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EM Leichtathletik

Sebastian Dietz auf den Punkt voll da

Einmal Gold, zwei Mal Silber und einmal Bronze haben sich die deutschen Para-Leichtathleten am vierten Tag der Heim-Europameisterschaft in Berlin erkämpft und schraubten damit ihre tolle Bilanz beim Heimspiel weiter nach oben.

Sebastian Dietz und Fans. Foto: Binh Truong/ DBS

Die Bühne war bereit: Im Vorfeld der Heim-EM in Berlin hatte sich Sebastian Dietz oft und leidenschaftlich für die Groß- veranstaltung im Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark stark gemacht – und als es darauf ankam, lieferte er nun auch ab. Mit 15,28 Metern stieß er die Kugel nur sechs Zentimeter kürzer als der Weltrekord, den er in Berlin eigentlich angreifen wollte. Nach einer schwierigen Saison belohnt sich der aktuelle Weltmeister und Paralympics-Sieger nun auch mit dem EM-Titel: „Mein Trainer Alex Holstein hat mir irgendwann verraten, dass er die Saison so geplant hat, dass es zunächst schwierig für mich wird. Das war für meinen Kopf nicht schön, aber in seiner Planung war immer alles in Ordnung. Ich war zum Saisonhöhepunkt voll da, auch wenn zu unserem Ziel sechs Zentimeter gefehlt haben. Trotzdem bin ich Europameister und das zählt heute Abend.“ Anschließend feierte der frischgebackene Titelträger mit seinen Fans im Block, darunter auch der Verein SCHAKI e.V., die größte Selbsthilfegruppe für Schlaganfallkinder, den Dietz ins Stadion eingeladen hatte.

Lindy Ave, die schon über 400 Meter und im Weitsprung Gold und Silber gewonnen hatte, steuerte ein weiteres Edelmetall zu ihrer Sammlung bei. Über 200 Meter musste sie sich in 27,24 Sekunden nur Weltrekordhalterin und Superstar Sophie Hahn aus Großbritannien geschlagen geben, war aber überglücklich: „Es war auf jeden Fall Gegenwind, aber hinten raus hat es gut geklappt. Meine Ausbeute hier ist bislang überraschend gut, wobei die 100 Meter und die Staffel ja noch kommen.“

Nach Silber im Diskuswurf legte auch Martina Willing nach: Im Speerwerfen landete ihr Wurfgerät bei 21,34 Metern, nur die große Favoritin Diana Dadzité aus Lettland konnte erwartungsgemäß noch an ihr vorbeiziehen: „Die zweite Medaille, wieder Silber, wahrscheinlich bin ich eine kleine Silberelster. Damit bin ich sehr zufrieden, weil Gold nicht erreichbar und nach hinten auch Luft war, also alles planmäßig absolviert. Jetzt will ich Sonntag noch mal um eine Medaille kämpfen.“

EM-Debütant Felix Krüsemann sorgte in Berlin für gute Stimmung. Foto: Binh Truong/ DBS

Die beste Stimmung des Abends bescherte EM-Debütant Felix Krüsemann dem Berliner Publikum, beziehungsweise dessen großer Fanclub vom RSV Eintracht Berlin. Der Lokalmatador war mit der drittschnellsten Zeit gemeldet und lief ein kluges Rennen: Die beiden dominanten Franzosen ließ er ziehen, dahinter führte der 17-Jährige ein großes Feld an, das er stets unter Kontrolle hatte. 400 Meter vor dem Ende zog er dann an und schüttelte eingangs der Zielgeraden auch den letzten Verfolger ab. „Die vorne waren zu schnell, die hinter mir zu langsam. Als Phil gestern Bronze geholt hat, war mir klar, dass ich nachlegen muss, auch wenn ich Bronze nie auf dem Schirm hatte“, sagte er in Anspielung auf Kumpel Phil Grolla, nachdem er mit seinem Fanclub auf dem Zaun gefeiert hatte.

Für Alhassane Baldé wurde die erkämpfte Bronzemedaille zur Zitterpartie. Nach einem Protest wurde der 32-Jährige vom SSF Bonn disqualifiziert, weil er den Briten Nathan Maguire angeblich auf der Ziellinie durch einen Spurwechsel am Überholen gehindert haben soll. „Wir müssen das Urteil hinnehmen, auch wenn wir damit nicht einverstanden sind“, sagte Teammanager Jörg Frischmann, nachdem noch ein Gegenprotest eingelegt worden war, der aber abwiesen wurde.

Nach dem vierten Tag der Para Leichtathletik-EM in Berlin hat die Deutsche Paralympische Mannschaft nun sieben Gold-, zwölf Silber- und fünf Bronzemedaillen ergattert. Kevin Müller

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