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1. Worldcup in Altenstadt

Handbiker erreichen nächsten Meilenstein

In Altenstadt bei Schongau hat jetzt der 1. Worldcup der Handbiker stattgefunden. Eine Generalprobe für die WM 2002 an gleicher Stelle, und ein wichtiger Meilenstein, um in vier Jahren in den Reigen der paralympischen Sportarten aufgenommen zu werden.

Genau genommen begann der 1. Handbike-Worldcup mit einem klassischen Fehlstart. Der Deutsche Andreas Schneider startete als erster im Einzelzeitfahren, wurde aber versehentlich zu früh auf die Piste geschickt. Glücklicherweise konnte Reiner Krippner, Präsident des Behinderten- und Versehrtensportverbandes Bayern, den Fahrer per Mikro wieder zurückrufen, ehe er hinter der ersten Biegung verschwand.

Jetzt musste sich Schneider auch noch beeilen, um rechtzeitig zu seinem zweiten Startversuch zur Rampe zurückzukehren. Die Stoppuhr war nicht mehr aufzuhalten und die Fahrer starten beim Einzelzeitfahren in exakten Abständen von zwei Minuten.

Doch es klappte, und danach lief alles wie am Schnürchen. Nicht nur für Andreas Schneider, der als einziger Teilnehmer der Klasse HC1 über die sechs Runden à 3,9 Kilometer einen 20er-Schnitt vorlegte. Eine beachtliche Leistung, zumal die Bedingungen an diesem Tag nicht gerade zu persönlichen Bestzeiten einluden. „Die Steigung war kein Problem, nur der Wind machte mir zu schaffen.“

In der Klasse HC2 gewann Hubert Fischer (52:45,2 Minuten) vor dem Franzosen Louis Brender (55:43,0), in der größten Klasse HC3 sicherte sich Oliver Bedow mit genau sechs Sekunden Vorsprung (37:13,2) vor dem Niederländer Johnny Luyten den Sieg. Bedow hatte noch am Abend zuvor sein neues Bike zusammengeschweisst, für die Feinabstimmung der Sitzposition blieb am Morgen kaum Zeit. Schnellster Fahrer überhaupt aber war der Österreicher Johann Mayrhofer (36:04,2), der sich in der Kategorie HC4 klar von Harry Van Hout (Niederlande/37:56,3) und dem US-Amerikaner Scott McNeice (38:06,1) absetzte.

Wolfgang Petersen, Teamchef der deutschen Mannschaft und maßgeblicher Organisator des Worldcups, war schon vom ersten Rennen an mit den Leistungen seiner Jungs zufrieden. Respekt zollte er später der Leistung des Österreichers Mayrhofer: „Wir waren nicht in der Lage, an ihm ranzukommen. Den Sprung, den wir in der vergangenen Zeit gemacht haben, hat er auch gemacht.“

Insgesamt 56 Fahrerinnen und Fahrer nahmen an dem Worldcup teil. Darunter echte Topfahrer aus Frankreich, Holland, Österreich, Dänemark, der Schweiz und den USA. Igor Trubaischuk hat den weiten Weg von Israel auf sich genommen, um bei der Premiere in Altenstadt dabei zu sein. So hat das Event den Titel Worldcup durchaus zu recht getragen.

Es wäre keine echte bayerische Veranstaltung gewesen, wenn sich nicht alle zur Brotzeit und am Abend im Festzelt getroffen hätten, zu einem Maß und zünftiger Blasmusik, versteht sich.

Ein echter Höhepunkt und für die Zuschauer sehr attraktiv war das zweite Rennen des Worldcups, das Mannschaftszeitfahren. Hier machte das erste deutsche Team mit Oliver Bedow, Hartmut Goldapp, Hans-Albert Werkmann und Steffen Weigl in 1:04:11 Stunde das Rennen. Zunächst hatte die holländische Equipe in den ersten Runden ein Affentempo vorgelegt: Alfred Reintjes, Terry Mader, Johnny Luyten und Harry van Hout fuhren lange Zeit das dickste Blatt, doch fehlte die präzise Abstimmung untereinander; immer wieder taten sich weite Lücken zwischen den Fahrern auf, die unter kräftezehrender Anstrengung geschlossen werden mussten. Ihre Zeit: 1:04:33 Stunde.

Die Deutschen wirkten bis zum Ende homogen, obwohl sie mit Werkmann recht früh ihren vierten Mann verloren, der mit technischen Schwierigkeiten auf der Strecke geblieben war. „Wir waren fahrtechnisch das beste Team, und haben am besten harmoniert“, stellte auch Petersen im Anschluss fest.

Den dritten Platz belegte Deutschland II mit Thomas Wagner, Thomas Eggersglüß, Andreas Jürgeleit und Tobias Knecht in bereits deutlich abgeschlagenen 1:08:44. Dahinter die Teams aus Österreich, der Schweiz und Frankreich.

Im anschließenden Straßenrennen, der letzten Disziplin des Worldcups, gewann wieder und dann auch erwartungsgemäß Johann Mayrhofer. In der offenen Klasse siegte der deutsche Handbike-Pionier Errol Marklein vor dem dänischen Nachwuchsfahrer Jesper Bang.

Für die Veranstalter war der Worldcup eine gelungene Generalprobe für die WM, die 2002 nach Altenstadt geholt werden, und wieder mit Unterstützung der Bundeswehr unter Leitung von Ingo Knoike, abgehalten werden soll. Schon fürs nächste Jahr sind weitere Premieren im Handbike-Sport geplant. „Es soll in der kommenden Saison eine europaweite Serie stattfinden, jeden Monat ein Rennen in einem anderen Land“, erklärt Wolfgang Petersen. Die Bezeichnung des Ganzen stehe zwar noch nicht fest, aber es hat den Charakter eines Europacups und könnte auch so heißen. Aufgrund der Ergebnisse ließe sich dann eine Europäische Rangliste erstellen.

Die Weltmeisterschaften in Altenstadt wären dann ein weiterer großer Meilenstein auf dem Weg zu den Paralympics, denn in Sydney wird Handbike lediglich als Vorführungswettbewerb zu sehen sein. Das soll sich bis Athen 2004 freilich ändern. „Aber bevor eine Sportart paralympisch wird, muss sie sich als WM beweisen“, erklärt Petersen. Franco Erschbaumer      

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