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Alpine WM in Sestriere

Medaillen-Lawine

Der Auftakt in die ski alpine Weltmeisterschaftswoche im Italienischen Sestriere hätte kaum besser glücken können. Andrea Rothfuß und Gerd Schönfelder holen sich durch überragende Fahrten die Weltmeistertitel in der Königsdisziplin des Skirennlaufs, der Abfahrt.

ABFAHRT

 

Gerd Schönfelder. Foto: DPS Team

Gerd Schönfelder. Foto: DPS Team

Andrea Rothfuß nach ihrem Sieg im Ziel: „Ich bin super happy, das Glücksgefühl wird wohl auch noch eine ganze Weile anhalten“. Nach ihren guten Leistungen in den Trainingsläufen zur Abfahrt konnte Andrea ihre Form bestätigen und ließ ihrer Freude und Erleichterung durch Tanzen und Jubeln im Zielraum freien Lauf. Auch auf dem Siegerpodest strahlte Andrea noch, eingerahmt von den Französinnen Marie Bochet und Solene Jambaque.

Gerd Schönfelders Resumee zu seinem Lauf fiel etwas abgebrühter aus: „Im oberen Teil über die Wellen bin ich einmal so abgehoben, dass ich dachte, wenn du jetzt nicht bald landest, dann hängst du im Zaun. Insgesamt hat sich der Lauf nicht so schön angefühlt.“ Dafür war er aber schön schnell und auch die Trainer sahen, dass ihr Athlet in seiner üblichen aggressiven Fahrweise auf dem Weg zu einer schnellen Zeit ist. Die Fahrt stellte sich als Gold-Lauf heraus, mit der der Kulmainer zwei seiner härtesten Konkurrenten Vincent Manuel-Gaulthier (FRA) und Thomas Pfyl (SUI) auf die Plätze zwei und drei verwies. Anna Schaffelhuber beendete ihre erste WM-Abfahrt mit Rang vier.

Andrea Rothfuss. DPS Team

Andrea Rothfuss. DPS Team

Es gewann bei den sitzenden Damen die Amerikanerin Alana Nichols vor ihrer Landsfrau Laurie Stephens und der Österreicherin Claudia Lösch. Franz Hanfstingl und Thomas Nolte zeigten solide Leistungen, die am Ende für die Ränge sieben und neun reichten. Am ersten Wettkampftag konnten sie mit den drei Erstplatzierten, Akira Kano und Taiki Morii, beide Japan und KJ van der Klooster (NL), die wie entfesselt fuhren, nicht mithalten, haben aber durch die letzten Tage ein gutes Gefühl für die Strecke erhalten, so dass sie bei dem Super-G wieder mitmischen wollten.

SUPER G

Mit dem zweiten Sieg von Gerd Schönfelder und der Bronzemedaille von Andrea Rothfuß waren erneut zwei DPS Athleten erfolgreich in den schnellen Disziplinen und strahlten bei der Siegerehrung mit Sonne um die Wette. Die Entscheidung bei den stehenden Herren fiel denkbar knapp aus, lieferte aber exakt die gleiche Konstellation auf dem Podest wie am Vortag. Im Ziel war Gerd Schönfelder nur den Wimpernschlag von vier Hundertstelsekunden schneller als der starke Franzose Vincent Manuel-Gauthier und 74 Hundertstel schneller als der drittplatzierte Thomas Pfyl aus der Schweiz.

Gerd Schönfelder über seinen Lauf: „Nach der Goldenen in der Abfahrt konnte ich es heute entspannt angehen lassen. Von der Besichtigung an war ich aber trotzdem sehr konzentriert und nach Rücksprache mit Andrea Rothfuß nach ihrem Lauf entschloss ich mich, direkter zu fahren als besichtigt. Schnee und Hang hier sind einfach genau das, was ich mag,dementsprechend gut lief es dann auch im Rennen. Ich freu mich riesig, fast noch mehr wie in der Abfahrt gestern. Nur leider können wir heute nicht so ausgelassen feiern, da morgen nicht frei ist.“

Auch bei den stehenden Damen war die Besetzung des Podests rein personell gesehen die gleiche, nur standen diesmal die beiden Französinnen Solene Jambaquoe und Marie Bochet auf den Plätzen eins und zwei. Andrea Rothfuß freute sich dennoch über ihre gute Leistung von heute und zeigte diese Freude wieder deutlich bei der Siegerehrung mit ihrem fast schon zum Markenzeichen gewordenen Jubel auf dem Podium.

