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Rollstuhl-Rugby

Roadrunner frisst Alligator

Meist sind es die 2,0 bis 3,5-Punkte-Spieler, die beim Rugby mit ihren dynamischen Aktionen die Blicke auf sich ziehen. Dem ungeübten Auge bleibt die Leistung und die Bedeutung der niedrig punktierten Spieler leicht verborgen. Anders bei Low point-Turnieren wie in Köln.

Low pointer unter sich. Foto: Franco Erschbaumer

Roadrunner oder Alligator. Wer frisst wen? Das war die Frage vor dem Endspiel. Ulrike Putsch, bekennende Anhängerin der Cologne Alligators, hatte deren Maskottchen bereits symbolisch eine Roadrunner-Puppe zum Fraß vorgeworfen. Damit hatte sie zwar die Lacher auf ihrer Seite, aber die Realität sah anders aus: der Roadrunner hatte schließlich den größeren Hunger. Und Bochum siegte mit 14:6. Guten Appetit.

Bei den Kölnern wollte nichts zusammenlaufen. Arge Verständnisprobleme zwischen Benjamin Putsch und Norbert Leisten brachten die Alligators um ihre Siegchancen. Dagegen wie aus einem Guss war das Spiel der Bochumer: Jürgen Veith, Dimitros Tsipoulos, Roland Beckmann, Lutz Klaas und Dirk Wieschendorf dominierten das Turnier recht deutlich. Für Punkte auf der Gegenseite sorgte teilweise Ralf Stoltendorf, der gemeinsam mit dem Bayreuther Markus Maas das krankheitsgeschwächte Koblenzer Team (ohne Thomas Schweikert) komplettierte. Überhaupt war das Turnier kein Kräftemessen der Vereine, das Spielergebnis stand bei den fünf Teams – es spielten auch Frankfurt (Christian Riedel, Klaus Leithoff, Matthias Rösch, Rainer Karl) und Baden (Robin Knopf, Sascha Müller, René Kaindorf, Marc Dilger und Zelebi Eylekin) – eindeutig im Mittelpunkt.

Roadrunner frisst Aligator? Foto: Franco Erschbaumer

Warum gibt es Low-point-Turniere? Teilnahmeberechtigt sind Spieler, die dem rollstuhlrugby-spezifischen handicap von 0,5 und 1,0 Punkte entsprechen. Diese werden nach dem von Martina Frey vorgeschlagenen Klassifizierungssystem differenzierter bewertet und nochmals in 0,5-, 1,0-, 1,5- und 2,0-Spieler unterteilt. „Es gibt in den Vereinen viele Spieler mit hohen Halsmarkläsionen und vergleichbaren Behinderungen, die bei der bestehenden Klassifizierung und Mannschaftszusammensetzung keine faire Beteiligung am Rollstuhl-Rugby erfahren“, erklärt Dr. Horst Strohkendl. „Das Spielgeschehen wird von den fahrerisch und balltechnisch überlegenen 2- und 3-Punkte-Spielern dominiert.“ Ebenso nehmen es auch die Spieler wahr: „Wir spielen bei normalen Turnieren oft nur die Rolle des Kanonenfutters“, meint Michael Holm. Der 28-jährige Aachener ist erst seit kurzem aktiv dabei und spielt in der BSNW II. Das Low-point-Turnier sieht er als willkommene Abwechslung: „Hier stehen mal Leute im Mittelpunkt, die sonst nicht in Erscheinung treten.“

Zu diesen Leuten zählen auch Henning Oper (Frankfurt) und der Koblenzer Tobias Krämer. Beide gehören zu den frischesten Neuzugängen. Für sie war das Turnier eine hervorragende Möglichkeit, Spielpraxis zu sammeln.

Hat man erst einmal den Anschluss an ein Team, lässt die Spielpraxis nicht mehr lange auf sich warten. Michael Holm kann davon ein Lied singen: „Wenn ich die Jungs anrufe und sage, dass ich zugucken will, sagen die wieder, dass ich mitspielen muss.“ Mitgehangen, mitgefangen. Franco Erschbaumer

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