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Special Olympics National Games

Mental gut drauf

Die 6. National Summer Games 2008 der Special Olympics in Karlsruhe waren ein riesiges Spektaktel, an dem über 3.700 Sportlerinnen und Sportler mit mentaler Einschränkung teilgenommen haben, und das in den unterschiedlichsten Sportarten und Disziplinen. Hier ein kleiner Einblick, wie es dort an fünf Tagen in Karlsruhe zugegangen ist.

Bowling – Eine runde Sache

Auf der einen Seite der fast 20 Meter langen Holzbahnen gespannte Gesichter bei Spielern, Volunteers und Coaches, auf der anderen Seite warten jeweils zehn Pins auf den Aufprall der Kugel. Plötzlich lautstarker Jubel in einer Ecke: alle zehn Pins sind gefallen – Strike. Auf 16 Bahnen rollen die bunten Bowlingkugeln im Lago-Bowling-Center Karlsruhe. Die Stimmung ist riesig. Dazu mag auch der musikalisch untermalte, gemeinsame morgendliche Einmarsch von Athleten und Volunteers beitragen, der zu einem Ritual bei den diesjährigen Special-Olympics-Bowlingwettbewerben geworden ist. Auch Sportkoordinatorin Sabine Borchard fiebert mit. „Wir haben mit 95 Athleten doppelt so viele Teilnehmer im Bowling wie bei den letzten National Games in Berlin“, berichtet sie. Trotz der vielen Sportler läuft die Organisation reibungslos und zügig ab. Das Team des Bowling-Centers sei sehr nett und zuvorkommend, das Mittagsbuffet locke sogar Teilnehmer von anderen Wettbewerben in den Biergarten und die Liegestühle in der Entspannungszone nutzten vor allem die engagierten Volunteers in ihren Pausen, so Borchard. Außerdem lobt sie die Disziplin der Coaches, die im Gegensatz zum deutschen Fußballbundestrainer in ihrer Coachingzone schön gelassen bleiben.

Entspanntes Bladen in der Europahalle

Zu aktuellen Charthits laufen sich die Rollerskater auf der großen ovalen Bahn ein. Aber wenn der Wettlauf losgeht, ist plötzlich volle Konzentration angesagt. Auf einer kurzen Anlaufstrecke wird gesprintet, was das Zeug hält und dann läutet die Glocke die erste Runde ein. Die vier Mädchen von der Maria-Montessori-Schule in Weinheim haben ihre Endläufe in den 100 Metern gerade absolviert. „Wir haben eine Gold- und zwei Silbermedaillen gewonnen“, sagt begeistert Delegationsleiterin und Klassenlehrerin Cornelia Kluge. Sie wollte unbedingt, dass ihre Schülerinnen einmal bei den Special Olympic National Games dabei sind. „Wir wollten eigentlich an Leichtathletik teilnehmen, aber da war schon alles dicht“, erzählt sie, und da bei Rollerskating noch Plätze frei waren, „haben wir halt das gemacht.“

Seit letzten Dezember haben sie für die Spiele trainiert und die 13-jährige Lea hatte bis dato noch nie auf Rollschuhen gestanden. Beim ersten Mal hat sie für die 100 Meter weit über drei Minuten gebraucht. Im Vorlauf gestern waren es nur noch etwas über 40 Sekunden. Der 12- jährige Athlet Patrick Bachmann ist Schüler der Schule an der Virneburg in Langenfeld und hat heute noch einen 500 m-Endlauf vor sich. „Ich hab meine Bestzeiten jedesmal getoppt gestern“ erzählt er von den Klassifizierungsläufen.

Wunderschönes Wetter auf dem Golfplatz

Das erste Mal ist Golf als Sportart bei den Special Olympics National Games vertreten. Der Golfclub Hofgut Scheibenhardt hat dafür seine schöne Golfanlage im Süden von Karlsruhe zur Verfügung gestellt.