Franz Hanfstingl. Foto: DPS Team

Franz Hanfstingl. Foto: DPS Team

Bei den sitzenden Damen verfehlte Anna Schaffelhuber leider erneut knapp das Podium und belegte Rang vier. Es siegte Alana Nichols vor Laurie Stephens (beide USA) und Claudia Lösch (Österreich). Auch bei den sitzenden Herren reichte es heute nicht für einen Podestplatz, trotzdem können Thomas Nolte mit Platz 12 und Franz Hanfstingl mit Platz 14 zufrieden sein.

SUPER KOMBINATION

Anna Schaffelhuber fuhr von Rang drei nach dem Super-G ganz nach oben auf das Treppchen. Anna Schaffelhuber mit einem strahlenden Lächeln nach dem Rennen: „Nach den beiden vierten Plätzen der Vortage fühlt sich das jetzt so super an, zu gewinnen.“ Ausgehend von Rang drei nach dem Super-G startete die junge Bayerbacherin ihre Aufholjagd und verwies die nach dem Super-G führende Österreicherin Claudia Lösch auf Rang zwei, Laurie Stephens (USA) wurde Dritte.

Andrea Rothfuß lag nach dem Super-G 2,5 Sekunden hinter der Französin Solene Jambaque und konnte diese auch trotz Laufbestzeit im Slalom um 34 Hundertstel nicht mehr abfangen, freute sich aber trotzdem über Rang zwei. „Der Medaillensatz ist jetzt komplett mit Gold, Silber und Bronze“.

Gerd Schönfelder zeigte zwei solide Läufe, konnte aber den jungen Franzosen Vincent Manuel-Gauthier weder im Super-G noch im Slalom schlagen, so dass dieser in der Endabrechnung 1,75 Sekunden vor Schönfelder lag. Dritter wurde erneut der Schweizer Thomas Pfyl. Gerd Schönfelder nach seinem Lauf: „Im Einfahrlauf lief es im Slalom echt gut aber das Rennen war ganz anders. Der Lauf hat stark gedreht, für meinen Geschmack zu stark und gut gefahren bin ich auch nicht. Morgen im Slalom werde ich wieder voll angreifen, dann läuft es hoffentlich wieder besser.“

Das Geburtstagskind des Tages, Franz Hanfstingl, machte sich mit zwei soliden Läufen selbst das Geschenk, sich mit Platz sieben unter den Top-Ten zu platzieren. Thomas Nolte stürzte leider nach einer sehr guten und angriffslustigen Fahrt am letzten Tor des Super-Gs. Die Linie, die er im Zielhang fahren wollte, wäre sehr schnell gewesen. Es hat nicht viel gefehlt und die Rechnung wäre aufgegangen, aber so ist es immerhin eine wichtige Erfahrung für Thomas Nolte, das Limit ausgetestet zu haben.

SLALOM

Im Slalom gewannen Anna Schaffelhuber und Andrea Rothfuß Gold, Gerd Schönfelder Silber. Thomas Nolte wird dritter und holt seine erste WM Medaille.

Anna Schaffelhuber. Foto: DPS Team

Anna Schaffelhuber. Foto: DPS Team

Wie auch am Vortag freute sich Anna Schaffelhuber über ihre Goldmedaille, allerdings war ein Doppel-Strahlen im Zielraum zu sehen, da Andrea Rothfuß mitmachte. Und das völlig zu Recht, denn beide Damen des DPS Team standen ganz oben auf dem Podium. Andrea Rothfuß zu ihrem Lauf: „Es lief definitiv besser als gestern beim Slalom, ich bin heute gut in den Rhythmus gekommen und habe mich gut gefühlt. Die zweite Goldene bei der WM, einfach Wahnsinn!“ Mit dieser super Leistung verwies sie die Slovakin Petra Smarzova und die Kanadierin Karolina Wisniewska auf die Ränge. Anna Schaffelhubers Resümee zum heutigen Tag hörte sich ähnlich an: „Wahnsinn, zwei Goldene nach zwei vierten Plätzen, ich freu‘ mich riesig!“ Sie siegte vor der Österreicherin Claudia Lösch und der Amerikanerin Alana Nichols.

