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Junges deutsches Team erkämpft sich Rang vier und großen Respekt

Goalballer steigen in den A-Pool auf

Die deutschen Goalballer haben bei den Europameisterschaften des Pool B im dänischen Assens den Aufstieg in die A-Klasse geschafft. Und auch die Paralympics 2012 sind wieder greifbar.

Zehn Mannschaften hatten neben den Medaillenrängen die Möglichkeit, sich einen der vier Aufstiegsplätze in den Pool A zu erspielen. Eine zusätzliche Spannung versprach die Tatsache, dass die drei Letztplatzierten in den Pool C absteigen würden.

Die deutsche Goalball-Nationalmannschaft der Herren war nach dem belegten 8. Platz bei der EM des Pool A in München 2009 abgestiegen und ist mit dem Ziel des Wiederaufstieges nach Assens angereist. Obwohl das deutsche Team mit Christian Friebel, Felix Rogge, Martin Burkhardt, Reno Tiede, Stefan Hawranke und Tobias Vestweber eines der jüngsten weltweit ist (das Durchschnittsalter liegt bei 21,2 Jahren), durfte man nach dem erstarkten Auftritt bei der WM in Sheffield/England im Juni 2010 doch mit es als Favoriten rechnen.

Die Mannschaft von Johannes Günther und Stefan Weil konnte mit drei Siegen gegen Russland (13:4), Israel (12:2) und Großbritannien (7:0) sowie einer Niederlage gegen Finnland (3:9) neun Punkte aus der Vorrunde mitnehmen und als Zweitplatzierter der Gruppe 2 in das Viertelfinale einziehen.

Ein über sich hinauswachsendes bulgarisches Team ließ gegen die defensiv starken Deutschen wohl das dramatischste Spiel des Turniers Gestalt annehmen. Die Halbzeit ließ mit einem 1:1 noch keine Tendenzen erkennen. Auch die zweite Halbzeit war nach einem 2:1-Treffer für Deutschland noch nicht entschieden. Die Bulgaren konnten drei Minuten vor Schluss ausgleichen. Jede Mannschaft erhielt in den letzten 35 Sekunden einen Penalty, welcher beide nicht zum jeweils erhofften Sieg-Treffer verhalf. Erst in der ersten Halbzeit der Verlängerung erzielte Martin Murkhardt das für die deutsche Mannschaft erhoffte „Golden-Goal“.

Letztlich standen sich Dänemark und Deutschland sowie Finnland und Türkei im Halbfinale gegenüber. Den 2:1-Pausenstand konnte Deutschland in der 2. Halbzeit auf ein 3:1 ausbauen. Dänemark hatte jedoch das Glück auf seiner Seite und drehte das Spiel auf ein 3:4. Ein Protest der Deutschen gegen recht zweifelhafte Schiedsrichterentscheidungen änderte, wegen der Ablehnung desselben, am Turnierverlauf nichts. Finnland hingegen entschied das zweite Halbfinale mit 10:0 klar für sich. Parallel dazu war ein verbittertes Spiel um den Nichtabstieg zwischen Israel und Russland zu beobachten. Israel verlor 8:9 und stand als dritter Kandidat für den C-Pool fest.

Im Spiel um Platz drei wurden die Deutschen auf dem falschen Fuß erwischt. Das knappe und umstrittene Spiel gegen Dänemark im Halbfinale saß dem jungen Team in den Knochen, so dass dieses das Spiel mit 2:7 aus der Hand gab. Die Goldmedaille wurde von Finnland souverän mit einem 13:4 erobert.

Letztlich können sich Finnland, Dänemark, Türkei und Deutschland über eine Qualifikation zur Teilnahme an der Europameisterschaft im Pool A in 2011 – erneut in Assens – freuen. Der Pool C wird durch Israel, Niederlande und Großbritannien bereichert.

Das junge Team aus Deutschland hat erneut Respekt geerntet und hohe Anerkennung erhalten. Mit diesem hoch emotionalen Turnier konnte die Mannschaft weitere wichtige Erfahrungen, Können sowie unvergessliche Momente für das Teamgefüge sammeln, um die noch vor sich liegende Zukunft im A-Pool – der europäischen Spitzengruppe – sowie weiteren Zielen in Richtung Paralympics erfolgreich zu bestreiten. Stefan Hawranke

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