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Gold im Kugelstoßen

Frederike Koleiski überrascht alle

Mit dem letzten Wurf Bronze vergoldet: Frederike Koleiski hat bei den Para-Leichtathletik-Weltmeisterschaften überraschend für den sechsten deutschen Weltmeistertitel gesorgt und mit persönlicher Bestleistung in der Klasse F44 gewonnen. Nach einer emotionalen Achterbahnfahrt kullerten die Freudentränen – für die 29-Jährige ist es der größte Erfolg ihrer Karriere. Und es unterstreicht, dass auf die deutschen Kugelstoßer Verlass ist.

Frederike Koleiski brachte es im letzten Versuch zu Gold. Foto: Kevin Müller

„Frede, komm jetzt, hau’ mal einen raus“, schallte es immer wieder von den Sitzplätzen, auf denen die deutsche Mannschaft saß. Die Kugelstoß-Weltmeister und Paralympics-Sieger Sebastian Dietz und Niko Kappel pushten ihre Teamkollegin, Trainer Alexander Holstein sowieso. Sie alle wussten, dass Koleiski es besser kann, nachdem sie mit 9,28 Metern, 10,17 Metern und 10,47 Metern verhalten in den Wettkampf gestartet war. „Da habe ich mich gefragt, was ich eigentlich für einen Mist mache, was passiert da? Ich kann es doch viel besser und war einfach nur verzweifelt“, sagte die 29-Jährige von Eintracht Duisburg, schließlich hatten die Chinesinnen Juan Yao und Yue Yang deutlich über elf Meter gestoßen.

„Ich habe geweint, weil es so schön ist“

Doch im letzten Versuch schockte Koleiski die Konkurrenz mit ihrem Stoß auf 11,53 Meter, verbesserte ihre eigene Bestweite um 28 Zentimeter und kletterte von Rang drei ganz nach oben. Als die Chinesinnen nicht kontern konnten, war die Sensation perfekt: „Es war so befreiend. Auf einmal stand ich da, hab geguckt und war Weltmeisterin. Ein Lebenstraum geht in Erfüllung. Ich kann es noch gar nicht glauben. Ich habe auch gerade geweint, weil es so schön ist.“

Die Psychologie-Studentin Frederike Koleiski überraschte alle mit ihrer Leistung in London. Foto: Kevin Müller

Für Koleiski, die an der Fernuniversität Hagen Psychologie studiert und zudem beim Behinderten- und Rehabilitations- sportverband Nordrhein-Westfalen arbeitet, war es drei Tage nach ihrem für sie enttäuschenden vierten Platz im Diskuswerfen der größte Erfolg ihrer Karriere, nachdem sie 2015 in Doha (Katar) mit Bronze ihre erste Medaille gewonnen hatte.

Im Jugendbereich war sie als Kugelstoßerin im Leichtathletik-Bundeskader bei den Nichtbehinderten, hörte dann aber wegen ihres Studiums mit dem Leistungssport auf. 2011 wurde eine Autoimmunerkrankung festgestellt. In ihrer Funktion als Trainerin bei Eintracht Duisburg ermunterte sie Ende 2014 ihr Vater im Trainingslager, wieder eine Kugel in die Hand zu nehmen – und Koleiski fand fortan wieder zum aktiven Sport. Nun also Weltmeisterin. Und im Moment des Titelgewinns dachte die Duisburger Jugendtrainerin auch sofort wieder an ihre Athleten: „Es ist vergleichbar, wenn sie Erfolge haben, weil in beidem so viel Herzblut steckt. Die ganze Arbeit, die man mit den Kids verbindet – vielleicht ist es sogar noch schöner, wenn sie das dann umsetzen können.“ In Zukunft will die Weltmeisterin noch mehr am Diskuswerfen feilen. Denn 2020 in Tokio wird Kugelstoßen voraussichtlich in ihrer Startklasse nicht im Programm sein, „und ich möchte ja noch meine paralympische Medaille.“ Frederike Koleiski, frischgebackene Überraschungs-Weltmeisterin, doch die nächsten Ziele hat sie bereits im Blick.

Damit hat das deutsche Team von Bundestrainer Willi Gernemann nach acht von zehn Wettkampftagen sechs Mal Gold, fünf Mal Silber und vier Mal Bronze. Am Samstag gibt es gleich mehrere Podest-Chancen: Juliane Mogge und Frank Tinnemeier im Kugelstoßen sowie Lindy Ave (100 Meter) und Johannes Floors (200 Meter) könnten die Medaillenbilanz der Deutschen Paralympischen Mannschaft weiter aufbessern. Die Para-Leichtathletik-WM in London ist mit rund 1100 Athletinnen und Athleten aus 95 Nationen und über 280.000 verkauften Tickets das bisher größte Event im Para-Sport neben den Paralympics. Kevin Müller

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