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„Nobody`s perfect“ kommt ins Kino

Guck nich`so

Der Titel ist nicht gerade einfallsreich. Einen Film über Menschen mit der Conterganbehinderung „Nobody`s perfect“ zu nennen! Wer hat sich das nur ausgedacht?! Vermutlich war es Niko von Glasow selbst, Regisseur und Filmemacher mit viel zu kurzen Armen, um der Norm zu entsprechen. Sein Film kommt am 11. September 2008 in die Programm-Kinos.

Anstarren. Dürfen. Foto: Ventura-Film

Anstarren. Dürfen. Foto: Ventura-Film

Von Glasow war selber ein so genanntes Contergankind. Eine Contergankindheit hatte er nach eigener Erinnerung keine. In einem privilegierten Umfeld aufgewachsen, stets umgeben von netten und weltoffenen Menschen, bekam er lange Zeit nicht das Gefühl, anders oder gar behindert zu.

Er lernte von der Pike an das Filme machen: Nach dem Abitur Praktikum bei Rainer Werner Fassbinder; Filmstudium an der New York University und an der Filmhochschule Łódź. „Nobody`s perfect“ ist einer von mehreren Filmen, die er bis jetzt gemacht hat. Aber für ihn ist es ein besonderer Film, ein Stück weit Therapie sogar, denn der Film rückt das in den Fokus, was Niko von Glasow sonst gerne ausblendet. Seine Behinderung nämlich.

Handlung: Von Glasow sucht und findet elf Menschen, die wie er durch das Medikament Contergan geschädigt wurden, und bereit sind, sich nackt für einen Bildband fotografieren zu lassen.

Kim Morton. Foto: Ventura-Film

Kim Morton. Foto: Ventura-Film

Er will, dass die Zuschauer sich an ihren Anblick gewöhnen, sie sollen „davon wegkommen, uns wie Wesen von einem anderen Planeten zu sehen“. Und sicherlich wird es für viele Zuschauer auch so sein, dass sie mit diesem Film erstmalig die Möglichkeit haben, eine Person mit einer Conterganbehinderung anstarren zu dürfen und sozusagen diesem Bedürfnis nachzukommen. Dann vergessen sie bald möglicherweise die kurzen Arme und Beine, und wundern sich dann über die vielschichtigen Menschen, die sich daran befinden.

Die Hauptdarsteller sind allesamt Leute, die voll im Leben stehen. Viele haben interessante Berufe. So gibt es Stefan Fricke, der Astrophysiker geworden ist, oder die Sozialarbeiterin Sofia Pich. Auch die Weltklasse-Dressurreiterin Bianca Vogel ist dabei. Interessant wird es gerade dann, wenn man mehr über die Personen erfährt und mit ihrer Normalität konfrontiert wird. So kitzelt von Glasow aus dem Gärtner Theo heraus, dass er früher auch mal gerne Leute verkloppt hat. Und die Britin Kim Morton, professionelle Sängerin, Autorin und Bürgermeisterin, schämt sich nach den Geburten ihrer Kinder bei den Nacktaufnahmen für nichts mehr als für ihren, wie sie findet, zu dicken Bauch.

Der Film geht auch auf das Unternehmen Grünenthal und die Verantwortlichen des Contergan-Skandals ein, der sich in den 60er Jahren ereignete, und nimmt in dieser Hinsicht ein etwas naives Ende. Von Glasow sucht die Konfrontation, doch gelingt es ihm nicht, sie in dem Film auf Augenhöhe zu führen.

So wirkt er ein wenig wie ein Contergankind, das sich nicht besser zu wehren weiß. Kim Morton und auch der britische Schauspieler Mat Fraser dürften wohl mit dieser Stelle im Film auch ihre Probleme haben. Sie vermitteln beide den Eindruck, als sei das Selbstbewusstsein der britischen Contergangeschädigten weiter entwickelt als in Deutschland, was in einer starken Wehrhaftigkeit zum Ausdruck kommt. Und auf den Vorschlag von Glasow, den Gewinn des zum Fotoprojekt entstandenen Bildbandes einem guten Zweck zuzuführen, protestiert Fraser energisch. Er hätte das Geld lieber selbst behalten. Das karitative Gefasel ging ihm im Film gehörig auf die Nerven. Franco Erschbaumer

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