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Zum Abschluss der WM

Staffel rast zu Gold

Es war der goldene Lauf, das erhoffte Highlight zum Abschluss: In einem sensationellen 4×100-Meter-Rennen legten Markus Rehm, David Behre und Felix Streng stark vor für Schlussläufer Johannes Floors. Schließlich musste sich dieser gegen den überragenden Amerikaner Richard Browne behaupten, der bei der Leichtathletik-Weltmeisterschaft in Doha (Katar) zweimal Gold mit Weltrekord (100 und 200 Meter) holte. Doch die Amerikaner leisteten sich eine Nachlässigkeit beim letzten Wechsel – und Floors ließ sich diese Chance nicht nehmen und lief nach 41,86 Sekunden souverän als Erster über die Ziellinie. Was folgte, war grenzenloser Jubel beim siegreichen Quartett und auch beim deutschen Team auf den Rängen. WM-Titel, Staffel-Gold – und das sogar mit Europarekord.

Die deutsche Staffel im Siegesrausch: Markus Rehm, David Behre, Felix Streng und Johannes Floors. Foto: Marcus Hartmann/ photo-hartmann.de

Die deutsche Staffel im Siegesrausch: Markus Rehm, David Behre, Felix Streng und Johannes Floors. Foto: Marcus Hartmann/ photo-hartmann.de

Die Weltmeisterschaft in Katar wurde damit so goldig beendet wie sie angefangen hatte. Den ersten Titel gewann Kugelstoßer Sebastian Dietz mit Überraschungs-Gold direkt zum Auftakt, zehn Tage später bejubelte die deutsche Staffel die achte und letzte Goldmedaille. „Es hat einen Riesenspaß gemacht, ein Wahnsinns-Rennen vom gesamten Team“, betonte Weitsprung-Weltrekordler Markus Rehm, der bei zwei Starts zwei Titel holte. Auch bei Youngster Felix Streng herrschte Freude pur. „Ich bin einfach nur super glücklich. Wir wussten, dass es schwer wird gegen die starken Amerikaner, doch wir haben fleißig für diesen Lauf trainiert und als Team den Titel nach Deutschland geholt“, sagte der 20-Jährige, der zuvor der Pechvogel bei dieser WM war und mehrfach knapp an den Medaillenrängen vorbeischrammte, zuletzt als Vierter über 100 Meter. „Es ist nicht alles so verlaufen, wie ich es mir gewünscht hatte. Trotzdem war die Weltmeisterschaft eine super Erfahrung für mich. Auch nach den Rückschlägen hat mich das Team immer weiter unterstützt und motiviert, dafür ein großes Dankeschön“, erklärte Streng und fügte an: „Deshalb freue ich mich über das Staffel-Gold umso mehr.“ Genau wie Teammanager Jörg Frischmann, der sich ein besseres Geschenk zum 52. Geburtstag nicht hätte vorstellen können.

So herrschte beim deutschen Team nach zehn kräftezehrenden und heißen Tagen mit 214 Entscheidungen Zufriedenheit. Neben den acht Goldmedaillen sammelten die Athleten von Bundestrainer Willi Gernemann noch siebenmal Silber und neunmal Bronze und damit insgesamt 24 Medaillen. Das bedeutet Platz acht im Medaillenspiegel. „Wir haben gezeigt, dass wir dabei sind, auch wenn das Leistungsniveau zehn Monate vor den Paralympics erheblich angestiegen ist. Wenn man zudem berücksichtigt, dass mit Birgit Kober, Mathias Mester und Heinrich Popow drei Weltmeister und Paralympics-Sieger verletzungsbedingt ausgefallen sind, können wir mit dem Abschneiden sehr zufrieden sein“, resümierte Gernemann. So seien einige sehr positive Überraschungen dabei gewesen, andere seien allerdings auch enttäuscht gewesen. „Da hätten wir uns noch mehr erwartet.“

Einige Newcomer machten auf sich aufmerksam

Mit Blick auf die Spiele in Rio liege daher auch noch eine Menge Arbeit vor dem deutschen Team. „Wir haben kein Qualitäts- sondern ein Quantitätsproblem. Daher müssen wir unbedingt noch mehr Talente sichten und fördern“, betonte Gernemann. Dabei machten in Doha bereits einige Newcomer auf sich aufmerksam. Kugelstoßer Niko Kappel (20) holte Silber, Johannes Floors (20) Bronze über 400 Meter, lief zudem Europarekord über 200 Meter und ebenso wie Felix Streng (20) zu Staffel-Gold. Die Youngster Léon Schäfer (18) und Philipp Waßenberg (17) verpassten im Weitsprung nur knapp das Treppchen und stellten in ihren Läufen neue persönliche Bestleistungen auf. Frederike Koleiski (28) und Frances Herrmann (26) gewannen bei ihrer WM-Premiere Bronze, während Juliane Mogge (25), ebenfalls Debütantin, knapp Vierte wurde.

Verlass war auch auf die Routiniers. Marianne Buggenhagen (62) gewann Doppel-Gold mit der Kugel sowie im Diskus und lässt den jüngeren Konkurrentinnen nach wie vor keine Chance. Es waren die WM-Titel Nummer 22 und 23 in der sensationellen Karriere der „Grande Dame“. Die blinde und querschnittsgelähmte Martina Willing (56) siegte souverän im Speerwurf und David Behre (29) gelang über 400 Meter ein Paukenschlag mit Gold und Europarekord. Sogar Gold mit neuem Weltrekord schafften jeweils die Überflieger Markus Rehm (27) mit 8,40 Meter und Vanessa Low (25) mit 4,79 Meter. Daneben gab es einige weitere Europarekorde und deutsche Rekorde sowie persönliche bzw. Jahresbestleistungen zum Saisonhöhepunkt. Auch Franziska Liebhardt (33/zweimal Silber), Claudia Nicoleitzik (25/Silber und Bronze), Marie Hawkeswood (49/Silber und Bronze) und die noch angeschlagene Irmgard Bensusan (24/ Silber) zeigten, dass mit ihnen in Rio 2016 zu rechnen sein wird.

Durch die guten Platzierungen bei dieser WM hat das deutsche Team bereits zehn Startplätze für die Paralympics gesichert, zudem hat aller Voraussicht nach auch die Staffel ihr Ticket als Weltmeister gelöst. Deutschlands Athletinnen und Athleten haben sich in der teils grenzwertigen Hitze von Doha wacker geschlagen und mit acht WM-Titeln, zwei Weltrekorden und zahlreichen Bestleistungen geglänzt. Zwar waren die Ränge im Stadion häufig leer, doch die Aufmerksamkeit in der Heimat war groß, auch dank des Livestreams, der mit Unterstützung der Sparkassen-Finanzgruppe und Sportdeutschland.TV angeboten werden konnte. Gut zehn Monate vor den Paralympischen Spielen eine gute und gelungene Standortbestimmung für Markus Rehm, Vanessa Low, Marianne Buggenhagen und Co. auf dem Weg nach Rio. Kevin Müller

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