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Bernd-Best-Turnier

Rugby-Rummel am Rhein

Was hat die Maus aus den Lach- und Sachgeschichten mit Rollstuhl-Rugby zu tun? Ist doch klar: Die Maus hat den Ruf, dem unbedarften Zuschauer Unbekanntes näher zu bringen und verständlich zu erkären. Sie war nicht der einzige, aber auffälligste Ehrengast beim Bernd-Best-Turnier 2000 für Rollstuhl-Rugby in Köln.

Fotos (3): Franco Erschbaumer

Zweieinhalb Tage Rugby nonstop. In drei Hallen gleichzeitig. 22 Mannschaften aus dem In- und Ausland, darunter aus den Niederlanden, Schweden, Belgien, Dänemark und der Schweiz. Anfänger und Weltklasse-Spieler. Die Unterteilung in drei Wettkampfklassen machte es möglich. Das Traditionsturnier Bernd-Best ist nach der gelungenen Rugby-Premiere im vergangenen Jahr mit der aktuellen Auflage in eine neue Phase eingetreten. der RSC Köln und vor allem Orga-Chef Norbert Leisten wollten nicht bloß eines der größten Turniere auf die Beine stellen, das diese relativ junge Sportart bislang erlebt hat; es sollte diesmal auch die Öffentlichkeit davon erfahren.

Und das tat sie dann auch: Redaktionen wurden verständigt, Plakate im gesamten Stadtgebiet aufgehängt, Postkarten in Umlauf gebracht, Anzeigen geschaltet und eine eigene Homepage eingerichtet. Schon im Vorfeld fanden sich bei den Trainings der Cologne Alligators die Journalisten der Kölner Zeitungen und Radiosender ein, um in Hinblick auf das bevorstehende Event zu berichten. Und noch am ersten Turniertag hatten einige Spieler arge Probleme, sich auf die Auftaktbegegnungen zu konzentrieren, da sie zwischenzeitlich mit dem geben von Interviews oder den Nachstellungen teletauglicher Spielszenen ausgelastet waren. So lag beim Bernd-Best die so wichtige Werbung für den Sport nicht nur in den Händen weniger, sondern aller Beteiligten. „Es wurde ein enormer finanzieller Aufwand betrieben, aber man kann sagen, dass es sich schon jetzt gelohnt hat“, freut sich Dr. Horst Strohkendl, der das Kölner Event als einziger seit der Entstehung vor fast 30 Jahren mitorganisiert. „Es ist der Bernd-Best-Spirit entstanden und auf alle übergesprungen.“

Am Finaltag fanden etwa 200 Zuschauer den Weg in die Sporthalle, darunter Guido Schievink, einer der Mitbegründer des früheren Bernd-Best-Turniers der Basketballer. Darunter auch viele, die vorher noch nie etwas von Rollstuhl-Rugby gehört hatten und auch einige Rollstuhlfahrer, die auf der Suche einer für sie geeigneten Sportart sind. Insgesamt eine Zuschauerzahl, die bei Vertretern anderer Sportarten allenfalls ein müdes Zucken im Mundwinkel auslöst – im Rugby bedeutet sie einen guten Anfang.

Nun aber von der Tribüne aufs Spielfeld:

Basis League

„Dieses Endspiel liegt mir besonders am Herzen“, betonte Basis-Liga-Initiator Norbert Leisten vor Anpfiff des ersten Finales, das zwischen Full Pull aus Dänemark und den Red Devils Wildungen ausgetragen wurde. Während für die Basis-Teams die Vorrundenspiele in einer Halle etwas abseits vom übrigen Geschehen stattfinden mussten, so wurde ihr Abschlussspiel in der Haupthalle und vor entsprechender Kulisse abgehalten. Mit Ausnahme der Dänen handelte es sich im Basis-Wettbewerb um eine rein deutsche Angelegenheit: Outlaws Karlsruhe, Frankfurt Allstars, Speedos Koblenz, Berlin Raptors, Bayreuth 99ers, die Dritte von BSNW – Teams und Spieler also, die zu einem großen Teil auch in der Meisterschaft um Punkte fighten, trafen hier außer der reihe aufeinander.

An den meist engen Resultaten wurde die ausgewogene Spielstärke der Teams deutlich. Bei den Red Devils um Trainer Pierre Sahm wurde offenbar hervorragende Aufbauarbeit in den vergangenen Monaten geleistet. Bis auf das Endspiel gewann Wildungen jede Partie, wenn auch gegen die Bayreuth 99ers mit 16:15 denkbar knapp. Die Bayreuther hingegen zogen im Kampf um Platz fünf gegen die Berlin Raptors mit 18:28 den Kürzeren. Was wohl zeigt, dass mit dem Quentchen Glück jeder jeden schlagen kann. Nur Full Pull unter ihrem Coach Kent Hjaltason war für die Konkurrenz eine Spur zu gut: Sogar das Endspiel gegen die Red Devils gewannen sie mit 41:27 mehr als klar.

