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Tourismusregionen

Barrierefreie Naturerlebnisse

Immer mehr Tourismusregionen denken beim Ausbau ihrer Naturerlebnisangebote auch an Menschen mit Behinderungen sowie an Senioren und Familien mit kleinen Kindern. Die Arbeitsgemeinschaft Barrierefreie Reiseziele in Deutschland stellt die schönsten Angebote vor.

Mit dem Handbike zu erreichen: Steg am Landhaus Seebeck am Vielitzsee im Ruppiner-Seenland. Foto: Studio Prokop

Mit dem Handbike zu erreichen: Steg am Landhaus Seebeck am Vielitzsee im Ruppiner-Seenland. Foto: Studio Prokop

Die Begegnung mit der Natur ist beglückend und heilsam. Dass das eigentliche Erlebnis jedoch meist erst dort beginnt, wo ausgebaute Straßen und Wege enden, stellen Menschen mit Mobilitätseinschränkungen oft schmerzlich fest. Immer mehr Regionen erkennen das Problem und schaffen Möglichkeiten, der Natur trotz Handicap ganz nah zu kommen. Dabei wird auch an Menschen mit Hör-, Seh- und Lernbehinderungen sowie an Senioren und Familien mit kleinen Kindern gedacht. Unter dem Dach der Arbeitsgemeinschaft Barrierefreie Reiseziele in Deutschland (AG) ziehen die Vorreiter bei diesem Anliegen an einem Strang. Schon heute bieten einige der schönsten Natur- und Nationalparks sowie weitere Naturschutzgebiete zwischen Alpenraum und Wattenmeer vielfältige, überraschende und ungewöhnliche barrierefreie Erlebnisse.

Eifel: Hörerlebnis Rothirsch-Brunft

Die Eifel im Dreiländereck Deutschland, Luxemburg und Belgien birgt einen bemerkenswerten Naturschatz. Die Landschaft ist hier im Nationalpark Eifel einem besonderen Schutz unterstellt. Weite sattgrüne Hochflächen treffen auf tief eingeschnittene Bachtäler und Schluchtwälder, Narzissen- und Bärwurzwiesen auf kleinflächige Zwischenmoore und seltene Tier- und Pflanzenarten, darunter Rotmilan, Schwarzstorch und Moorlilie, finden beste Lebensbedingungen. Geschützt ist die Landschaft der Eifel auch im Naturpark Hohes Venn-Eifel, im Deutsch-Luxemburgischen Naturpark und im Natur-und Geopark Vulkaneifel.

Im Nationalpark schaffen barrierefreie Angebote wie Ranger-Führungen, Schiffstouren und das Wegenetz des Wilden Kermeters für Menschen mit und ohne Behinderung Zugang zur Natur. Außergewöhnlich ist der ehemalige Truppenübungsplatz Vogelsang. Viele Jahre war dieser für die Öffentlichkeit gesperrt, weshalb sich gefährdete Tier- und Pflanzenarten ansiedeln konnten. Dies bietet heute die Möglichkeit, Wildtiere in ihrem natürlichen Lebensraum zu beobachten. Etwa zur Brunftzeit der Rothirsche im Herbst. Das tiefe Röhren der in Mitteleuropa größten frei lebenden Wildtiere ist kilometerweit zu hören. Das ist auch für blinde und sehbehinderte Menschen ein eindrucksvolles Naturerlebnis. Ein beliebter Standpunkt ist die Rothirsch-Aussichtsempore auf der Dreiborner Hochfläche, die auch mit dem Rollstuhl barrierefrei zu erreichen ist.

Ostfriesland: Watt zum Anfassen

Der Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer in Ostfriesland ist einzigartig auf der Welt. Noch heute kann man hier mit eigenen Augen sehen und miterleben, wie Landschaften in der Eiszeit entstanden sind, wie Ebbe und Flut zusammenspielen und die Kräfte von Meer und Wind wirken. Bemerkenswert ist das Anpassungsvermögen der außergewöhnlichen Tier- und Pflanzenwelt an die täglich wechselnden Bedingungen ihres sehr dynamischen Lebensraums. Als UNESCO-Weltnaturerbe befindet sich das Wattenmeer in Gesellschaft der wertvollsten Landschaften und Lebensräume der Erde, wie dem Grand Canyon, Great Barrier Reef oder Amazonasgebiet.

Der Nationalpark vor der niedersächsischen Küste besteht zu etwa 55 Prozent aus Wasser und zu 40 Prozent aus Watt. Der Rest sind Festland und Inseln. So finden hier Meeresbewohner wie Kegelrobben, Seehunde und Schweinswale einen idealen Lebensraum. Ein beeindruckendes Naturschauspiel bietet sich im Frühjahr und Herbst, wenn Millionen von Küsten- und Wasservögeln auf ihrem Zug durch Europa mehrere Wochen im nahrungsreichen Watt rasten. Schier überwältigend sind die akrobatischen Flugformationen der Vogelschwärme am Horizont. Für Menschen mit Mobilitätseinschränkung halten viele Orte Wattmobile bereit. Die extrabreiten Reifen der Fahrzeuge verhindern das Einsinken in den weichen Schlickboden. Die Sitzfläche befindet sich knapp über der Erde. So ist der Wattboden zum Greifen nah. Und barrierefreie Nationalparkhäuser schärfen den Blick für den sensiblen Lebensraum.

