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Ski nordisch

Heiß auf Sibirien

Im russischen Tyumen starten die Langläufer und Biathleten des Nordic Paraski Teams Deutschland in die neue Weltcup-Saison. Für Spannung sorgt eine Regelmodifikation.

"Mir fehlen einige Schneekilometer", dämpft Anja Wicker die Erwartungen. Das Bild zeigt sie bei ihrem Einsatz in Sotschi 2014. Foto: Allianz/ Ralf Kuckuck In den Bereichen Ski Alpin, Langlauf, Biathlon, Rollstuhl-Curling und Sledge-Hockey werden 72 Medaillen vergeben. Die paralympische Mannschaft des Deutschen Behindertensportverbandes (DBS) ist mit 14 Athleten (6 Ski Alpin, 1 Para-Snowboard, 6 Ski Nordisch) vertreten. Zwei Begleitläufer und 27 weitere Personen aus dem Funktionsteam kommen hinzu. Dr. Karl Quade wird dem Team als "Chef de Mission" vorstehen. Die Medaillenpraemien sind erstmalig identisch mit der Olympiamannschaft (20.000.- Euro fuer Gold, 15.000 Euro fuer Silber, 10.000.- Euro fuer Bronze) .

„Mir fehlen einige Schneekilometer“, dämpft Anja Wicker die Erwartungen. Das Bild zeigt sie bei ihrem Einsatz in Sotschi 2014. Foto: Allianz/ Ralf Kuckuck
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Das Wintersportcenter im russischen Tyumen, die „Perle Sibiriens“, ist ab Mittwoch, 2. Dezember 2015, Schauplatz für die ersten sechs Rennen der neuen Weltcup-Saison im Langlauf und Biathlon für Sportler mit Behinderung. Das Nordic Paraski Team Deutschland ist bei den Wettkämpfen des Internationalen Paralympischen Komitees (IPC) mit sechs Athleten am Start. Unter ihnen: eine Titelverteidigerin im Gesamtweltcup. Nicht dabei ist hingegen die mehrfache Paralympicssiegerin und Weltmeisterin Andrea Eskau – ihr Fokus gilt den Paralympics in Rio mit dem Handbike. Beim Highlight im Winter, dem Heim-Weltcup in Finsterau (Bayern) im Februar, will sie allerdings unbedingt starten.

Die 23-jährige Anja Wicker sicherte sich im März 2015 im norwegischen Surnadal mit einem fulminanten Schlussspurt die Glaskugel im Biathlon sitzend. „Die Beste einer ganzen Saison zu sein, ist das Größte, was eine Sportlerin erreichen kann“, erinnert sich die für den MTV Stuttgart startende Studentin gerne zurück. Für Tyumen dämpft Wicker die Erwartungen nun aber. „Mir fehlen einige Schneekilometer, um gut in Form zu sein. Die Konkurrenz ist da schon weiter.“

Es ist ein Problem, das sie im deutschen Team nicht exklusiv hat. Gerade einmal eine knappe Novemberwoche Training auf künstlichem Schnee in der Skisporthalle Oberhof blieb der Mannschaft, während etwa die ohnehin traditionell starken russischen Gastgeber bereits seit Oktober beste Bedingungen genießen. Auch Bundestrainer Ralf Rombach rechnet angesichts dessen damit, „dass wir etwas Anlauf brauchen werden, um das aufzuholen“.

Davon unbeeindruckt zeigt sich Rombach „sehr zufrieden“ mit den jüngsten Trainingsleistungen seiner Schützlinge. Die brennen darauf, dass es endlich wieder losgeht. Beispielhaft dafür steht Martin Fleig vom Ring der Körperbehinderten Freiburg. Der 26-Jährige zehrt noch immer von der Bronzemedaille, die er in seinem Skischlitten bei den Weltmeisterschaften von Cable im Januar holte. Für Tyumen hat er ein gutes Gefühl. „Das Schießen lief zwar schon mal besser, aber meine Laufform passt“, sagt er.

Auch bei seiner Freiburger Teamkollegin Vivian Hösch ist die Vorfreude groß. Wochenlang hatte sie im Herbst an den Folgen einer Erkrankung geknabbert, in Oberhof allerdings platzte endlich der Knoten. „Meine Belastbarkeit ist zurück. Ich kann wieder an meine Leistungsgrenzen gehen“, sagt die 24-Jährige, die an der Seite ihres Guides Florian Schillinger (SV Baiersbronn) ebenfalls Bronze in Cable holte.

Sprung nach vorne: „Rasante Entwicklung“ bei Clara Klug

Zweite deutsche Starterin bei den Sehbehinderten ist Clara Klug (PSV München), in der Loipe begleitet von ihrem Trainer Martin Härtl (SK Nesselwang). Klug wünscht sich für die neue Saison noch etwas konstantere Leistungen, Härtl bescheinigt der 21-Jährigen eine „rasante Entwicklung“. Das sieht auch Bundestrainer Rombach so. „Clara hat erneut einen deutlichen Sprung nach vorne gemacht“, sagt er. „Das dürfte sich in den Wettkämpfen niederschlagen.“

Gleichermaßen soll das für den dritten im Bunde der Sehbehinderten gelten. Der Nico Messinger (20, mit Guide Philip Burchartz) hat es in seiner Klasse mit einer der stärksten Konkurrenzen überhaupt zu tun, an die sich der Freiburger weiter annähern will. Besonderen Eifer legt er in Tyumen auf die kurzen Biathlon-Strecken und hofft, seine zuletzt vielversprechenden Schießleistungen bestätigen zu können.

Eine große Unbekannte wird dabei die Regeländerung zur Größe der Schießscheiben sein. Das IPC hat zur neuen Saison den Durchmesser der Scheiben bei den Athleten mit körperlicher Behinderung von 15 auf 13 Millimeter verkleinert, bei den Sehbehinderten sogar von 28 auf 21 Millimeter. „Es wird spannend, wie sich das auf die Wettkämpfe auswirkt“, sagt Rombach.

Bis kurz vor dem Abflug musste der Bundestrainer bei Max Hauch (SK Nesselwang) auf eine Entscheidung warten, ob dieser die Reise nach Russland mit antreten kann oder nicht. Dann gab der Sitzskiathlet grünes Licht. Der 28-Jährige fehlte krankheitsbedingt bereits beim Abschlusslehrgang in Oberhof. „Das ist für ihn natürlich ein großer Nachteil“, sagt Rombach.

Nicht in Tyumen dabei ist die überragende Langläuferin der vergangenen Jahre. Andrea Eskau (USC Magdeburg), mehrfache Weltmeisterin und Goldmedaillengewinnerin bei Paralympischen Sommer- und Winterspielen, ist bereits auf ihre individuellen Vorbereitungen für Rio de Janeiro im September 2016 fokussiert, wo sie im Handbike starten wird.

Und dennoch: einen Termin in diesem Winter will sich auch die 44-Jährige nicht entgehen lassen. Im Februar macht der Weltcup-Zirkus in Finsterau im Bayerischen Wald Halt. Beim bislang letzten Besuch im Jahr 2011 heimsten die Organisatoren vom dortigen Sportverein viel Lob ein, nun gilt das auf 1000 Metern Höhe gelegene Dorf der Gemeinde Mauth an der tschechischen Grenze gar als aussichtsreicher Kandidat für die Austragung der WM 2017. Kevin Müller

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