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34-Jährige knackt Weltrekord

Franziska Liebhardt stößt Kugel zu Gold

Franziska Liebhardt hat bei den Paralympics im brasilianischen Rio de Janeiro Gold im Kugelstoßen der Klasse F37 gewonnen und damit ihre eigenen Erwartungen erfüllt. Die 34-Jährige, die beim TSV Bayer 04 Leverkusen von Steffi Nerius trainiert wird, stieß die Kugel mit Weltrekord auf 13,96 Meter und ließ ihre chinesische Konkurrentin Na Mi hinter sich, die 2008 und 2012 jeweils die Paralympics gewonnen hatte. Bronze ging an die Tschechin Eva Berna mit 11,23 Metern.

 Franziska Liebhardt hat im Kugelstoßen die Goldmedaille gewonnen. Foto: Ralf Kuckuck/DBS


Franziska Liebhardt hat im Kugelstoßen die Goldmedaille gewonnen. Foto: Ralf Kuckuck/DBS

Liebhardt sagte glücklich: „Beim Einstoßen ging schon einer richtig weit, und es war auch die Taktik, gleich im ersten einen rauszuhauen, um die Chinesin zu beeindrucken. Dass es dann 13,96 Meter werden, hatten wir nicht auf der Rechnung. Die Chinesin war im Callroom schon unglaublich nervös, da habe ich gemerkt, dass sie ihrer Sache heute nicht so sicher ist, weil sie ja eigentlich immer alles gewonnen hatte.“

Liebhardt, die sich mit 13,82 Metern im Mai den Weltrekord geschnappt hatte und auch Europameisterin ist, zeigte von Anfang an, dass sie sich den Sieg fest vorgenommen hatte: Gleich im ersten Versuch landete ihre Kugel bei 13,96 Metern – Weltrekord. Mi, die bei den Weltmeisterschaften in Doha noch weiter als Liebhardt gestoßen hatte, konterte zwar direkt mit 13,73 Metern und Asienrekord, danach kam aber nicht mehr viel von ihr. Liebhardt konnte ihre Freude kaum in Worte fassen: „Ich bin total durch den Wind, ich kann es noch gar nicht so richtig glauben. Ich habe mich immer gedacht, dass die noch kontert, dass sie mir vor dem letzten Versuch noch einen vor den Latz haut.“

Trotz einiger kleinerer Verletzungen und einem Ermüdungsbruch im Becken endete die Kugelstoß-Saison für die Kinderphysiotherapeutin optimal. Seit sie bei Steffi Nerius trainiert, konnte sie ihre Bestleistung von 10,90 Metern aus kontinuierlich steigern, nur die 14-Meter-Marke wollte in Rio nicht fallen. „Das stört mich jetzt aber nicht, schließlich habe ich paralympisches Gold. Als ich vor zwei Jahren nach Leverkusen gezogen bin, gab es für mich nur volle Pulle, aber da haben wir noch gar nicht über Medaillen gesprochen. Ich habe mich entschlossen, alles zu investieren, aber dass das heute so belohnt wird, hätte ich nie gedacht. Ich habe mich unter Steffi so super entwickelt, die Medaille geht auch zu einem großen Prozentsatz an sie.“

Trainerin Steffi Nerius, die mit Markus Rehm vor Ort war, hatte Tränen in den Augen und genoss den Moment sichtlich: „Gerade Markus und Franzi liegen mir besonders am Herzen. Ich bin so glücklich, dass sie sich ihren Traum erfüllen konnte, einmal bei Paralympics dabei zu sein und dann auch noch Gold – das ist der Wahnsinn.“

Liebhardt, die aufs Siegerpodest tänzelte, hatte vor ihrem Flug nach Rio auch nichtsportliche Ziele formuliert: Das erhöhte Interesse an ihrer Person wollte sie nutzen, um auf ihre „Herzenssache Organspende“ hinzuweisen, für die sie sich seit einigen Jahren einsetzt. 2005 wurde eine Autoimmunerkrankung bei ihr diagnostiziert, eine Nieren- und eine Lungentransplantation ermöglichten es ihr, weiterzuleben. „Ich möchte das gar nicht groß aufbauschen. Aber das Bild der Organspende ist nicht so positiv behaftet in Deutschland, dem möchte ich entgegenwirken. Wenn nur zehn Leute einen Spenderausweis ausfüllen, hat sich das schon gelohnt.“

Nach dem Weitsprung-Wettkampf morgen um 11.05 Uhr (Rio-Zeit) wird sie dann ihre Karriere beenden: „Ab Januar werde ich in mein altes Leben in Würzburg zurückkehren und mich um Freunde und Familie kümmern, die in den letzten zwei Jahren viel zurückstecken mussten.“

Die Feier fällt wegen des Weitsprungs daher kleiner aus: „Ich habe schon die Ansage, heute ins Bett zu gehen. Es wäre schön, wenn morgen im Weitsprung auch eine Medaille rausspringt, aber da kann alles passieren. Wenn es dann noch persönliche Bestleistung wird, wäre das ein mega Abschluss für mich.“ Markéta Marzoli

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