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Judo

Triumph der Tiger und Seesterne

Mit aufgerissenen Augen legt sich der Tiger in Lauerstellung, zum Sprung bereit. Nebenan räkelt sich eine Eidechse, während ein Seepferdchen gerade Dehnübungen macht. Dehnübungen?! Ja richtig, denn dies ist eine Szene in der Arthur-Schirmacher-Sporthalle in Gladbeck. Dort hat die 1. Offene DM der Judoka mit geistiger Einschränkung stattgefunden.

Foto: Franco Erschbaumer

Die Stimmung bei diesem denkwürdigen Event war überwältigend: Über 400 Judoka aus dem In- und Ausland plus Zuschauer und Betreuer ließen es in der halle ziemlich eng werden. Erstmals wurden in Deutschland nationale Meisterschaften für Kämpferinnen und Kämpfer mit geistiger Behinderung ausgeschrieben. Sehr zur Freude der Organisatoren war die Resonanz mehr als groß. In drei verschiedenen Funktionsklassen wurde von morgens bis in den späten Abend hinein gekämpft, wobei es lediglich in der ersten Funktionsklasse um Titelehren ging. „Um langwährende Ankündigungen zu vermeiden, haben wir den einzelnen Funktionsklassen Tiernamen zugeordnet“, erklärt Initiator Dr. Wolfgang Janko den oben erwähnten Vergleich.

Die Gewichtskategorien der ersten Funktionsklasse wurden also der Einfachheit halber in Säugetier-Namen unterteilt. Die Kampfzeit betrug pro Begegnung jeweils drei Minuten, wobei vorgeschrieben war, dass die Kämpferinnen und Kämpfer im Stand beginnen mussten. In der Funktionsklasse der Fische hatten die Teilnehmer dann die freie Wahl, ob sie aus dem Stand oder am Boden kämpfen wollten. Die Reptilien schließlich hatten eine Kampfzeit von zwei Minuten und starteten bereits am Boden. Es waren also nicht immer Löwen und Tiger die stärkeren, sondern auch Seegurken und Heringe gehörten zum stolzen Kreis der Gewinner.

Eine weitere Besonderheit an diesem Tag: Hebel- und Würgetechniken waren für alle Klassen verboten. Denn bei kaum einer anderen Judo-Veranstaltung sieht man Wettkämpfe, bei denen die Emotionen so überkochen können. Hier mussten die Schiedsrichter wie etwa Gregor Pleßmann, Redakteur des DRS-Verbandsheftes Rollstuhlsport und selbst begeisterter Judoka, mitunter hart durchgreifen. Doch trotz des vollen Einsatzes: Der Spaß, den die Teilnehmer bei dieser Veranstaltung hatten, lag förmlich in der Luft. Franco Erschbaumer

Folgende Kämpferinnen und Kämpfer trugen sich nach spannenden und sehenswerten Begegnungen in die Siegerliste ein:

Brigitte Dilly (-52 Kilo)

Katrin Huchel (-63)

Anja Dowidat (-70)

Sabine Diringhaus (-78)

Markus Kremer (-60)

Wolfgang Frank (-66)

Horst Hülsmann (-73)

Ralf Mruck (-81)

Samuel Couillez (Frankreich/-90)

Werner Mostrez (Belgien/-100)

Terwin v. Sweevelt (Belgien/+100)

 

Erschbaumer Verlag. Outrun – das Sportmagazin. Alle Rechte vorbehalten/All rights reserved

 

 

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