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Goalball

Erste WM-Medaille seit 28 Jahren

Die deutschen Goalballer gewinnen sensationell Silber bei den Weltmeisterschaften und qualifizieren sich als erste Mannschaft für die Paralympics in Tokio 2020.

Mit dem Gewinn der Silbermedaille ist für die deutschen Goalballer in Malmö eine lange internationale Durststrecke zu Ende gegangen. Foto: Ryol Chikawa

Vor den Paralympischen Spielen 2016 musste die deutsche Goalball-Nationalmannschaft lange um das Ticket nach Rio de Janeiro bangen und rutschte erst als letztes Team ins Teilnehmerfeld. Diesmal herrscht frühzeitig Gewissheit. Die Auswahl des Trainerduos Johannes Günther und Stefan Weil war die erste Mannschaft, die sich für die Spiele in Tokio 2020 qualifiziert hat. Der Grund: Deutschland landete bei der WM im schwedischen Malmö sensationell auf Platz zwei. Silber gewonnen, Vize-Weltmeister und das Ticket zu den Paralympics in Japan in der Tasche – die Freude beim deutschen Team ist riesig.

Es ist die erste Medaille bei einer Goalball-Weltmeisterschaft für die deutschen Herren seit 28 Jahren. 1990 gewann Deutschland den WM-Titel, diesmal Silber. „2015 sind zwei der drei Spieler aus der Startformation Jugend-Weltmeister geworden, drei Jahre später werden wir Vize-Weltmeister bei den „Großen“, das ist unglaublich. Ich bin total stolz auf die Mannschaft“, sagt Johannes Günther und fügt an: „Wir haben Paralympics-Sieger Litauen hinter uns gelassen, haben mit den USA den Silbermedaillengewinner von Rio bezwungen und bei der WM nur Niederlagen gegen Brasilien kassiert.“

Zehn Spiele in sechs Tagen absolvierte das deutsche Team – nicht nur sportlich ein straffes Programm, sondern auch mental. Doch die junge Mannschaft des Trainerduos Johannes Günther und Stefan Weil fokussierte sich immer wieder und unterstrich eindrucksvoll die tolle Entwicklung der vergangenen Jahre. So war es nur der amtierende Weltmeister Brasilien, der Michael Feistle, Oliver Hörauf, Thomas Steiger und Co. noch die Grenzen aufzeigen konnte – in der Vorrunde (3:6) und beim 3:8 im Finale. In beiden Duellen blieben die Deutschen eine Halbzeit lang auf Augenhöhe, lagen in der Gruppenphase sogar mit 3:2 vorne und hielten im Endspiel ein 3:3 zur Pause. „Doch gerade Leomon Silva hat für Brasilien den Unterschied gemacht. Er hat nochmal eine höhere Qualität und wir konnten seine Würfe nicht dauerhaft verteidigen“, resümiert Johannes Günther. So erzielte Silva im Finale sieben der acht brasilianischen Treffer.

Natürlich hätte das deutsche Team das Endspiel gerne für sich entschieden, doch gab es nach dieser WM keinerlei Grund für Enttäuschung. Im Gegenteil: „Wir haben ein geiles Turnier gespielt, uns als Team perfekt ergänzt und einige Ausrufezeichen gesetzt, etwa beim 13:7 gegen die USA, beim 14:4 gegen den Iran oder beim 8:0 gegen China. Die Medaille um den Hals ist groß und schwer, aber sie fühlt sich verdammt gut an“, sagt Michael Feistle. Nicht nur der Jubel über das Edelmetall war groß. Besonders nach dem 10:5-Sieg im Halbfinale über Belgien und einem über weite Strecken hochklassigen und spannenden Duell ließ das deutsche Team den Emotionen freien Lauf. Denn: Mit dem Einzug ins Finale war das Ticket nach Tokio 2020 gelöst – und Spieler wie Trainer hüpften über das Spielfeld und lagen sich in den Armen. „Ich habe die Paralympics einmal miterlebt und es war klar, dass ich da unbedingt wieder hin will. Die Vorfreude ist schon jetzt riesig“, betont Feistle. Cheftrainer Günther ergänzt: „Wir haben uns dieses Mal nicht durch Zufall durch die Hintertür qualifiziert, sondern schon gut zwei Jahre vorher als erste Mannschaft.“

Doch bevor es 2020 definitiv zu den Spielen nach Japan gehen wird, steht auch im nächsten Jahr ein richtiges Highlight auf dem Programm: die Europameisterschaften in Rostock im Oktober 2019. Nach der Vize-Europameisterschaft 2017 und der Vize-Weltmeisterschaft 2018 darf man gespannt sein, was das deutsche Team vor heimischer Kulisse erreichen wird. „Wir wissen inzwischen um unsere Stärken, aber auch, welche Hausaufgaben wir noch haben. Und daran werden wir weiter arbeiten“, sagt Michael Feistle. Fest steht: Die deutsche Goalball-Nationalmannschaft befindet sich auf einem hervorragenden Weg – und Silber bei der EM 2017 war kein positiver Ausrutscher nach oben, sondern ein Ergebnis akribischer Arbeit. Genau wie die Vize-Weltmeisterschaft und die Qualifikation für die Paralympics.

Die deutsche Goalball-Nationalmannschaft bei der WM in Malmö: Michael Feistle (25, Düren, SSG Blista Marburg), Oliver Hörauf (21, Bautzen, BFV Ascota Chemnitz), Thomas Steiger (21, Ellwangen, BVSV Nürnberg), Reno Tiede (28, Rostock, RGC Hansa Rostock), Stefan Hawranke (33, Zittau, SSV Königs Wusterhausen), Felix Rogge (29, Neubrandenburg, BFV Ascota Chemnitz).

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