„Natürlich war es keine Frage, dass wir das Turnier auf unserem Platz ausrichten. Alle unsere Mitglieder haben dafür Verständnis, dass an den Turniertagen der Platz belegt ist. Es macht Spaß, zu beobachten, mit wie viel Enthusiasmus die Athleten bei der Sache sind. Einige spielen auf gutem Niveau!“, so Bernd Görger, Präsident des Golfclubs Hofgut Scheibenhardt. Sportkoordinator ist Ole Gutberlet. Er arbeitet in Schwerin als Golftrainer. Dort gibt es das Projekt „Kidswing“, das von der Grönemeyer-Stiftung unterstützt wird. Kidswing ermöglicht Menschen mit Behinderung, den Golfsport auszuüben. „Golf fördert die Körperwahrnehmung, die Feinmotorik und verbessert vor allem die Hand-Augen Koordination,“ meint er. „Ich bin immer wieder begeistert, welche Fortschritte unsere Sportler bei diesem Sport machen!“

Mehrere Gruppen spielen über den Platz verteilt. Aber nur eine Gruppe spielt um den Sieg. Die Top-Gruppe besteht aus den Spielern Michael Grabosch, Kai Sehner und Oktay Tan. Michael Grabosch kommt von der Hermann Schmidt Schule aus Paderborn und wird von der Schulleiterin Isabella Meuthen-Pieters begleitet. Sie hat, nachdem Golf in den Schulsport integriert wurde, selbst mit dem Golfen begonnen und kann gut einschätzen, wie schwierig dieser Sport ist.

Markus Brauer, Lehrer der Hamre Patmos Schule, begleitet Oktay Kahn.“Ich bin eher die moralische Unterstützung, vom Golfen verstehe ich nichts!“ Kai Sehmer spielt seit 17 Jahren Golf und hat Handicap 31. Er findet im Golfsport seine Anerkennung. Er war schon bei unzähligen Turnieren dabei. „Mir macht Golfen richtig Spaß!“ Oktay Tan spielt seit drei Jahren Golf und hat in Shanghai eine Goldmedaille geholt. Er nutzt das Angebot der Schule und trainiert zwei Mal die Woche. Früher hat er Fußball gespielt. „Der Platz hier ist toll! Es war super hier zu spielen. Wahrscheinlich habe ich heute den zweiten Platz gemacht!“

Die Luft steht, aber die Bälle fliegen

In der Dragonerhalle sind 20 Tische aufgebaut, an denen im Fließbandverfahren die 270 männlichen und 70 weiblichen Tischtennisathleten ihre Vorrundenspiele absolvieren. Jedes Spiel dauert vier Minuten. In den Endrundenspielen geht dann aber regulär jedes Spiel bis zum Stand von elf Punkten.

Um kurz nach zwölf macht Sportkoordinator Thomas Gindra über Mikrofon darauf aufmerksam, dass an Tisch 14 gerade das tausendste Spiel dieser National Games ausgetragen wird. Ansonsten sagt er: „Das Turnier läuft sehr gut bisher. Wir hatten jetzt 1000 Spiele in eineinhalb Tagen und heute sind es noch weitere 620. Gestern hingen wir im Zeitplan ein bisschen hinterher, das haben wir heute wieder aufgeholt.“

Kampf der Titanen auf weich gepolstertem Boden

„Danke  Conny!“, ruft Daniel Herdrich, Judoka aus Grenzach-Wyhlen, seiner Trainerin Cornelia Klaus nach dem gewonnenen Kampf zu, die sich die Kehle heiser geschrien hat, um ihn anzufeuern und Anweisungen zuzurufen. „Wir sind seit 1998 bei Special Olympic Spielen dabei“, erzählt sie.

202 Teilnehmer in drei Klassen, die dann nochmal in Gewichts- und Altersklassen unterteilt werden, nehmen an den Judowettbewerben teil, informiert Wolfgang Drissler, Vizepräsident des Badischen Judoverbandes. Heute sind es insgesamt 17 Gruppen mit 100 Judoka, die an den Klassifizierungswettbewerben teilnehmen. Einer davon ist der 15 jährige Marcello Steinke. Er hat von den fünf Kämpfen, die er heute absolvieren muss, drei gewonnen und einen verloren. „Bis jetzt bin ich auf Platz drei in meiner Gruppe. Daniel ist mein letzter Gegner, wenn ich gegen den gewinne, bin ich auf Platz zwei“. Ein ungleicher Kampf könnte man denken, denn Vereinskollege Daniel trainiert seit fast 28 Jahren Judo, Marcello erst seit ungefähr vier. Doch der Jüngere sagt: „Man muss kämpfen, damit man gewinnt und ich kenne Daniels Schwachstellen“.

Im Gegensatz zum regulären Judo wird bei der Special Olympic Form ohne Hebel- und  Würgetechniken gekämpft und als Sonderregelung gibt es außerdem Kämpfe, bei denen die Judoka den Kampf direkt auf den Knien beginnen, also ohne Würfe und nur mit dem Ziel, den Gegner mit beiden Schultern auf dem Boden auf dem Rücken zu fixieren. Wer das schafft, hat den Kampf gewonnen. Andrea Sauermost/fee

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