Endlich ganz oben in der Weltspitze angekommen und Bronzemedaillengewinner des Slaloms ist Thomas Nolte, der nach dem ersten Lauf auf dem vierten Zwischenrang lag und nach der Besichtigung des zweiten Durchgangs im Ziel feststellte: „Ich muss jetzt einfach voll angreifen, der Abstand auf das Podium ist nur 24 Hundertstel, ich hab es selbst in der Hand.“ Gesagt getan, und mit einem aggressiven und aktiven Lauf sicherte er sich Rang drei hinter dem Sieger Suzuki Takeshi (JAP) und dem Franzosen Yohann Taberlet (FRA). Georg Kreiter und Franz Hanfstingl schieden leider aus.

RIESENSLALOM

Nach Superkombination und Slalom machte Anna Schaffelhuber mit dem Sieg auch im Riesenslalom das Triple perfekt. Andrea Rothfuß und Gerd Schönfelder holten sich ihre jeweils fünfte Medaille bei dieser WM.

Klare Laufbestzeit im ersten Durchgang, Führung im zweiten Durchgang behauptet und damit der Weltmeistertitel im Riesenslalom – Anna Schaffelhuber bestätigte damit ihre Favoritenrolle, in die sie sich nach den vergangenen Weltcuprennen in den technischen Disziplinen gefahren hatte. Die Plätze zwei und drei belegten die Österreicherin Claudia Lösch und Alana Nichols aus den USA.

Andrea Rothfuß zeigte ebenfalls eine starke Leistung am heutigen Tag und lag nach dem ersten Durchgang in Führung mit 13 Hundertstel Vorsprung vor der Konkurrenz. „Bis zum letzten Hang lief es auch im zweiten Durchgang super, dann bin ich aber an einem Tor nicht mehr über den Ski gekommen, was mich wahrscheinlich den Sieg gekostet hat. Trotzdem freue ich mich, eine Medaille in jedem Wettbewerb und dazu noch alle Farben, es war eine gute WM. Morgen im Teamwettbewerb werde ich den gleichen Fehler sicher nicht nochmal machen“, so die Schwarzwälderin nach dem Rennen. Der Sieg ging bei den stehenden Frauen an Marie Bochet aus Frankreich, zweite wurde Petra Smarzova aus der Slowakei.

Bei den stehenden Herren lieferten sich die die drei Dauerrivalen Schönfelder, Manuel-Gauthier und Pfyl einen heißen Wettkampf.

Gerd Schönfelder. Foto: DPS Team

Gerd Schönfelder. Foto: DPS Team

Im ersten Durchgang lag Gerd Schönfelder mit einer knappen Sekunde Rückstand hinter den fast zeitgleichen Franzosen und Schweizer auf Rang drei. Im zweiten Durchgang fuhr der Kulmainer einen starken Lauf und erzielte damit die Laufbestzeit, fünf Zehntel schneller als der Sieger der Gesamtabrechnung Vincent Manuel-Gauthier. Thomas Pfyl sicherte sich mit sechs Hundertstel Vorsprung Rang zwei. Gerd Schönfelder nach dem Rennen: „Ich bin zufrieden und freue mich auch über Rang drei sehr! Im Zielhang hatte ich einen Fehler, ohne den hätte ich vielleicht auch gewinnen können.“

Die sitzenden Herren hatten im ersten Durchgang ein paar Probleme mit der Linie, griffen aber im zweiten Durchgang voll an, was vor allem Georg Kreiter mit der zweitbesten Laufzeit einige Plätze nach vorne brachte und er damit in der Endabrechnung ein Top Ten-Ergebnis mit Platz sechs einfuhr. Eine starke Leistung für den Newcomer, der dieses Jahr sowohl seine erste Weltcup-Saison als auch seine erste Weltmeisterschaft fährt.

Thomas Nolte belegte nach Platz drei im Slalom leider an diesem Tag keinen Platz auf dem Podium, konnte aber mit der drittbesten Laufzeit im zweiten Durchgang ebenfalls ein Top Ten-Ergebnis mit Rang neun verbuchen. Hanfstingl blieb im zweiten Durchgang mit seinem Krückenski an einem Tor hängen und stürzte und konnte das Rennen nicht beenden. DPS Team

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