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Bernd-Best-Turnier stösst an Grenzen

Mehr geht nicht

Sichtlich erleichtert zeigten sich Norbert Leisten und Wilfried Klein nach der Siegerehrung und drei Tagen Jubiläums-Turnier in Köln. Obwohl das Turnier reibungslos verlief wurde klar, dass die Kapazitäts-Grenzen bald erreicht sind.

Mehr geht nicht, hieß es auch für viele Teilnehmer auf dem Feld. Foto: Franco Erschbaumer

Mehr geht nicht, hieß es auch für viele Teilnehmer auf dem Feld. Foto: Franco Erschbaumer

„Nach außen bin ich ein Eisberg, im Inneren bin ich aber ein Vulkan“, sagte Turnier-Direktor Norbert Leisten in einem Interview. „An den drei Turniertagen haben wir zirka 750 Sportler, Betreuer und ehrenamtliche Helfer in den Sporthallen und da gibt es natürlich immer Fragen, ein paar Probleme und vielleicht auch Beschwerden.“

Doch die Beschwerden hielten sich wohl in Grenzen und die meisten Beteiligten waren von der Veranstaltung begeistert. Auch Sir Philip Craven, Präsident des Internationalen Paralympischen Komitees (IPC), zeigte sich vom Einsatz aller Beteiligten beeindruckt. Die Bernd-Best-Vision ist die einzige und die richtige Vision, sagte er auf der Pressekonferenz. So leistet das Bernd Best Turnier nun schon seit zehn Jahren einen wichtigen Beitrag zur Integration von Menschen mit Behinderungen und zur Solidarität unter den Sport treibenden Rollifahrern. Craven lobte die Breite des Bernd Best Turniers, bei der jeder Spieler die Möglichkeit hat, nach seiner persönlichen Leistung auf adäquate Gegner zu treffen. Genauso lobte er die gelungene Spielerparty, die sicherlich in die Bernd-Best-Geschichte eingehen wird. Die Spanferkel übten eine starke Anziehungskraft auf die Sportler aus. Bleibt die große Frage, wie die Partycrew das in Zukunft toppen will.

Das Finale in der Champions League verfolgten fast 400 Zuschauer. Hier setzten sich schließlich mit 20 Toren Vorsprung die dominanten Londoner gegen die Flemish Silver Bullets durch (Endstand 57 : 37). Die Rebels (Karlsruhe) belegten den dritten Platz vor den BSNW Rugby Rats.

Für „The Rebels“, die in den beiden Vorjahren den Titel in der Bernd-Best-Königsklasse erobert hatten, verlief das Turnier demnach enttäuschend. Allerdings stand dieses Turnier für das Team um Trainer Hani Al Bawardi von Anfang an unter ungünstigen Vorzeichen, da einer ihrer wichtigsten Spieler, Andre Leonhard, verletzt anreiste. Es galt also für die Rebellen, die Gruppenspiele in einer ungewohnten Aufstellung zu absolvieren, um Leonhard zu schonen.

Das erste Spiel gegen die „Flemish Sharks“ aus Belgien wurde von ihnen trotz dieser Umstellung durch eine konzentrierte Leistung des Karlsruher Teams deutlich und souverän mit 50:41 gewonnen. Hier zeigte sich, dass Christian Götze, sonst Ergänzungsspieler, einen weiteren Schritt in seiner Entwicklung getan hat und durch seine starke Abwehrarbeit maßgeblichen Anteil am Sieg der Rebels hatte.

Im zweiten Gruppenspiel wollten die Cheesy Boys aus der Schweiz dem umformierten Mitfavoriten auf den Turniersieg ein Bein stellen. Lange sah es auch so aus, dass dies gelingen könne. Mit einem 2-Tore-Vorsprung gingen die Schweizer in die zweite Halbzeit des Spiels. Coach Al Bawardi sah sich gezwungen, Andre Leonhard das erste Mal an diesem Wochenende aufs Feld zu schicken.

Leonhard, der schon ungeduldig auf seinen ersten Einsatz wartete, zeigte sofort eine engagierte Leistung. Mit seinen Mitspielern auf dem Spielfeld, Peter Schreiner, Maik Baumann und Wolfgang Mayer, holte die Crew die zwei Tore auf und brachte das Spiel sicher mit 45:39 nach Hause.

Im dritten Spiel warteten dann die Rugby Rats, die zweite deutsche Mannschaft in der Champions League, auf trotz Verletzungspech also noch immer brandgefährlichen Titelverteidiger. Zunächst mit leichten Problemen, konnte die Rebels im Verlauf des Spiels ihre fahrerische Überlegenheit jedoch ausnutzen, und so gingen sie mit einer komfortablen Führung ins letzte Viertel.

Erwähnenswert bei diesem Spiel war vor allem, dass der Vorsprung auch mit den Ergänzungsspielern Christian Götze und Salih Köseoglu noch ausgebaut werden konnte. Somit war der dritte Sieg in der Vorrunde mit 51:38 geschafft.

