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Langlauf und Biathlon

Finnland vor Augen, die Heim-WM im Hinterkopf

Der finnische Wintersportort Vuokatti ist ab Freitag, 9. Dezember 2016, eine Woche lang Schauplatz für die ersten Rennen der neuen Weltcup-Saison im Langlauf und Biathlon für Sportlerinnen und Sportler mit Behinderung. Das Nordic Paraski Team Deutschland ist bei den Wettkämpfen des Internationalen Paralympischen Komitees (IPC) mit acht Athleten am Start. Ihr gemeinsames Ziel: sich mit einem guten Auftakt Rückenwind holen für den großen Höhepunkt des Winters, die Weltmeisterschaften im eigenen Land Mitte Februar 2017.

Anja Wicker freut sich auf die Weltmeisterschaften im bayerischen Finsterau. Foto: Ben Schiller/DBS

Anja Wicker freut sich auf die Weltmeisterschaften im bayerischen Finsterau. Foto: Ben Schieler/DBS

Definitiv zu den Medaillenanwärtern zählen wird dann Martin Fleig vom Ring der Körperbehinderten Freiburg. In der vergangenen Saison sammelte der 27-Jährige fleißig Podiumsplätze und landete im Biathlon-Gesamtweltcup auf Rang zwei. „Seine Entwicklung ist gewaltig“, sagt Bundestrainer Ralf Rombach. In Abwesenheit des russischen Verbands, der aufgrund von Verstößen gegen den Welt-Anti-Doping-Code gesperrt ist, gehört Fleig in Vuokatti zu den Siegkandidaten. „Ich denke, ich habe meine Hausaufgaben im Sommer gemacht“, erklärt der Gundelfinger selbst.

Seine Zuversicht teilen die meisten Deutschen. Die Vorbereitung lief gut, auch wenn die Konkurrenz traditionell mehr Schneekilometer sammeln konnte. Für Anja Wicker vom MTV Stuttgart etwa boten einzig die fünf Tage des finalen Trainingslagers im italienischen Livigno Ende November die Chance zum Feintuning auf dem weißen Untergrund. „Aber damit muss ich leben“, sagt die 24-jährige Paralympicssiegerin im Biathlon von 2014.

Mit einer Mischung aus Ge- und Entspanntheit reist derweil Vivian Hösch nach Finnland. Die 25 Jahre alte Sportlerin vom Ring der Körperbehinderten Freiburg zeigt sich nach einer Ernährungsumstellung in vielversprechender Form. „Vivian hat im Ausdauerbereich sehr gut gearbeitet“, lobt Ralf Rombach. Hösch und ihr Guide Florian Schillinger (SV Baiersbronn) wollen an die Erfolge der Vorsaison anknüpfen, als sie im Biathlon Dritte des Gesamtweltcups wurden.

Zweite deutsche Starterin in der Klasse der Sehbehinderten ist Clara Klug (PSV München). Die 22-jährige Studentin hat über den Sommer eisern an ihrer Ausdauer gearbeitet und fühlt sich „so fit wie noch nie“. Das imponiert dem Bundestrainer. „Sie war sehr fleißig und konsequent.“ Da Klugs Trainer und Begleitläufer Martin Härtl für Vuokatti noch verletzungsbedingt ausfällt, springt Florian Grimm (SSV Niedersonthofen) ein, 2010 in Vancouver Goldmedaillengewinner als Guide von Willi Brehm. „Er hat sich sofort bereiterklärt. Dafür können wir uns nur bedanken“, sagt Rombach.

Eine erneute Steigerung im Vergleich zu den Vorjahren erhofft sich der Coach auch von Nico Messinger (Ring der Körperbehinderten Freiburg). Im Sondertrainingslager in Norwegen absolvierte der 21-Jährige fleißig Kilometer auf Schnee. „Die Bedingungen waren traumhaft.“ Für Messinger bietet sich in Vuokatti die Chance, sich ohne die starke russische Konkurrenz an die vorderen Plätze heranzuschieben. Begleitet wird er in Finnland von Lutz Klausmann (SV St. Georgen).

Ebenfalls im Trainingslager in Norwegen mit dabei waren Marco Maier (16, SK Nesselwang) und Steffen Lehmker (27, SV Kirchzarten) aus dem Nachwuchsbereich des Teams. Für beide gilt es, weitere Erfahrungen im Weltcupzirkus zu sammeln. Der aus Bad Bevensen in Niedersachsen stammende Lehmker arbeitete vor seiner überhaupt erst zweiten Saison vor allem im technischen Bereich, der Allgäuer Maier gilt als große Hoffnung für die Zukunft.

Komplettiert wird das deutsche Team in Finnland von Nadia Schumacher. Die 39-jährige Handbike-Spezialistin vom VSV Würzburg wird in Vuokatti erstmals Weltcupluft im Langlauf schnuppern. Die Reise nicht mit antreten werden dagegen Andrea Eskau (USC Magdeburg) und Max Hauch (SK Nesselwang), der den kompletten Winter verpassen wird. „Das ist sehr bedauerlich“, betont Rombach. „Wir hoffen, dass Max bald wieder zurückkommt.“

Im Falle von Andrea Eskau rechnet der Bundestrainer derweil mit einem Einstieg in die Saison beim zweiten Weltcup Mitte Januar im ukrainischen Western Center. Die 45-Jährige begann nach Gold und Silber bei den Paralympischen Spielen von Rio de Janeiro verspätet ihre Vorbereitung auf den Winter. Für Eskau, eine der herausragendsten deutschen Behindertensportlerinnen der vergangenen Jahre, ist spätestens die Weltmeisterschaft 2017 ein Pflichttermin.

Denn vom 11. bis 19. Februar trifft sich die Weltelite in Finsterau im Bayerischen Wald. Beim Weltcup im vergangenen Februar gab es einen Vorgeschmack auf das, was die Athletinnen und Athleten im Skistadion der Gemeinde Mauth erwartet – und das bevorstehende Heimspiel elektrisiert das deutsche Team schon jetzt. „Auf diese WM“, sagt Anja Wicker, „ist alles ausgerichtet.“ Kevin Müller

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