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Dreimal Gold, zweimal Bronze

Mega-Monday in London

Was für ein Abend, was für Emotionen: Die Deutsche Paralympische Mannschaft jubelt am vierten Wettkampftag der Para-Leichtathletik-WM über Dreifach-Gold und zweimal Bronze. Den Auftakt machte Kugelstoßer Sebastian Dietz, der den Titel ebenso mit WM-Rekord gewann wie Johannes Floors über 400 Meter, zudem siegte Markus Rehm im Weitsprung. Den perfekten Tag abgerundet haben jeweils mit Bronze die Speerwerfer Martina Willing und Mathias Mester, der einen Europarekord aufstellte.

Markus Rehm gewann im Weitsprung und trug so seinen Part bei zum Mega-Monday. Foto: Oliver Kremer/ pixolli

Groß war die Freude bei Sebastian Dietz. Der 32-Jährige von der BSG Bad Oeynhausen zeigte eine starke Serie und gewann in der Klasse F36 mit 15,28 Metern souverän. „Es war ein hartes Stück Arbeit und ich bin zufrieden mit dem Wettkampf. Ich hätte gerne noch den Weltrekord aufgestellt, doch das habe ich mir dann für das nächste Mal aufgehoben“, betonte Dietz, dem nur acht Zentimeter zur weltweiten Bestmarke fehlten. Lob gab es von dem Athleten von Alexander Holstein für das Ausrichterland: „Die Briten verstehen es, den Para-Sport perfekt zu präsentieren. Ich hoffe auch, dass ein Ruck durch Deutschland geht, schließlich haben wir in einem Jahr die Europameisterschaft in Berlin und wir würden uns freuen, wenn die Leute ins Stadion kommen und das Fernsehen darüber berichtet“, sagte Dietz und fügte hinzu: „Es ist schade, dass wir diesmal keine Live-Übertragung nach Deutschland hatten.“

Weitspringer Markus Rehm holte das zweite Gold für Deutschland und bleibt in seiner Startklasse T44 weiterhin das Maß aller Dinge. „Ich bin sehr glücklich, dass ich den vierten WM-Titel in Folge gewonnen habe. Das ist ein toller Erfolg, wobei ich die acht Meter natürlich gerne noch ein wenig überboten hätte. Ich habe natürlich darauf gehofft, dass noch ein Sprung dabei ist, der richtig weit geht, aber ich bin irgendwie nicht optimal weggekommen. Trotzdem bin ich froh, dass die Acht vor dem Komma steht, das war mir wichtig“, erklärt Rehm, der von Steffi Nerius trainiert wird. Der 28-Jährige vom TSV Bayer 04 Leverkusen ließ seinen Konkurrenten Ronald Hertog (6,94 Meter/Niederlande) und Jean-Baptiste Alaize (6,82 Meter/Frankreich) keine Chance.

Kurz nach seinem Gold-Sprung fieberte Rehm mit Vereinskollege Johannes Floors mit, der über die 400 Meter in der Klasse T43 unbedingt den Titel wollte. Und der 21-Jährige gab von Beginn an mächtig Gas, setzte sich von seinen Kontrahenten ab und lief mit WM-Rekord von 46,67 Sekunden zum ersehnten Gold. „Das Rennen war absolut der Wahnsinn. Ich habe das umgesetzt, was ich mit meinem Trainer Kalle Düe Tag für Tag erarbeitet habe. Es hat sich ausgezahlt, das ist einfach der Hammer“, sagte Floors, der bei den Paralympics in Rio über seine Paradediszplin nicht antreten konnte, nachdem er sich beim Jubel über Staffel-Gold verletzt hatte. „Das war heute mein Rio-Finale, ich habe Gold geholt und das nimmt mir jetzt keiner mehr.“

Mathias Mester konnte sein Glück kaum fassen, nachdem er sich in einem packenden Speerwurf-Wettkampf der Klasse F41 mit dem letzten Wurf zu Bronze gekämpft und die Europarekord-Weite von 40,54 Metern erreicht hatte. „Ich hätte nie im Leben damit gerechnet, dass ich hier eine Medaille gewinne, die drei Besten von Rio waren alle hier und ich bin da nur Fünfter geworden. Jetzt in London nochmal die Stimmung mitzunehmen, das hat mir echt geholfen“, sagte Mester, der 2008 mit der Kugel Paralympics-Silber gewonnen hatte und in London leer ausgegangen war.

Fünf ungültige Versuche – dann haute Martina Willig den Speer raus und holte Bronze. Foto: Oliver Kremer/ pixolli

Ähnlich spannend machte es Martina Willing im Speerwurf der Klasse F56, obwohl sie mit fünf ungültigen Versuchen in den Wettkampf gestartet war. Beim letzten Versuch ging erstmals die weiße Fahne nach oben – und mit 20,57 Metern gewann sie mit fünf Zentimetern Vorsprung Bronze. „Freud und Leid waren eng beisammen, ich kann das gar nicht beschreiben. Ich glaube, ich war lange nicht mehr in diesem Weitenbereich. Aber die ersten Versuche haben sie mir ungültig gegeben, angeblich wegen liften. Aber so fest wie ich mich anschnalle, ist das gar nicht möglich“, ärgerte sich die Athletin des BPRSV Cottbus, die von Petra Ritter und Ralf Paulo trainiert wird: „Immerhin gab es noch Bronze. Und wenn man mit seinen Weiten zufrieden sein kann, ist alles gut.“

Eine Medaille knapp verpasst haben dagegen Léon Schäfer (T42) und Irmgard Bensusan (T44) über 100 Meter und Lindy Ave (T38) im Weitsprung mit Rang vier. Schäfer startete in einem starken Rennen gut, wurde aber auf der Ziellinie noch von Richard Whitehead abgefangen. Mit neuer persönlicher Bestzeit von 12,43 Sekunden blieb er vier Hundertstelsekunden hinter dem 200-Meter-Weltrekordhalter. „Das kann echt nicht sein, dass der noch an mir vorbeifliegt“, haderte er im Ziel. Irmgard Bensusan fehlten mit 13,35 Sekunden zehn Hundertstel zur Medaille, Lindy Ave sprang 4,57 Meter und verfehlte das Podest hauchdünn um drei Zentimeter.

Damit hat das deutsche Team von Bundestrainer Willi Gernemann nach vier von zehn Wettkampftagen viermal Gold, dreimal Silber und dreimal Bronze auf dem Medaillenkonto. Am Dienstag geht es unter anderem weiter mit den Rennrollstuhlfahrern Marc Schuh und David Scherer (200 Meter), Kugelstoßer Matthias Schulze, Léon Schäfer (Weitsprung) und Frederike Koleiski (Diskus). Die Para-Leichtathletik-WM in London ist mit rund 1100 Athletinnen und Athleten aus 95 Nationen und über 280.000 verkauften Tickets das bisher größte Event im Para-Sport neben den Paralympics. Kevin Müller

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