Ruppiner Seenland: Wald, Wasser und Weite

Im Norden Brandenburgs sind großflächige Buchenwälder und mehr als 150 Seen im Naturpark Stechlin-Ruppiner Land einem besonderen Schutz unterstellt. Es ist das ursprüngliche Vorkommen der Bäume und das kristallklare Wasser der Seen, was die Region so einzigartig macht. Auch Kiefernforste, Fließgewässer, schilfgesäumte Ufer, geheimnisvolle Moore und Offenlandschaften prägen das Landschaftsbild, von dem schon Theodor Fontane schwärmte. Das Schutzgebiet ist Lebensraum für seltene Tiere wie Schellente, Fischotter, Sumpfschildkröte, See- und Fischadler.

Im Frühjahr, wenn die Natur erwacht, lässt sich zur Laichzeit das Treiben der blau gefärbten Moorfrösche im dunklen Wasser beobachten, aus dem Dickicht dringt der Ruf der Kraniche und Dutzende Seeadler kreisen über den Seen. Der natürlichen Stille lauschen kann man am Großen Stechlinsee, den ein vier Kilometer langer Rundweg säumt. Für heiße Tage gibt es eine naturnahe Badestelle mit barrierefreiem Einstieg: Ein Baumstamm wurde so arrangiert, dass er vom Land ins Wasser ragt. Durch seine Rundung kann man sich bei ausreichender Beweglichkeit vom Rollstuhl direkt ins Wasser gleiten lassen und auch wieder herausziehen.

Sächsische Schweiz: Oase der Mystik und Dramatik

Der Nationalpark Sächsische Schweiz im Elbsandsteingebirge schützt eine der spektakulärsten Naturlandschaften Europas. Bereits den Künstlern der Romantik war das Felsenreich südöstlich von Dresden ein Sehnsuchtsort – eine Oase der Mystik und Dramatik. Skurrile Sandsteinformationen, mächtige Tafelberge und schroffe Felsmassive wechseln mit tiefen Schluchten, moosbewachsenen Klammen und dem canyonartigen Elbtal. Seltene Tiere wie Wanderfalke, Siebenschläfer, Schwarzstorch, Luchs und Eisvogel fühlen sich hier wohl. Florale Eiszeitrelikte wie das Zweiblütige Veilchen sind zu beobachten. Und immer wieder bieten sich neue, eindrucksvolle Panoramen.

Trotz ihres ausgeprägten Höhenprofils verfügt die Sächsische Schweiz über einige für Menschen mit Mobilitätseinschränkung geeignete Wanderwege. Der zertifizierte Nationalparkführer Veit Riffer, selbst Rollstuhlfahrer, führt Besucher per Handbike durch den einzigen Felsennationalpark in Deutschland.

Herrliche Aussichtspunkte wie die Bastei oder der Brand, der „Balkon der Sächsischen Schweiz“, sind ebenerdig erreichbar. Ebenso das durch Caspar David Friedrich berühmt gewordene Uttewalder Felsentor. Im Frühjahr locken die Märzenbecherwiesen ins Polenztal. Und für Urlauber mit Hör-, Lern-und geistiger Behinderung werden spezielle Kletterkurse angeboten.

Fränkisches Seenland: 300 Vogelarten auf einer Insel

Das Fränkische Seenland südwestlich von Nürnberg ist eine malerische Komposition aus sieben großen Wasserflächen, sanften Hügeln, dichten Wäldern und blühenden Wiesen. Bekannt ist die Landschaft vor allem für ihre wertvolle Vogelwelt. Zahlreiche Storchenfamilien sind hier beheimatet. Auch der in Deutschland seltene Seeadler und Hunderte weitere Arten fühlen sich hier wohl. Beobachten kann man diese auf der Vogelinsel im Altmühlsee. Das Naturschutzgebiet umfasst mehr als 200 Hektar Fläche. Freie Seeflächen, Flachwasserbereiche, Schilfzonen, Feuchtwiesen und Gebüsche bieten vielfältige Biotope. Etwa 300 verschiedenen Vogelarten – überwiegend Wasser- und Watvögel, zunehmend auch Singvögel – nutzen die lagunenartige Insel als Brut- und Rastplatz.

Ein barrierefreier Rundweg lädt Besucher mit und ohne Mobilitätseinschränkungen zum Entdecken der Vogelinsel ein. Von März bis Oktober bietet der Landesbund für Vogelschutz (LBV), der das Naturschutzgebiet betreut, fachkundige Führungen und spezielle Kinderführungen an. Dabei erhalten Besucher einen Einblick sowohl in die Vogel-, also auch in die übrige Tier- und Pflanzenwelt. Man erfährt auch etwas über die Entstehung des Altmühlsees und die damit verbundene Veränderung der Landschaft sowie den Schutz von Gewässern und Feuchtwiesen. Anne Jungowitz/tpr

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