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1. Internationales Turnier im Beachvolleyball

Sand unter den Füssen

Der Behindertensport ist um eine weitere Trendsportart reicher: Erstmals fand in Köln das Internationale Beachvolleyballturnier der Menschen mit Behinderung statt – eine Weltpremiere.

Beachboy Timo Hager (links) nimmt den Ball und die Pepsi-Herausforderung an. Foto: Franco Erschbaumer

Beachboy Timo Hager (links) nimmt den Ball und die Pepsi-Herausforderung an. Foto: Franco Erschbaumer

Die Teilnehmer: Alles gestandene Volleyballer, die hoch hinaus wollen, nicht bloss über die Netzkante. Sie sehen in der Veranstaltung einen ersten Schritt, Standing Volleyball wieder paralympisch zu machen. An der „Playa in Cologne“, neben dem RheinEnergie-Stadion und unweit der Deutschen Sporthochschule, herrscht entspannte Urlaubsatmosphäre. Die Sonne strahlt, überall Sand. Ein paar Kinder bauen Burgen. Und einige Zuschauer haben es sich in ihren Liegestühlen bequem gemacht. Es gehört zum Konzept der Playa, dass dort alles möglichst easy ist. Denn es handelt sich um eine Beachvolleyball-Anlage. Und Beachvolleyballer haben nun mal den berechtigten Ruf, immer schön geschmeidig zu bleiben und die Dinge entspannter anzugehen als andere.

Sind sie aber erstmal auf dem Court, sieht das freilich anders aus: Da wird um jeden Ball gekämpft, bis die Oberschenkel glühen. So war es auch beim 1. Internationalen Beachvolleyball-Turner der Menschen mit Behinderung zu beobachten. Organisiert wurde das Ganze maßgeblich von Jan Jacobsen, Veranstalter waren die Deutsche Sporthochschule Köln (DSHS) und der Behindertensportverband Nordrhein-Westfalen (BSNW). Die Idee aber dazu hatten einige Spieler und Volleyball-Bundestrainer Athanasios Papageorgiou, und zwar am Rande des Standing Volleyball Worldcups in Kambodscha im vergangenen Jahr.

Der Hintergrund der ganzen Angelegenheit ist für die Volleyballer ein durchaus ernster: Denn seit 2000 ist Standing Volleyball nicht mehr paralympisch (es gibt einmal jährlich einen Worldcup und Weltmeisterschaften), anstelle dessen hatte Sitzvolleyball für Frauen Aufnahme in die paralympische Comunity gefunden. „Eine aus unserer Sicht sehr fehlerhafte Entscheidung des Internationalen Volleyballverbandes der Behinderten“, sagt Papageorgiou, der selbst als der Volleyball-Pabst schlechthin gilt in der Szene. Freilich richtet sich seine Auffassung nicht gegen die Tatsache, dass nun auch Frauen Sitzvolleyball spielen, sondern das es zu einer Entweder-Oder-Entscheidung des Verbandes gekommen war.

Warten auf die nächste Aufgabe. Foto: Franco Erschbaumer

Warten auf die nächste Aufgabe. Foto: Franco Erschbaumer

Seit rund acht Jahren hatten Aktiven und Anhänger versucht, für die Wiederaufnahme ihres unstreitig attraktiven Sports zu kämpfen, aber die sportpolitischen Ampeln stehen in dieser Frage unabänderlich auf Rot. Jetzt wollen die Volleyballer neue Wege beschreiten, um vielleicht doch noch zum Ziel zu kommen: „Wir unternehmen den Versuch“, so Papageorgiou, „Beachvolleyball zu entwickeln, um bei den übernächsten Paralympics dabei zu sein.“

Der erste Meilenstein, da war man sich rasch einig, sollte ein Turnier sein, dass fortan jährlich stattfinden soll und an dem möglichst viele Teams aus dem Ausland teilnehmen sollen. Auf Anhieb kamen sieben Mannschaften aus vier Nationen nach Köln, darunter ein indisches Team. Die Premiere kann somit als gelungen angesehen werden.

Sportlich hatte nach der zweitägigen Veranstaltung die Mannschaft Polen 1 um ihren MVP-Spieler Adam Stepien die Nase vorn. Im Finale besiegte sie das Team von Deutschland 1 mit 21:11, 21:16. Platz 3 belegte das Team Deutschland 2 mit einem Sieg gegen die Slowakei. Auf Grund eines verletzten Spielers wurde die Mannschaft der Slowakei von einem holländischen Spieler komplettiert.

An dieser Stelle ist es wohl an der Zeit zu erklären, dass Beachvolleyball der Menschen mit Behinderung sich eigentlich kaum unterscheidet (Im Allgemeinen wird nach den FIVB Standard Beachvolleyball-Regeln gespielt), mit einer großen Ausnahme: Anstatt zwei stehen gleichzeitig drei Spieler auf dem Feld. Diese Änderung soll dazu dienen, die Spielstruktur und Wettbewerbsfähigkeit beim Beachvolleyball zu erhalten.

Auf diesem Weg kann die Teilnahme eines stärker eingeschränkten Spielers (Kategorie C) durch einen weiteren Spieler (A oder B) kompensiert werden. Beim Beachvolleyball hieße dies zum Beispiel, ein Armamputierter kann aus der Annahme herausgenommen werden und danach im Angriff eingesetzt werden.

Teilnahmeberechtigt an der neuen Sportart sind weltweit alle Stand- und Sitzvolleyballer, die unter die internationalen Stand-Volleyball-Klassifizierungskategorien A bis C fallen. Darüber hinaus müssen die Teams bestimmte Zusammensetzungsregeln befolgen: Beim Einsatz eines A-Spielers (geringfügige sportliche Einschränkung) muss ein Team mindestens einen C-Spieler auf dem Feld haben. Die Einschränkungen der Sportler werden so gleichermaßen berücksichtigt. So sind beispielsweise je ein Spieler A, B und C, oder drei Spieler der Kategorie B gemeinsam auf dem Feld.

 

Schmettern und Blocken. Foto: Franco Erschbaumer

Schmettern und Blocken. Foto: Franco Erschbaumer

Was da so trocken klingt in der Theorie, ist in der Praxis attraktiver Volleyball-Sport. Sollte es gelingen, bei dem Event wenigstens 18 Nationen aus drei Kontinenten begrüßen zu können, dann hätte die Sportart Beachvolleyball formal die Kriterien erfüllt, bei den Paralympics als Demonstrationswettbewerb aufgenommen zu werden. „2009 sind keine Paralmypics“, sagt Papageorgiou. „Wir hoffen, dass dann die internationalen Teams von ihren Verbänden unterstützt werden.“ Und auch Dr. Karl Quade, Vizepräsident Sport im DBS, wäre sehr erfreut über eine positive Entwicklung des Beachvolleyball-Sports. Er selbst war in seiner aktiven Zeit äußerst erfolgreicher Volleyballer. In Köln spielte er selber mit und warf sich in den Sand, um selbst unerreichbaren Bällen nachzuhechten. „Ich hoffe, dass unser Maskottchen einen Ball hat und auch Sand unter den Füssen.“ Franco Erschbaumer

Team Germany I: Torben Schieve, Martin Vogel, Timo Hager; Team II: Robert Kampczyk, Elmar Sommer, Stefan Drabold (alle BSG Saarwellingen) und Team III: Karl Quade, Barbaros Sayilir, Tammo Menke und Thomas Renger (alle TSV Bayer 04 Leverkusen)

 

Endstand:

1. Poland 1

2. Germany 1

3. Germany 2

4. Slovakia/Netherlands

5. India

6. Germany 3

7. Poland 2

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