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WM der Segler

Heiko Kröger in doppelter Mission

Für den mehrfachen Weltmeister Heiko Kröger geht es bei der anstehenden WM in Melbourne nicht nur um die Titelverteidigung, sondern auch um die Wiederaufnahme des Segelns ins Programm der Paralympischen Spiele 2024. Dass er jüngst zum Segler des Jahres 2015 gewählt wurde, deutet der behinderte Sportler auch als Zeichen für die wachsende Anerkennung der paralympischen Athleten.

"Unser Boot ist ein Gleichmacher", behauptet Heiko Kröger. Foto: Jacques Vapillon

„Unser Boot ist ein Gleichmacher“, behauptet Heiko Kröger. Foto: Jacques Vapillon

Da stand er nun auf der Bühne in Hamburgs historischem ‚Haus der Patriotischen Gesellschaft’. Der ‚Segler des Jahres 2015’: Heiko Kröger. Gerechnet hatte er mit dieser Auszeichnung nicht mehr unbedingt. So viele Jahre ist der 49-Jährige schon international dabei, gilt als weltweit erfolgreichster Segler mit einer Behinderung. Unzählige Titel hat er gewonnen, Gold bei den Paralympischen Spielen 2000 und Silber 2012. „Dass ich erst so alt werden musste, um diese Auszeichnung zu bekommen“, sagte der siebenfache Weltmeister, der zum Top Team des Deutschen Behindertensportverbandes gehört, bei der Ehrung. Im Scherz, natürlich. Aber ein ernster Hintergrund schwang schon auch mit.

Die Achtung vor den Leistungen der behinderten Sportler ist eben auch im Segeln erst in den vergangenen Jahren gestiegen – nicht zuletzt durch Krögers Erfolge. „Diese Auszeichnung setzt ein deutliches Zeichen für die Inklusion im Segelsport und gegen aktuelle Aktivitäten und Entscheidungen einzelner Verbände, die den Segelsport sogar aus den Disziplinen der Paralympics ausschließen wollen“, sagt Oliver Schwall, Geschäftsführer des Sailing Team Germany, das für die Vermarktung der deutschen Segelnationalmannschaft verantwortlich ist.

Schwall spielt auf die Entscheidung des Internationalen Paralympischen Komitees (IPC) an, Segeln aus dem Programm der Spiele in Tokio 2020 zu streichen. Demnach wären die Regatten in Rio 2016 die letzten. Im Anschluss daran sollen die Segler beim größten paralympischen Sportereignis der Welt nur noch Zuschauer sein. „Wir sind aus dem Programm gestrichen worden, weil Segeln weltweit offenbar nicht genügend Verbreitung hat“, erklärt Kröger. „Statt der geforderten 32 Nationen gab es bis zuletzt nur 27.“ Der kritische Athlet aus Ammersbek vor den Toren Hamburgs, der ohne linken Unterarm im Oberbergischen Waldbröl geboren wurde, macht für die Misere den Weltverband der behinderten Segler mitverantwortlich, der als Folge dieser Entscheidung mittlerweile aufgelöst und in den Segel-Weltverband integriert wurde. „Es wurde zu wenig geworben, der Verband hat geschlafen.“ Die Entscheidung über den Rauswurf des Segelns aufgrund der zu geringen Verbreitung sei auch deswegen völlig unverständlich, „weil ja pro Klasse bei den Paralympics nur 16 Nationen zugelassen sind“. Drei Bootsklassen werden gesegelt – auch bei der bevorstehenden WM in Melbourne vom 24. November bis 3. Dezember: Für einen, zwei und drei Segler.

Kröger segelt in der 2.4mR-Klasse, einem Ende der 1980er-Jahre entwickelten Einhand-Kielboot, das als unsinkbar gilt und ein ideales Sportgerät für inklusiven Sport ist. Durch diverse Anpassungsmöglichkeiten ist es für behinderte und nichtbehinderte Sportler gleichermaßen zu bedienen und mit gleichen Chancen im Wettkampf zu segeln. „Es gibt im 2.4mR inzwischen zahlreiche offene Wettbewerbe wie auf der Kieler Woche oder auch Weltmeisterschaften“, sagt Kröger, der in diesem Jahr Dritter bei der offenen WM geworden ist. „Unser Boot ist ein Gleichmacher, athletische und körperliche Eigenschaften sind nebensächlich, sämtliche Trimm- und Steuereinrichtungen befinden sich in unmittelbarer Nähe des Seglers und können mit wenig Kraft und Körpereinsatz bedient werden.“

Bei der nun anstehenden WM in Williamstown, einem Vorort von Melbourne, will Kröger seinen Titel aus dem Vorjahr erfolgreich verteidigen. Es geht aber auch darum, Fahrt aufzunehmen für ein Comeback des Segelns bei den Paralympischen Spielen 2024. „An der WM nehmen nun bereits 29 Nationen teil, es wird umfassend Werbung gemacht und es wird in Melbourne auch Charterboote für Segler geben, die kein eigenes haben“, sagt Kröger, „bis 2017 müssen wir die Zahlen hinbekommen, um für 2024 wieder aufgenommen zu werden. Ich glaube, es sieht gar nicht so schlecht aus“.

Und sollten die Spiele 2024 tatsächlich in Hamburg und in Kiel stattfinden, dann würde sich Kröger sogar überlegen, seine Leistungssportkarriere bis dahin fortzusetzen. Im Augenblick kann er nur bis 2016 planen, denn mit der anschließenden Streichung des paralympischen Status’ fällt auch seine Spitzenförderung weg.

Dem Segelsport aber bleibt Heiko Kröger auf jeden Fall erhalten. Heute schon versucht er beruflich, das inklusive Segeln in Segelclubs und Schulen bekannt zu machen, Projekte anzuschieben. „Es funktioniert sehr gut, das Interesse ist groß“, erzählt er, „es spricht sich immer mehr herum, dass Segeln eine tolle Sportart auch für Behinderte ist und Inklusion eine Bereicherung für die Segelclubs“. Kevin Müller

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