Eine ganz enge Kiste war dagegen die Begegnung um Rang drei zwischen den Speedos und den Outlaws. Beide Teams kennen sich aus der Meisterschaft in der Basisliga Süd nur zu gut. Jörg Holzem, 2,5-Punkte-Spieler und Torjäger der Meisterschaft, war ein wichtiges Ass im Ärmel des Koblenzer Angriffs, der mit 29:28 Zählern den Sieg sicherte. Die Karlsruher waren danach jedoch alles andere als niedergeschlagen: „Wir hatten verletzungsbedingte Ausfälle“, so Outlaw-Coach Thomas Wüst, „wir haben das Beste aus der Situation gemacht.“

Professional League

Internationales Flair herrschte in der mittleren Spielklasse. BSNW 2 und die Heidelberg Lions vertraten als einzige Teams den hiesigen Rugby-Sport unter wohlklingenden Namen wie Rattlesnakes (Schweiz), Amsterdam Terminators, Quad Fighters (Niederlande), Copenhagen Ballcrackers und dem Team Austria. Zwei polnische Teams, genauer aus Warschau, waren gemeldet, hatten aber zum Schrecken der Spielplanmacher kurzfristig abgesagt.

Die Heidelberger verloren bei dem Turnier kein einziges Spiel, auch am Freitag die Auftaktbegegnung gegen den späteren Zweiten Scorpions nicht, was sich also als gutes Omen herausstellen sollte. Eine gute Leistung bot ebenso die BSNW 2 in der Besetzung Markus Schneider, Roland Beckmann, Alfred Hüter, Lutz Klaas und Tilman Philipps. So lieferte sie sich mit den Rattlesnakes einen spannenden Kampf, bei der sie knapp mit 18:22 verlor. Die Rattlesnakes, immerhin zweite der diesjährigen Schweizerischen Meisterschaft und mit ihrem Spielmacher Franz Fellmann in Bestbesetzung, wurde in Köln sicherer Dritter. Die BSNW-Auswahl kam auf den siebten Rang.

Champions League

Flemish Lions, BSNW oder Rollo Point Warriors? Wer würde den Sieg nach Hause bringen? Die meisten Beobachter hatten von Anbeginn die belgische Mannschaft ganz oben auf der Rechnung, womit sie ganz richtig lagen. Im vergangenen Jahr noch hatte die Auswahl des Behinderten-Sportverbandes Nordrhein-Westfalen gegen die Seagulls aus Schweden den Turniersieg davongetragen. Aber nicht nur, weil Bert Metzger seit Monaten krankheitsbedingt nicht einsatzbereit ist, hat die Mannschaft, die sich hauptsächlich aus Cologne Alligators und Road Runners zusammensetzt, an Durchsetzungsvermögen eingebüßt. Die beiden Belgier Ludwig Budeners (3,0 Punkte) und Bob Vanacker (2,5), die in der Meisterschaft der 1. Liga für Bochum beziehungsweise Köln punkten, verstärken diesmal natürlich die Flemish Lions.

Und auch die übrige Konkurrenz hat nicht geschlafen und ist entsprechend besser geworden. Markus „Max“ Stroblmair, österreichischer Legionär in Diensten der Rolli Point Warriors, ist nicht nur einer der besten, sondern sicher einer der aggressivsten und athletischsten Spieler. Wenn ihm für seinen Angriff der Platz fehlt, bahnt er sich mitunter eigenhändig eine Schneise durch den gegnerischen Block. Jürgen Schmid, Spielertrainer bei den Rolli Point Warriors, hat zudem die wichtigsten Begegnungen von der Trainerbank aus mitverfolgt, um den Überblick zu behalten und verbal in das Geschehen eingreifen zu können.

So ging das Spiel um den Einzug ins Finale zwischen den Münchnern und der BSNW mit 38:36 zugunsten der Rolli Point Warriors aus. Im Endspiel gewannen die Flemish Lions mit 30:21.

Fazit: In Köln tut sich ‚was: Das Bernd-Best-Turnier spielt bei der Weiterentwicklung der Sportart Rollstuhl-Rugby eine wichtige Rolle. Und es scheint, als sei das Ende der Fahnenstange noch lange nicht erreicht. Franco Erschbaumer

Erschbaumer Verlag. Outrun – das Sportmagazin. Alle Rechte vorbehalten/All rights reserved

 

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