lommel in den Köpfen vieler herum. „Einiges“, sollte am Ende die Antwort lauten. Denn die Mannschaft um Trainer Haiko te Neues sicherte sich die Bronzemedaille. Noch besser allerdings schnitten die belgischen Legionäre des deutschen Rugby-Oberhauses vor heimischer Kulisse ab.

Bei der EM vor vier Jahren wäre die deutsche Nationalmannschaft im Rugby noch für eine Sensation in Form des Titels gut gewesen. Am Ende kam ein beeindruckender zweiter Platz heraus, und die Gewissheit, keinen Gegner in Europa bedingungslos fürchten zu müssen. Dagegen sahen die Erwartungen für die 4. Europameisterschaft im belgischen Lommel für die Jungs um Coach Haiko te Neues schon anders aus.

Zwölf Spieler, Team-Manager, Co-Trainer und drei Begleitpersonen wurden von dem Cheftrainer zu einer als äußerst schwierig angesehenen Aufgabe berufen, und die hieß Paralympics-Qualifikation. Nach zwei Trainingseinheiten vor Ort ging es im Eröffnungsspiel der Deutschen gegen Polen, wo nach einer 7:0- und 12:1-Führung alle Spieler zum Einsatz kamen und das Spiel ohne Mühe gewonnen wurde.

Im zweiten Spiel, das noch am selben Tag absolviert wurde, trafen die Deutschen dann auf die bis in die Haarspitzen hochmotivierten Österreicher, die bis zum 3. Viertel mit 25:25 Paroli boten. Dass es schließlich kein enger Sieg für die te Neues-Jungs wurde, lässt auf die gute konditionelle Verfassung der deutschen Mannschaft schließen. Sie drehten im letzten Viertel noch einmal ordentlich auf und gewannen ebenso verdient wie souverän mit 42:34.

Der zweite Tag des Turniers begann aus deutscher Sicht genauso schön, wie der erste geendet hatte: Die irischen Gegner wurden mit 59:11 deklassiert, ein fast schon zu leichter Sieg, bevor man am Nachmittag auf den Titelaspirant England traf. Willkommen also in der Realität. Zwar waren die Briten geschwächt durch die Ausklassifizierung ihres Top-Spielers Jon Lilley, aber für die deutschen Spieler war diese Mannschaft kurzum einen Tick zu clever und trotz vorheriger Videostudien wurde das Spiel knapp mit 34:38 verloren.

Nun musste also im letzten Poolspiel gegen Holland ein Sieg her, um die Chance einer Platzierung unter den letzten Vier zu wahren. Wieder einmal zeigte sich, dass die Teams gegen Deutschland besonders motiviert zu Werke gingen und es wurde das erwartet schwere Kampfspiel, in dem Geduld und konzentriertes Arbeiten gefragt war. 10:10 nach dem ersten Viertel und sogar ein Rückstand von zwei Punkten (17:19) in der Halbzeit warfen die deutsche Mannschaft nicht aus der Bahn.

Als Glücksgriff, wenn auch mit etwas Risiko verbunden, stellte sich die Einwechslung des nachnominierten Salih Köseoglou aus Heidelberg heraus, der das Spiel fast im Alleingang drehte. Durch seine Wendigkeit, Zweikampfstärke und sagenhafte Abwehrarbeit riss er das ganze Team mit und das Spiel (32:31) und somit der zweite Gruppenplatz ging an die Deutschen.

Im Crossover-Spiel um den Finaleinzug ging es gegen den belgischen Gastgeber und vierten der Weltrangliste. Zwar fühlten sich die Deutschen anfangs gut eingestellt, dennoch musste man von Anbeginn einem Rückstand hinterher hecheln, den man einfach nicht mehr einholen konnte.

Mit fünf Toren Differenz und einer schwachen 3-2-2-1-Linie ging das Spiel mit 38:43 an Belgien. Somit ging es um Platz drei und vier gegen die Turnierüberraschung Dänemark, die Schweden und Schweizer geschlagen hatten. Im Crossover gegen England hatten sie aber keine Chance und sparten ihre Kraft für das entscheidende Spiel um Platz drei, der zur Qualifikation für die Paralympics 2004 in Athen reichen sollte.

Das Trainergespann te Neues und Heiko Striehl warnte sein Team ausdrücklich, das Spiel auf die leichte Schulter zu nehmen, die Dänen drehten denn auch tatsächlich sofort auf und führten zur Halbzeit mit 14:12. Als riesigen Rückhalt der Mannschaft zeigte sich einmal mehr der starke Köseoglou und Jörg Holzem, hoffnungsvoller Nachwuchsspieler aus Koblenz. Zusammen mit dem Topscorer aus Sydney, Wolfgang Mayer, wurde das Spiel in letzter Minute durch einen Heltball von Mayer gedreht und mit einem Fast-Break von Köseoglou mit zwei Toren gewonnen. Das spannende Finale gewann England mit einem Tor Vorsprung gegen Belgien. Striehl/Erschbaumer

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