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Zanardi riss die Kette

Mit Vollgas zum Streckenrekord

Was für ein starkes Starterfeld beim 42. BMW Berlin-Marathon. Selbst Handbiker die wegen ihrer Leistungsstärke eigentlich immer aus der ersten Reihe starten, mussten in die zweite Reihe rücken. So war dieses Handbikerennen wieder eine Mischung aus Weltklasse.- und Breitensport mit allen Kuriositäten, die so ein international besetzter Marathon bieten kann.

Vico Merklein gewinnt im Spurt vor Jetze Plat. Foto: Jörn Kreinberg

Vico Merklein gewinnt im Spurt vor Jetze Plat. Foto: Jörn Kreinberg

Bei strahlendem Sonnenschein nahmen die Teilnehmer ihre Startpositionen ein, während einige ausgewählte Spitzenfahrer mit iPhones ausgerüstet wurden, um deren exakte Position während des Rennens zu bestimmen. Das NDR Fernsehen interviewte den Medienstar und BMW Werksfahrer Alessandro Zanardi. Da platzte in dem Trubel mit einem lauten Knall das Hinterrad des Mitfavoriten Torsten Purschke. In Rekordzeit schaffte er es zurück zum Auto, wechselte das Rad und war damit bereits bei seinem „Rennen vor dem Rennen“ erfolgreich.

Nach dem Countdown zeigte sich die Klasse des Feldes und es ging mit „Vollgas“ auf der Startgeraden los. Schnell selektierte sich eine 14-köpfige Spitzengruppe. Ab Kilometer 6 begann der Vorjahressieger Jetze Plat (NDL), harte Attacken zu fahren.

„Jetze ließ sich immer einige Meter zurückfallen, um dann mit Geschwindigkeitsüberschuss der Gruppe zu entkommen“, so Top-Favorit Vico Merklein (GER). „Ich konnte die Löcher zwar immer wieder zufahren, aber das war teilweise sehr hart“. Bei Kilometer 15 hatte sich die Führungsgruppe dann halbiert und blieb trotz taktischen Fahrens immer auf Streckenrekord-Kurs.

Doe Siegerehrung der Frauen (von links): Katrin Möller, Christiane Reppe und  Katja Oemmelen. Foto: Jörn Kreinberg

Doe Siegerehrung der Frauen (von links): Katrin Möller, Christiane Reppe und
Katja Oemmelen. Foto: Jörn Kreinberg

Nach der Durchfahrt vom Brandenburger Tor wollte es Jetze Plat vom Team Wolturnus wissen. Er zog wieder einen dieser sensationellen Sprints an, den nur Vico Merklein vom Team SOPUR mitgehen konnte. „120m vor dem Ziel bin ich dann aus Jetzes Windschatten heraus und habe gemerkt, da geht eigentlich nichts mehr“ offenbarte Merklein bei der Pressekonferenz. Aber auch bei Plat zeigte sich, das Limit war erreicht. So besiegelte Vico Merklein seinen fünften Sieg mit hauchdünnem Vorsprung und neuem Streckenrekord von 01:02:32 Std. beim 42. BMW Berlin-Marathon. Beim Kampf um Platz 3 setzte sich Torsten Purschke (GER) vom adViva Handbike Team vor Team SOPUR-Fahrer Arkadiusz Skrzypinski (POL) durch.

In der Division MH3 stellte der Niederländer Mischa Hielkema (Team SOPUR) ebenfalls einen neuen Streckenrekord mit einer beeindruckenden Zeit von 01:02:45 Std. auf.

Bei den Frauen war der Sieg von Christiane Reppe (GER) ungefährdet. Bei ihr ging es darum, ob sie ihren Streckenrekord aus dem letzten Jahr verbessern würde. „Das war ein schnelles Rennen. Bei der Siegessäule dachte ich bereits, aua die Arme tun jetzt schon weh“, sagte Reppe. Sie fand aber eine Gruppe in der sie mitfahren konnte. „Führungsarbeit konnte ich nicht leisten, die Saison mit der WM war doch sehr anstrengend“ gibt die sympathische Team Sopur Fahrerin dann auch unumwunden zu. So bedankte sie sich bei Michael Fromm und Miroslav Sulc für deren gute Führungsarbeit und beendete das Rennen mit neuem Streckenrekord in 01:10:12 Std. Zweite wurde Francesca Porcellato (ITA) vor Sandra Stöckli (SUI).

Andrea Zanardi hat bereits  angekündigt, dass er in Berlin nochmal als Handbiker durchs Ziel kommen will. Foto: Jörn Kreinberg

Andrea Zanardi hat bereits angekündigt, dass er in Berlin nochmal als Handbiker durchs Ziel kommen will. Foto: Jörn Kreinberg

„Ich bin als Handbiker gestartet und als Rennrolli ins Ziel gekommen“ sagte Zanardi im Ziel. Was war passiert? Eigentlich startet Zanardi im Kniebike. Um die Chancengleichheit zu wahren, startete er in Berlin wie alle anderen im Liegebike. Das Rennen begann trotzdem vielversprechend für ihn, bis 9 km vor dem Ziel die Kette riss. Zanardi wollte das Rennen aber unbedingt beenden und aufgeben ist sowieso nicht sein Ding. Also setzte er sich auf die Hinterachse und trieb mit den Händen die Hinterräder an. Mit dieser Technik erreichte er das Ziel in 01:50:32 Std. Auf seinem Twitter Account kündigte er für 2016 seine Revanche an. Berlin freut sich darauf! Jörn Kreinberg

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