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Beim Bernd Best spielen Anfänger und Spitzensportler Halle an Halle. Foto: Franco Erschbaumer

Das Halbfinale stand nun an und die Rebels waren mittlerweile wieder voller Zuversicht und Selbstvertrauen. Der Gegner waren die Flemish Silver Bullets, ein weiteres Team aus Belgien. Diese Mannschaft hatte sich mit einem Gastspieler aus England verstärkt und war deshalb schwer einzuschätzen. Es schien von Beginn an der Wurm im Rebels-Spiel zu stecken, denn sie kamen einfach nicht mit der geschickten „Keydefense“ der Silver Bullets zurecht. Dachte man noch in den ersten zwei Vierteln, dass sich die fahrerische Stärke der Rebels im Laufe des Spiels durchsetzen würde, so wurde – je länger das Spiel dauerte – immer klarer, dass heute kein Rebels-Tag war. Ungeschicktes taktisches Verhalten kann man wohl als Hauptgrund für die 39:42-Niederlage betrachten und das Bernd Best-Turnier erlebte den ersten großen Favoritensturz.

So blieb nur das Spiel um Platz drei, eine ungewohnte Aufgabe für das sonst vom Erfolg verwöhnte Team. Der Gegner war wieder die Mannschaft der Rugby Rats, die in ihrem Halbfinale gegen den Topfavoriten und späteren Turniersieger London nicht den Hauch einer Chance hatte.

Es war mehr eine Pflichtaufgabe als eine große Herausforderung für die Rebels. Die Rugby Rats leisteten zwar etwas mehr Gegenwehr als im Gruppenspiel, aber letztlich siegte das Team aus Karlsruhe wieder souverän mit 46:42, und jeder Spieler konnte dazu beitragen.

Und in den anderen Ligen? Das Finale der Professional League gewann das niederländische Crashing Dream Team mit nur einem Punkt Vorsprung vor den Flying Wheels aus Österreich. Den dritten Platz erkämpften die Marauders aus England.

In der Advanced League konnte sich das österreichische Team Four Aces ebenfalls mit nur einem Punkt Vorsprung gegen das dänische Team Full Pull durchsetzen. Das umkämpfte Spiel um Platz drei entschieden die Heidelberger Outlaws für sich.

Rebel Peter Schreiner. Foto: Franco Erschbaumer

Rebel Peter Schreiner. Foto: Franco Erschbaumer

In der Basis League siegte Frankfurt MainPower und nahm somit den neuen Wanderpokal mit nach Hause. Die Frankfurter gewannen vor den respektablen Außenseitern Berlin Raptors und den Cologne Alligators Green. Die Cologne Alligators 3 kamen immer noch auf einen beachtlichen 6. Platz von insgesamt 12 Mannschaften, was sicherlich etwas über die Qualität der Nachwuchsarbeit und die Breite in Köln aussagt. Die Kölner Mannschaften zeigten sich mit ihrem Abschneiden jedenfalls sehr zufrieden.

Nicht nur im spielerischen Bereich ist das Bernd Best-Turnier ein Garant für die Nachwuchsförderung, sondern auch die Schiedsrichter werden gerade im oberen Ligabereich immer zahlreicher, woran das Bernd Best Turnier einen nicht unerheblichen Anteil hat, wie Monika Beckmann als Schiedsrichter-Koordinatorin berichtet.

In Köln findet ein internationaler Austausch zwischen ganz jungen und erfahrenen Referees statt, der nach Aussagen der Beteiligten beispiellos ist. Bisher sind im Rahmen des Bernd Best-Turniers zwei Schiedsrichter-Lehrgänge abgehalten worden, für 2009 ist nun ein weiterer internationaler Lehrgang im Rahmen des Breitensports geplant.

Eine Premiere feierte das neue Maskottchen der Cologne Alligators, Alligator Sammy, der vorsichtshalber einen Helm trug und gemeinsam mit der WDR-Maus und den Cheerleadern die Hüften kreisen ließ. Mike Eichholtz, Sandra Meinert, Peter Schreiner, fee/outrun

Bernd Best Turnier 2008

Endstand

Champions League

1. London

2. Flemish Silver Bullets

3. The Rebels

4. BSNW Rugby Rats

5. Cheesy Boys

6. Flemish Sharks

7. The Reds

Professional League

1. Crashing Dream Team

2. Flying Wheels

3. Marauders

4. Prague Robots

5. Nacka Spiders

6. Munich RugBears

7. Gaelic Warriors 1

8. Roadrunners Bochum

9. Friesland Quad-Fighters

10. Scorpions 1

11. Greifswalder Rollmöpse 1

12. TETRA PACK

Advanced League

1. Four Aces

2. Full Pull

3. The Outlaws

4. Hamburg 1

5. FHI Falcons

6. Copenhagen Ballcrackers

7. FIFH Griffins

8. Upper Austria

9. Cologne Alligators Red

10. Greifswalder Rollmöpse 2

11. Born to run

12. Czech Rugby Express

13. Groningen Quad-Fighters

14. Gaelic Warriors 2

15. Scorpions 2

16. Bayreuth 99ers

Basic League

1. Frankfurt MainPower

2. Berlin Raptors

3. Cologne Alligators green

4. Rugbybulls Salzburg

5. Sitting Bulls

6. Cologne Alligators 3

7. Rhine Rookies

8. Paderborner Erzteufel

9. Rugn Devils

10. Osnabrück Coyotes

11. Hamburg 2

12. Toulouse

 

Erschbaumer Verlag. Outrun – das Sportmagazin. Alle Rechte vorbehalten/All rights reserved

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